Quelle U. M. Joe Hoffmann
Manchmal höre ich mich an, wie eine kaputte Schallplatte. Ich weiß.
Aber es kommt mir wirklich oft so vor, als wenn ich mich in einer Post-Apokalyptischen-Stephen-King-Welt befinde, in der alle über etwas sprechen, was nie stattgefunden hat. Infiziert von einem Virus. Der es im Grunde wohl auch ist.
Entweder die Leute haben keine Ahnung von Militär, oder sie unterliegen einer Massenpsychose. Ersteres halte ich nach vier Jahren in diesem Projekt für empirisch nachgewiesen, beim zweiten werde ich mir immer sicherer.
Von Tag Eins des Angriffs auf den Iran an konnte ich lesen, die USA seien „ohne Plan“ da rein gegangen. Das steigerte sich und inzwischen lese ich es überall. Auch bei Menschen, die ich wirklich schätze. Es ist surreal.
Wann immer ich frage, welchen Plan sie erwarten, kommt nichts mehr. Und wenn etwas kommt, ist es „Regime Change“.
Kürzen wir das bitte ab: Kein Staat der Welt hat irgendein Interesse an einem militärischen Regime Change in einem anderen Land. Mit zwei Ausnahmen: Religion oder Okkupation.
Viel zu teuer, viel zu unbeliebt beim Volk, viel zu unsicher im Ergebnis.
Trump und Netanjahu ist es vollkommen gleichgültig, wie viele Iraner durch das Regime abgeschlachtet werden. Zumindest, wenn man militärische Intervention als Maß nimmt. Und das könnten auch größere Sympathieträger sein, es würde keinen Unterschied machen.
In Syrien hat es Jahre und einen Bürgerkrieg gedauert, bis das Regime gefallen ist. Und nun durch mindestens strenggläubige Sunniten ersetzt wurde. Im Jemen sind Hunderttausende verreckt, und nicht einmal das benachbarte Saudi-Arabien, die Protegés der Regierung, tun etwas gegen die vom Iran finanzierten Huthi. Müssen wir noch über den Sudan sprechen? Oder ist die Realität so schmerzhaft, dass sie gleich generalisiert verdrängt wird?
Irak? Afghanistan? Na dann schaut ersteinmal genauer hin.
Gerade in Europa haben wir die Nachrichten und Bilder der zehntausenden getöteter Iraner gesehen. Der moralische Volkszorn kocht. Und dann gehen die USA und Israel rein. Das muss der Regime Change sein. Er MUSS es sein.
Tatsache ist aber, dass das nie jemand so gesagt hat.
Medien haben das so verkauft. Verkauft! Weil sie wissen, was die Menschen lesen, hören und sehen wollen.
▶️ In seiner ersten Rede am Tag des Angriffs hat Trump vor allem davon gesprochen, dass der Iran die USA angegriffen hat. Und nebenbei hat er gesagt, wenn sie fertig mit der Nummer sind, ist es am iranischen Volk, etwas zu tun.
▶️ Auf einer Pressekonferenz am 02.03.2026 sagte Kriegsminister Hegseth wörtlich „This is not a so-called ‘regime change war’, but the regime sure did change.“ („Dies ist kein sogenannter ‚Regimewechselkrieg‘, aber das Regime hat sich definitiv geändert.“ ...sicher Anspielung auf den Tod Khameneis.)
▶️ Noch vor zwei Tagen hat Netanjahu an die Iraner gewendet auf X gepostet: „Eure Träume werden Wirklichkeit. Wenn die Zeit reif ist – und diese Zeit rückt schnell näher – werden wir euch die Verantwortung übergeben. Seid bereit, die Chance zu ergreifen!“
😱 Was reden alle? Bin ich in der Regime-Change-Twighlight-Zone gelandet?
Krieg ist niemals konstruktiv. Er ist destruktiv. Ziel jedes Kriegs ist Zerstören und Töten. Ich habe das Gefühl, Europäern muss man das immer wieder ins Gedächtnis rufen.
