Das Interessanteste an dieser Frage ist, wie furchtbar sich manche Leute darüber aufregen, wenn man sie stellt.
Collage: Pommes Leibowitz
Woran erkennt man Scharlatane, Propagandatrompeten und Demagogen? Sie inszenieren Empörung, wenn sie Antithesen hören, da es ihnen nicht um Wissenschaft, Diskurs oder gar Wahrheit geht, sondern um die Dominanz ihrer ideologischen und vielfach auch lobbyistisch motivierten Narrative und Hypothesen.
Links und rechts als politische Kampfbegriffe
Der Ursprung dieser Begriffe findet sich in der Sitzordnung der französischen Nationalversammlung zur Zeit der Revolution. Links saßen die Revolutionäre, rechts die Monarchisten. Und da haben wir schon das erste Indiz: Hitler war sicherlich weit mehr Revoluzzer als Monarchist.
Alles Weitere bei diesen "Himmelsrichtungen" wurde im Lauf der Zeit hineininterpretiert, vornehmlich, um die jeweilige Gegenseite zu diskreditieren.
So war Links in der Nachkriegszeit bis zum Ende des Jahrtausends primär ein Schimpfwort, und auch Grund genug, linke Parteien durch den Verfassungsschutz zu beobachten. Heute ist es andersherum. Was sich gewandelt hat, sind die dahinter stehenden politischen Kräfte, die sich anmaßen (bzw. es einfach tun) Begriffe und Richtungen zu definieren.
Die Frage ob Hitler, Stalin und Mao (als größte ideologische Verbrecher des 20. Jahrhunderts) nun links oder rechts waren, ist eigentlich genauso dumm wie die Frage, ob ein Tiger gut oder böse ist.
Ein Tiger tut, was ein Tiger tun muss, um zu überleben, und eine Ideologie tut, was eine Ideologie tun muss, um Gehirne zu infizieren, Macht zu erringen, und trotz des früher oder später zwangsläufig eintretenden politischen Versagens, zu überleben.
"Folgen Sie nicht dem Pfeil, schauen Sie, wovon er Sie ablenken soll."
(aus Doktor Who)
Wenn also jemand nach dem Weg fragt, und Empörung dafür erntet, dass er überhaupt zu fragen wagt, ist das ein wichtiges Indiz, dass er dabei ist, eine Lüge aufzudecken und einen richtigen oder zumindest geheimen Weg zu finden.
Screenshot Twitter
Was sagen Historiker zu dieser Frage?
Um eine Einschätzung zu verstehen, reicht es oft, zu schauen, wer sie äußert. Hat ein Historiker eine linke Weltanschauung, so beurteilt er die Welt von links aus, und da ist naturgemäß fast alles rechts von ihm. Und umgekehrt.
So ordnen konservative Historiker wie Arnulf Baring und Joachim C. Fest Hitler als eher links ein (und ernteten dafür furchtbare Aufregung linker Historiker) und umgekehrt. Hier ein interessanter Beitrag von Hitlerbiograph J. C. Fest in der TAZ
An den Einstellungen ändert sich nichts, aber der Zeitgeist ändert sich. Und der ist heute so weit links, dass jede konservative Einstellung und Einschätzung ausreicht, um als "rechtsextrem" verschrien zu werden. Weil von linksextrem aus naturgemäß alles andere rechts ist.
Wie erklärt sich die Hysterie bei der Einordnung Hitlers?
Wer den Sozialismus wiederbeleben will, der kann einen Holocaust als Folge linker Politik natürlich keinesfalls akzeptieren. Umgekehrt aber bietet ihm die Manipulation der politischen Einordnung eine Holocaust-Keule (und im weiteren Sinne die Nazi-Keule), um andere Meinungen und Einschätzung schlicht niederzuknüppeln und sich gar nicht erst auf Diskussionen einzulassen, die man verlieren könnte.
Also wird der Nationalsozialismus auf Rassismus und Holocaust reduziert, und die Tatsache, dass der Kommunismus, die Regime von Stalin und Mao, sogar noch mehr Opfer forderten, wird weggelogen. Auch hier hängt es primär von der politischen Einstellung der Historiker ab, ob die Schätzungen (und es gibt da nur Schätzungen) von 100 Millionen, 50 Millionen oder noch weniger Opfern des Kommunismus ausgehen.
Es gibt keine objektiven Geschichtswissenschaften, generell keine objektiven Geisteswissenschaften. Es sind immer Meinungen, Hypothesen und Interpretationen, über die dann mehrheitlich (auch per Reichweite, Auflagenzahl, Zitierungen, Rezensionen) abgestimmt wird. Demokratisch vielleicht, aber halt nicht wissenschaftlich.
Meine persönliche Einschätzung
Ich glaube nichts, nur weil es ein Wissenschaftler oder gar "die Wissenschaft" (linksgrüne Kampfformel) von sich gibt. Es muss schon auch schlüssig sein und eine gewisse Evidenz vorweisen können. Hier meine eigenen Gedanken:
Für mich sind Hitler, Mao und Stalin (also die drei größten ideologischen Verbrecher des 20. Jahrhunderts) rechts und links zugleich.
Sie schufen autoritäre Systeme mit Führerprinzip, die ihre Machtausübung mit Überwachung, Bespitzelung, Denunziation, Zensur und drakonischen Strafen für alle, die nicht mitmarschierten, sicherstellten. Das ist "rechtsextrem", und interessanter Weise exakt der Kurs, den derzeitige Regierungen (Berlin, Brüssel) eingeschlagen haben.
Und sie regulierten die Wirtschaft, betonten die Gleichheit (zumindest innerhalb des eigenen Volkes), hassten das Wohlstandsbürgertum, präferierten das Kollektiv gegenüber dem Individuum und ersetzten traditionelle Werte (konservativ, rechts) durch revolutionäre ideologische Werte. Das ist links.
Weitere Gemeinsamkeiten:
Staatlich organisierte Massenaufmärsche, neue Symbole und Flaggen, archaische Gesten wie Hitlergruß oder erhobene Faust, Kampf gegen Rechts (auch die Nationalsozialisten führten ihn), militärisches Auftreten der Gefolgsleute und militärische Erziehung der Jugend. Sport und sportliche Leistung als Inhalt von Erziehung und Propaganda.
Meine Hypothese ist, dass JEDE Ideologie früher oder später zum autoritären Regime wird, einfach weil die Ideologie keinen Diskurs erträgt, und weil jede Ideologie früher oder später an der Realität scheitert, die eben weit komplexer ist, als es Ideologien je sein könnten oder auch nur wollen. Man muss dann die Menschen mit autoritärer Staatsführung bei der Stange halten. Ein System, das wie eine Abwärtsspirale immer mehr pervertiert.