Man wirbt um Fachkräfte, als würde man ein Ferienhaus anpreisen: „Kommen Sie zu uns, wir freuen uns über jede helfende Hand! Und bitte ignorieren Sie beim Ausladen des Umzugskartons einfach die politischen Stimmungsbilder, die Kommentarspalten und den Nachbarn, der historische Symbole im Carport sammelt. Der beißt nur am Montag.“
Es ist schon bemerkenswert: Erst schafft man ein gesellschaftliches Klima, das ungefähr so einladend ist wie ein zugiger Wartesaal im Winter – und dann wundert man sich, dass niemand freiwillig bleibt. Das ist, als würde man ein Café eröffnen, die Gäste am Tresen anknurren und später rätseln, warum die Stühle unbesetzt bleiben.
Und im Herbst, nach den Wahlen? Da dürfte sich im Osten eine kleine Wanderbewegung ergeben – allerdings in die entgegengesetzte Richtung. Die wenigen internationalen Fachkräfte, die sich bisher dorthin verirrt haben, werden wohl weiterziehen. Im Westen fehlen schließlich auch Leute, nur ohne das Gefühl, dass man beim Einkaufen als gesellschaftliches Risiko wahrgenommen wird.
Was war eigentlich die Idee dahinter?
Dass Ärztinnen, Entwickler, Pflegekräfte und Ingenieurinnen morgens eine Stellenanzeige lesen und denken:
„Gute Bezahlung, schöne Natur, günstige Mieten – und als Bonus das tägliche Gefühl, ein wandelnder Stresstest für die Nachbarschaft zu sein. Wo ist der Vertrag?“
Oder setzte man darauf, dass Menschen aus aller Welt begeistert anreisen, sobald sie merken, dass man Abwehrhaltung als regionalen Brauch auslegt?
Natürlich gibt es dort viele warmherzige, kluge, offene Menschen. Für die tut es mir wirklich leid. Sie sitzen im selben Boot wie alle anderen – nur dass jemand anders beschlossen hat, mit voller Kraft gegen die Hafenmauer zu steuern. Und jetzt wundert man sich über die Stimmung an Deck.
Aber Regionen leben nicht nur von ihren besten Bewohnern. Sie leben von ihrem Ruf. Und ein Ruf ist wie ein Garten: Man kann ihn pflegen – oder man kann jahrelang Gift spritzen und sich dann wundern, dass nichts mehr wächst.
Ich meide diese Gegenden. Nicht aus Trotz, sondern aus Selbstschutz. Als Frau mit dunklerem Teint, südlich der Alpen stammend, fühle ich mich dort nicht sicher. Wo Abwertung regelmäßig Wahlerfolge feiert, fühlt sich ein Wochenendtrip nicht nach Erholung an, sondern nach einer Mischung aus Feldstudie und Mutprobe.
Tragisch ist das, ja. Aber Tragödien entstehen nicht aus dem Nichts. Oft sind sie die logische Folge einer langen Reihe schlechter Entscheidungen.
Wenn Hotels leer bleiben, wenn Unternehmen abwinken, wenn Fachkräfte sich denken „Vielleicht doch lieber dorthin, wo man nicht erklären muss, warum Vielfalt kein Sicherheitsrisiko ist“, dann ist das kein Schicksalsschlag. Es ist die Rechnung. Und Rechnungen lassen sich schlechter wegreden als Wahlplakate.
Vielleicht hätte man früher fragen sollen:
Was kostet es eigentlich, Menschen konsequent das Gefühl zu geben, überflüssig oder störend zu sein?
Jetzt kennt man einen Teil der Antwort.
Der Arbeitsmarkt hat abgestimmt.
Und er ist weniger sentimental als jede Talkshow.