„Bomben haben noch nie für Freiheit gesorgt“ Deutschland, Italien, Polen, Japan…
Aber das bedeutet nicht, dass es das primäre Ziel ist.
Im Grunde sind die militärischen Ziele der USA und Israel definiert und völlig offensichtlich.
▶️ Die Fähigkeit zerstören, Atomwaffen zu bauen.
▶️ Die Fähigkeit zerstören, Israel anzugreifen.
▶️ Die Mittel zerstören, Proxys wie Hamas, Hisbollah und Huthi zu finanzieren.
Alles andere, wie die zerstörte Fähigkeit Russland Drohnen zu verkaufen oder ein Regime Change, sind nur Nebenprodukte, Derivate dessen.
Wer etwas darüber hinaus erwartet, hat Militär nicht verstanden. Wenn ich den Hund von der Kette lasse, erwarte ich doch auch nicht, dass der einen Zaun um mein Grundstück baut, verhandelt und Schilder aufstellt. Der hat da andere Vorstellungen.
Ich weiß nicht, was andere so rezipieren. Aber wann immer ich Äußerungen von verantwortlichen Militärs und Politikern lese, lese ich sehr deutlich, dass es an den Iranern ist, etwas zu ändern.
Und nur, um späteren Kommentaren vorzugreifen: Das heißt nicht, dass ich das gut finde. Ich erkläre und berichte. Das ist die kalte Realität.
Mehr Hilfe als jetzt werden die Iraner niemals bekommen. Niemals. Von keinem. Sie werden den Regime Change selber erledigen müssen. Sie werden zu zehntausenden, vielleicht hunderttausenden, sterben müssen. Sonst wird das nichts.
Diese Hilfe jetzt ist bereits eine ganz große Nummer. Für die Geschichtsbücher. Mehr kommt da nicht.
Die Straße von Hormus ist vermint und die Ölpreise gehen steil. Das ist für Trump ein viel größeres Problem, als das Schicksal der Iraner. Das ist ein indirekter Effekt, über die Finanzmärkte und Konzerne. Ich glaube tatsächlich, damit haben sie so wenig gerechnet, wie mit den absurden Angriffen auf umliegende Staaten, wie bei einem erweiterten Suizid.
Europa und USA beziehen kein Öl aus der Region, es könnte uns egal sein.
Der mit Abstand größte Abnehmer ist China. Und wenn China einsteigt und die Mullahs unterstützt, dann ergibt das ein völlig neues, geopolitisches Gefüge. Denn dann könnte der globale Riese, der sich eigentlich schön aus allem heraushält, indirekt die Hisbollah, die Huthi und nebenbei die Hamas, unterstützen.
Und genau das wäre das nächste große Problem. Nicht das Öl an sich und nicht ein möglicher Bürgerkrieg. China kann den ganzen fucking Iran kaufen und eine Biang Biang Nudeln Garküche daraus machen. Im Iran lebt ein Sechzehntel aller Chinesen.
Und deshalb erzählt Trump etwas von eskortierten Tankern (was Militärs schon bestritten haben) und dass der Krieg fast beendet sei. Um den Ölmarkt bei der Stange zu halten.
Und genau deshalb wurden in der vorletzten Nacht sofort Aufnahmen unclassified veröffentlicht, wie die Navy die kleinen Minenleger der Iraner in die Luft jagt. Die armen Revolutions-Rettiche haben keine Ahnung, dass sie jetzt Allahu-rufend für Chinas Öl sterben werden.
Es tut mir leid, ich verstehe nicht, was die Leute nach nicht einmal zwei Wochen Krieg von „Plänen“ und „Regime Change“ erzählen. Die Oper ist zu Ende, wenn die dicke Frau gesungen hat. Und ich habe das strenge Gefühl, Israel hat da noch was in Petto.
Aber hört doch bitte auf mit dieser völlig illusorischen Vorstellung des Krieges aus humanitären Gründen. Es befürwortet und widerlegt nichts, sondern ist naiv.