(Christi Himmelfahrt) - Häufig kommt es vor, dass Schriftsteller Ereignisse der realen Welt mehr oder weniger verfremdet in ihren Romanen verarbeiten. In der Schweiz häufen sich Kriminalfälle, die scheinbar nach Vorlagen der Weltliteratur inszeniert wurden.
ethos.at https://ethos.at/ideenreich/kultur/1456-kriminelle-inszenieren-weltliteratur
Anmerkung zum Foto: Die Inhalte dieser Bücher haben nichts mit dem vorliegenden Artikel zu tun - was schon daraus folgt, dass sie nichts mit Weltliteratur zu tun haben.
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Am 13.5.26 berichtet NZZ.ch: "Ein Pöstler wirft Briefe einfach in den Wald, statt sie zuzustellen. "Der 20-Jährige wurde wegen mehrfacher Verletzung des Post- oder Fernmeldegeheimnisses bestraft“.
Schon 1974 publizierte der österreichische Autor Alois Brandstetter seinen satirischen Roman „Zu Lasten der Briefträger“ mit folgenden signifikanten Zitaten:
“Das Postlesen, lieber Postmeister, hält auch auf, mit dem Postlesen habt ihr immer so lange zu tun, daß ihr oft kaum noch zum Zustellen kommt. Deine Post, lieber Postmeister, ist ein Lektorat, deine Post ist das reinste Lektorat. Mit dem Sortieren hättet ihr nie so lange zu tun, das Lesen der Post braucht seine Zeit.“
„Die Briefträger von heute sind ja keine Briefträger mehr, sondern größtenteils Prospektträger und Altpapierlieferanten im Vorhinein.“
„Postwurfsendungen sind Postwurfsendungen, sagt der Postmeister und schmeißt sie in den Mühlbach.“
“Ich bin keine wichtige Person, Postmeister, aber wenn ich telephoniere, begrüße ich sicherheitshalber immer auch die Mithörer von Post und Verfassungsschutz. Grüß Gott, sage ich, meine Herren. Wenn es plötzlich ein wenig knackt, dann weiß ich, daß schon wieder der Wurm in der Leitung ist, der Gewissenswurm, der Ohrwurm der Obrigkeit.“
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Am 11.5.2026 berichtet NZZ.ch: „Ein Arzt zersticht Heiligabend die Pneus von elf Autos. Das Parkhaus Irchel, das sich auf Zürcher Stadtgebiet direkt an der Autobahn 1L befindet, war lange Zeit bekannt dafür, dass man es gratis durchfahren konnte, um bestimmten Staulagen auszuweichen. Ein heute 40-jähriger Arzt wollte diesen Umstand an Heiligabend 2024 ausnützen. Dabei musste er aber feststellen, dass inzwischen eine Gebühr von 3 Franken 50 für die blosse Durchfahrt eingeführt worden war. Seine Tat kommt ihn teuer zu stehen.“
Der tschechisch-französische Autor Milan Kundera publizierte 1990 den Roman „Die Unsterblichkeit“. Eine der Hauptfiguren ist Avenarius. Literaturwissenschaftler meinen, dass ihm der Philosoph Richard Avenarius (geboren 1843 in Paris, folgte 1877 einem Ruf als Professor für Philosophie, Psychologie und Pädagogik an die Universität Zürich, wo er 1896 gestorben ist). Avena ist Latein und bedeutet Haver/Haber...; so könnte man bei dem Darsteller von Kunderas Roman auch an den Jürgen Habermas (geboren 1929, im gleichen Jahr wie Kundera, gestorben am 14.3.2026) denken, der in der Frankfurter Studentenrevolte eine exponierte Rolle spielte. Diese Interpretation legt folgender Ausschnitt nahe:
S 297f: Avenarius fuhr fort: „Ich habe einen Plan für die Kommandos ausgearbeitet, die nachts Autoreifen durchstechen sollten. Wäre der Plan in die Tat umgesetzt worden, hätten die Autos garantiert zu existieren aufgehört. Fünf Kommandos à drei Mann hätten im Lauf eines Monats die Benutzung sämtlicher Autos in einer Stadt mittlerer Größe unmöglich gemacht. Ich habe ihnen meinen Plan bis in alle Einzelheiten erläutert, alle hätten von mir lernen können, wie eine perfekte subversive Aktion durchgführt wird, die wirksam und zugleich für die Polizei nicht eruierbar ist. Aber diese Idioten haben mich für einen Provokateur gehalten. … Heute benutze ich die alten revolutionären Praktiken nur noch zum eigenen, ganz egoistischen Vergnügen. Nachts durch die Straßen zu laufen und Autoreifen zu durchstechen, ist eine wunderbare Freude für die Seele und ein ausgezeichnetes Training für den Körper.“