„Es ist schwer, Narren von den Ketten zu befreien, die sie verehren.“

-Voltaire

Seit ein Paar Jahren, scheint es, rasen wir nur noch von einer Massenhysterie in die Nächste. Es begann eigentlich schon vor der Corona-Hysterie mit der Trump-Hysterie. Die war die eigentliche Generalprobe für diese Art von Massenwahnsinn, worin ein Steckenpferd den öffentlichen Diskurs dominiert, und zur unerschöpflichen Quelle für allgegenwärtige existenzielle Ängste wird. Nach Trump kam Corona, nach Corona kam Ukraine, und jederzeit gibt es noch den universellen Hysterie-Joker Klima.

Die Demokratie führt, zumindest für die Mächtigen, das Problem mit sich, dass dieses nervige Volk vielleicht falsch wählen könnte, und damit dem Oligopol der Macht, dass sich über einen Grossteil der politischen Parteien wie auch Medienanstalten, akademische Institutionen oder Kaderebenen von Grosskonzernen (vor allem im diskreten aber äusserst mächtigen Finanzbereich) ausbreitet, am Fundament rütteln würde. Irgendwann scheinen gewisse Leute allerdings erkannt zu haben, dass Menschen, die starke Ängste mit sich führen, durch diese Ängste leicht zu steuern sind. Und dass ein geistig verweichlichtes Volk leicht in eine Massenhysterie versetzt werden kann, wenn diese nur laut- und reichweitenstark genug verkündet wird.

Die Bürger, die in der theoretischen Demokratie mündig und informiert ihre politische Repräsentation wählen, die ihre Interessen vertreten soll; oder in der Schweiz sogar über manche (bei weitem nicht alle) Gesetze abstimmen können, werden durch die konstanten existenziellen Ängste zu Dressuräffchen reduziert, welche stets nach der Pfeife der Endzeitprediger tanzen. Endzeitprediger, die letztlich, wissentlich oder unwissentlich, nur eine Fassade für die faktische Macht hinter dem Vorhang sind. Geschätzt 50-80% der Wählerschaft, je nach Zeit und Ort, sprechen auf diese Hysteriekampagnen an.

Parteien oder Gesetze, auf denen irgendwas mit „Klima“ steht, werden nicht gewählt, weil die Wähler sich tatsächlich mit dem Thema anthropogenischer Klimawandel auseinandergesetzt haben, sich Studien durchlesen und einsehen, dass diese Politik wahrlich Zielführend ist. Würden sie das tun, müssten sie spätestens in dem Moment begreifen, wie unsinnig das Ganze ist, wo sie sehen, dass Deutschland oder Europa bezüglich Treibhausgase oder CO2 nur ein Tropfen auf den heissen Stein sind, und der alte Wahlspruch, man müsse der Welt ein Vorbild sein, schon seit langem fallen gelassen wurde, seitdem sich der Grossteil der Welt eigentlich nebst gelegentlichen hohlen Phrasen nicht mehr wirklich um das Thema schert. Solche Politik wird gebilligt, weil die Menschen Angst haben, und ihnen skrupellose Scharlatane dann das Allheilmittel andrehen.

Diese Taktik der Massenhysterie funktioniert inzwischen so gut, dass sie nicht nur auf spezifische Gebiete angewandt wird, sondern um generell jegliche Freiheit die noch bestehen könnte zu untergraben. Ob man sich frei bewegen kann, ob man anonym bezahlen kann, ob man sich frei äussern kann, all das und mehr wird unter Vorwand von Schutz und Sicherheit, also als Reaktion auf zuvor gesäte Ängste, nach und nach eingegrenzt. Das Endziel ist ein sog. „gläserner Mensch“, vollkommen transparent gegenüber des staatlichen Kontrollapparates, welcher selber hingegen ganz und gar undurchsichtig wird. Im Alltag bleibt nur noch minimaler Spielraum innerhalb der Grenzen allumfassender Gesetze und Verordnungen, welche dank unspezifischer Formulierung mit grösstmöglicher Willkür eher der Gesinnung entsprechend angewandt werden.

Meint jemand dies eine Übertreibung, dann reicht es, zu betrachten, wie weit wir in dieser Hinsicht bereits innert weniger Jahre gekommen sind, und welche Schritte unmittelbar vor uns liegen. Spricht man mit Leuten, die die Sowjetunion noch erlebt haben, so ist der Eindruck, dass genau ein solches System universeller staatlicher Führung und Kontrolle angestrebt wird, die Sowjetunion jedoch zu dysfunktional war, um es wirklich effektiv durchzusetzen. Die Bevölkerung akzeptiert apathisch diesen Kurs als einzigen Ausweg der Ängste die allgegenwärtig geschürt werden.

Was diese Strategie der Massenhysterie erreicht hat, ist der feuchte Traum jedes Tyrannen: Kontrolle und Überwachung müssen nicht mehr einem widerwilligen Volk aufgezwungen werden, sondern dieses Volk schreit geradezu danach. Es hat gelernt, Freiheit nur noch als eine Gefahr zu sehen und sich Kontrolle als Ausweg aus dieser Gefahr zu wünschen.

Aldous Huxley, der britische Autor der für seine dystopische Fiktion bekannt ist, prophezeite, dass die perfekte Diktatur den Anschein einer Demokratie haben würde, die Menschen jedoch durch Konsum und Unterhaltung versklavt würden. Er verkannte dabei jedoch, dass es allgegenwärtige, hysteriegetriebene Angst sein würde, die den Menschen dazu brächte, seine sicherheitsspendenden Ketten zu lieben.

Dieser Beitrag wurde ursprünglich publiziert auf https://bergersgeschwafel.wordpress.com/2023/06/12/sie-werden-ihre-ketten-lieben/

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