Gerhard Habarta über die Phantasten unter den Künstlern

Samstagsreden sind „Miniaturen, die als Panoramagemälde daher kommen. Das macht ziemlich viel Arbeit und ist nach kurzem Beifall vorbei. Die Lebensdauer einer Eröffnungsrede, ist sie einmal hinausgeblasen, ist kürzer als die einer Tageszeitung“, schreibt der Autor Gerhard Habarta selbstironisch über seine vorwiegend an Samstagen gehaltenen Eröffnungsreden von Ausstellungen im Wiener PhantastenMuseum.

Die erste von 73 in diesem Band versammelten Reden wurde genau vor fünf Jahren gehalten, am 15.1.2011. Und sie ist programmatisch für die Weltanschauung, das Engagement und das Lebenswerk des Autors, der seit den 1970er Jahren Grafikeditionen heraus brachte und schon Ausstellungen organisierte, als das Wort „Kurator“ noch lange nicht in Mode war.

Habarta erinnert an die Nachkriegszeit, als die Phantasten als „Verräter an der Moderne“ galten: „Die gegenständliche Kunst war durch die Nazikunst und ihr Pendant im sowjetischen Einflussbereich desavouiert worden. So wurde das informelle als Bekenntnis zum freien Westen, als Staatskunst herausgestrichen. Die abstrakte Kunst ist gleichzeitig mit den CARE-Paketen und ERP-Krediten gekommen. Sie war nur in den Marshallplan-Ländern zu lokalisieren.“

Habarta sagt mit wenigen, lakonischen Worten mehr als manche, die heute über die CIA-Kunst große Verschwörungstheorien konstruieren. So wie etwa der Film „Kunstmacher in Österreich“ von Martin Luksan, der es offenbar nach seiner Premiere im Kunstraum der Ringstrassen Galerien zu keiner weiteren Aufführung gebracht hat. Zumindest ist nichts davon im Internet dokumentiert.

im Kunstraum, der schönsten Galerie Wiens, das darf ich hier mal so nebenbei einwerfen als einer, der dort täglich ein und aus geht, haben auch einige Phantasten ausgestellt, obwohl hier nicht nur Phantasten ausstellen, das muss ich hier mal so nebenbei klarstellen als einer, ja sogar der einzige, der für das Programm des Kunstraums in den Ringstrassen Galerien zuständig ist. Deshalb hier ein paar Original-Habarta-Zitate über Künstler, die im PhantastenMuseum und parallel im Kunstraum vertreten waren (oder sind).

Über Ernst Fuchs: „Fuchs ist ein Event, seine Dynamik, die Vielfältigkeit seines Werkes und seiner Leaderqualität. … Viele seiner weltweiten Schüler, Lehrlinge und Assistenten studierten bei Ernst Fuchs als einziger Alternative zur akademischen Ausbildung, da die altmeisterlichen Techniken nicht mehr an den Hochschulen gelehrt werden. … Malerei-Studenten sollen machen was sie wollen, die Ausbildung lässt sie als Autodidakten im Regen stehen.“

Über Julia Hanzl: „Hätte der Cosimo de Medici sie gekannt, er hätte sie sofort eingeladen für ihn zu arbeiten. … Die Julia Hanzl befreit die Keramik als plastische Kunst aus der Geiselhaft der Kindergartenpädagoginnen, der Freizeitmodellierer und Tekannen-Ästheten.“

Über Vladimir Petrov-Gladky: „Der Maler Petrov-Gladky war ein Dissident. … Wenn Sie hier die Bilder des Petrov-Gladky in ihrer barocken Detail-Fülle sehen, in ihrer scheinbar offensichtlichen Harmlosigkeit, dann bitte nehmen Sie sich die Zeit genauer hinzusehen, hinein zu sehen in die Bilder. Es war verbotene Kunst.“

Über Hubert Sommerauer: „Sommerauers Bilder sind etwas ganz Eigenständiges. … Es ist schlicht und einfach unsere Welt, abgebildet in dem kurzen Moment zwischen Gegenwart und Vergangenheit. Ein Bild der Vergänglichkeit. Es ist der längste und gleichzeitig kürzeste Moment, wenn die Gegenwart als Zukunft Vergangenheit ist. Diese Momente sind das Hauptthema im Werk des Hubert Sommerauer.“

Samstagsreden: Gedruckt wie gesprochen

fantart publishing, 2015

ISBN 9783738623451

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Silvia Jelincic

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