Alltagsgedanken einer Wechselblondine

HEUTE gab mir mein Zukünftiger einen neuen Kosenamen. Das wäre an sich entweder nichts Besonderes oder etwas Erfreuliches. Das Problem ist nur er nannte mich seinen „kleinen dicken Wal“.

Nun weiß ich natürlich, dass ich so stark und gefestigt sein sollte einfach herzhaft darüber zu lachen. Mein ausgeprägtes Selbstbewusstsein und Wertgefühl sollten das Ganze einfach das sein lassen was es ist: ein – zugegebener Maßen etwas plumper, - Mann (nix Gender) eben – aber liebevoller Kosename.

Ich habe es versucht.

Ich habe es wirklich versucht. Es ging einfach nicht.

Das Bild eines gestrandeten Wales umgeben von durchtrainierten Greenpeace Aktivisten beiderlei Geschlechts in Badekleidung bohrte sich in mein Gehirn und gab dem Verunsicherungsbereich Futter wie der Sonnenuntergang bei Ramadan.

Zu allem Überfluss entsann ich mich auch eines Erlebnisses vor einigen Jahren in der Karibik als wir mit einem kleinen Boot zum Schnorcheln fuhren und dann der Zeitpunkt eintrat an dem es wieder zurück ins Boot hieß. Er sprang flockig hinein, ich hingegen hing wie ein nasser Mehlsack an der Reling, unfähig meinen Körper aus dem Meer zu hieven. Durch vereinte Kräfte von Bootsführer und meinem Zukünftigen gelang das Kunststück schließlich – wenn auch nur mäßig elegant. Damals fühlte ich mich auch walisch.

Ich bin nicht dick – aber auch nicht dünn, und vor allem nicht sonderlich durchtrainiert. Und auch nicht sehr groß. Ich bin kuschelig, und weiblich.

Und dann das – wie unsensibel kann ein Mensch sein?

In Zeiten, da man den jungen Mädchen erklärt, dass Kate Moss kein Vorbild ist – und ich meine jetzt nicht den Lebensstil. In Zeiten der Magersucht und Bulimie.

Zeiten in denen es wirklich nicht einfach ist sein ureigenes ich einfach nur schön zu finden, wenn einem aus allen Sendern Heidi Klum nach ihrem 10. Kind mit einer Figur entgegen springt die auch Fotoshop beim Normalverbraucher nicht hinbringen würde.

Nein, es ist heut zu Tage nicht leicht zufrieden mit seinem Körper zu sein – da sind dann Walfisch Vergleiche von einem geliebten Menschen wie die Saat des Zweifels, der wächst und gedeiht wie Unkraut! Ich versuche mir übrigens jetzt anzugewöhnen meinem Spiegelbild zu erklären wie schön es sei – leider hat das Ganze noch einen etwas trotzigen Unterton, an dem ich aber arbeite! Mal sehen was MORGEN ist!

tinisagt.wordpress.com

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Silvia Jelincic

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Maria Lodjn

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fischundfleisch

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