Generationenkonflikt am Beispiel Star Wars

Wir erklären seit ewigen Zeiten die Welt mit Märchen und Star Wars ist eines der erfolgreichsten Märchen unserer Zeit.

Star Wars, die originale Trilogie, wurde 1977 bis 1983 veröffentlicht und stellt eine klassische Heldenreise dar, interessanterweise in doppelter Ausführung: der erste Film ist für sich eine Heldenreise, die Trilogie ist aber ebenfalls eine und zwar für die gleiche Person. Das ist eine literarische Leistung für sich und ein Teil des Appeals.

Und Star Wars ist ein Produkt seiner Zeit, Star Wars ist so boomer wie ein Film nur sein kann. Für GenX und die älteren Millennials war es eine Lehrgeschichte und die Geschichte handelt von einem unterdrückenden System das ein einzelner Held verändern kann, wenn man sich entscheidet hart zu arbeiten und sein Potential auszufüllen, sich seinen Ängsten stellt und ein Risiko eingeht.

Das war das Versprechen, das man meiner Generation gemacht hat: arbeite hart, wehr dich gegen das System wenn es ungerecht ist und füge dich in ein gerechtes System ein, das dir erlaubt zu sein, was du sein kannst. Und so assoziierten wir uns mit Luke.

Die Zoomer aber sehen sich in Anakin. Anakin ist für GenX schwer zu verstehen: er ist in einem liberalen System derjenige, der sagt “na da hätte ich doch lieber mehr Autorität als diese dysfunktionale Demokratie” und das stellte für uns ein Sakrileg dar. In einer Debatte zwischen alten und jungen Fans kürzlich stellten aber die Jungspunde fest dass Anakin aufgrund dessen “was er ist” zurückgehalten wird und er kann mit dem puritanischen Lebensstil der Jedi nicht viel anfangen: er will leben, lieben, eine Frau, eine Familie. In anderen Worten: er will mehr sein als das Werkzeug des Systems. Er ist die Generation, die auf “arbeite brav und du kannst haben was wir hatten”, etwas, das meine Generation glaubte, eben “Bullshit” antwortet.

Nicht weil er das nicht tun möchte, sondern weil er es nicht glaubt: weil er gesehen hat dass das System, Menschen wie ihn, versucht zu etwas zu machen, was er nicht ist.

Für mich war Episode 1-3 (1999-2005) schwierig zu verstehen weil ich mich mit Anakin nicht verbunden fühlte, ich verstand nicht warum man die Geschichte eines Schurken erzählen muss. Die Jungen aber argumentieren, dass der Grund seiner Geschichte nicht einfach eine “Schurkenreise” ist und vom Fall von Anakin erzählt, sondern am Ende des Tages die gleiche Person, denn Luke und Anakin sind sich erstaunlich ähnlich, in völlig unterschiedliche Situationen packt.

Luke ist in einem geordneten Haushalt, lebt ein halbwegs sicheres Arbeiterklasseleben, er hat moderate Optionen die an sein Können gebunden sind und kann sie erreichen, wenn er dafür arbeitet. Die Jedi helfen ihm sein Potential auszuschöpfen und zu erreichen, was er will und was er will ist klassisch jugendlich: nicht seine Zieheltern zu kopieren sondern etwas anderes machen. Dieses “andere” ist völlig kompatibel mit den Weg der Jedi: Arbeit als Erfüllung, Karriere als Ziel.

Anakin hingegen will ebenso, was er nicht hatte: aber ins einem Fall ist das eine Familie. Das ist mit dem Ziel der Jedi nicht kompatibel. Anakin will nicht pure Rationalität, er will sich dem Irrationalen hingeben und Lieben und er will sich selber gestatten jenen die seinen Lieben weh tun mit mehr als angemessener Gewalt zu begegnen. Sein Massaker an den Sandleuten ist hier ein klarer Bruch zwischen den Generationen, für uns Alte war es ein “Oh shit” Moment, für die Jungen ist es oftmals ein “Na endlich tut einer was gegen die Raubmordvergewaltiger” Moment.

Die Welt hat sich drastisch geändert und Starwars ist eine interessantes Zeitzeugnis weil es recht geschickt impliziert, dass Anakin und Luke, würde man ihre Plätze tauschen, vermutlich so handeln würden wie ihr Gegenstück. Menschen reagieren auf die Systeme in denen sie leben, wollen was sie nicht hatten und was sie nicht haben dürfen oder haben konnten. Für den Arbeiter ist das oft eine Karriere, für das Kind einer Alleinerziehenden ist das oft eine Familie, weil wir “mit was wir aufgewachsen sind” als selbstverständlich sehen und denken, dass das ohnehin kommen wird.

Erst jetzt, da meine Generation alt wird, und viele meiner Freunde erkennen, dass nach der Karriere keine Familie kommt, beginnt ein Unmut zu wachsen, der bei den Jungen längst blüht. Märchen wie Star Wars vermitteln mehr als eine Geschichte und mehr als eine Lektion, es vermittelt auch das Irrationale, die Gefühle, Eindrücke und für einen Moment können wir die Welt aus den Augen einer Person sehen die wir nicht sind. Wer diese Chance nutzt, wer etwas anderes ist, das er nicht ist, anstatt zu fordern “sich in den Geschichten zu sehen”, kann aus ihnen lernen und verstehen, warum andere Menschen, die aus anderen Situationen stammen, die Welt so anders sehen und so anders handeln und eventuell erkennt man dann, dass man in ihrer Situation, egal was man sich einredet, ähnlich gehandelt hätte.

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