Gott hat die Welt verlassen und sagt: "Macht euern Scheiß allein"

In diesen Tagen, da die Welt wie ein erschöpfter Organismus unter ihrem eigenen Lärm zusammenbricht, hat sich eine Wahrheit offenbart, die schwerer wiegt als jedes heilige Wort: Gott hat die Welt verlassen. Nicht im Zorn, nicht im Feuer, sondern in einer tiefen, uralten Enttäuschung, die wie ein letzter Seufzer durch die Ritzen der Schöpfung drang. „Macht euren Scheiß alleine“, sprach er, und seine Stimme klang wie das resignierte Flüstern eines Wesens, das zu lange gehofft hat.

Denn die Menschheit tanzt wieder um das Goldene Kalb, so wie einst in den ältesten Erzählungen. Nur ist das Kalb heute aus Öl, aus Aktien, aus Datenströmen und Machtfantasien geformt. Eine Handvoll alter Männer hält die Welt in ihren Fäusten, und sie drücken zu. Öl ist ihnen heiliger als Atem, Business wertvoller als jedes Leben. Die Kontinente werden ausgebeutet, bis sie bluten, die Meere geplündert, bis sie schweigen. Der Klimawandel brüllt wie ein hungriger Gott, den wir selbst erschaffen haben, und wir werfen ihm unsere Zukunft zum Fraß vor.

Doch das ist nur ein Teil des Niedergangs. Krankheiten, die wir selbst heranzüchten. Kriege, die wir selbst entzünden. Einsamkeit inmitten von Milliarden. Hunger trotz Überfluss. Die Zerstörung der Arten, der Böden, der Luft. Die Verrohung der Sprache, der Herzen, der Hoffnung. All das sind die neuen Plagen einer Menschheit, die sich selbst zur Geißel geworden ist.

Und Gott? Er schaut zu. Nicht strafend, nicht helfend, sondern mit einer bitteren Mischung aus Kränkung und müder Belustigung. Er fühlt sich nicht mehr an sein altes Versprechen gebunden, die Welt nie wieder zu zerstören. Denn diesmal ist es nicht seine Hand, die die Sintflut bringt. Diesmal ist die Menschheit selbst die Flut. Wir bauen keine Arche, wir zerlegen sie. Wir retten nicht, wir rechnen. Wir beten nicht, wir besitzen.

So steuern wir unaufhaltsam auf eine neue Sintflut zu – nicht aus Wasser, sondern aus Hitze, Gier, Chaos und Gleichgültigkeit. Und Gott, enttäuscht wie ein Vater, der sein letztes Vertrauen verloren hat, plant bereits die Post‑Human‑Earth. Eine Welt ohne uns. Eine Welt, die vielleicht endlich wieder atmen kann.

Vielleicht wird dort Frieden sein. Vielleicht Stille. Vielleicht ein Anfang, der ohne uns beginnt, weil wir den alten nicht zu bewahren wussten.

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Carrhae

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