Man kann ja nun wirklich nicht behaupten, wir hätten von nichts gewusst.

Bereits 1824 beschrieb Joseph Fourier, dass die Atmosphäre die Erde wärmt. 1856 zeigte Eunice Foote experimentell, dass CO₂ Wärme zurückhält und John Tyndall präzisierte den Mechanismus wenige Jahre später. Weiter geht es 1896, als Svante Arrhenius vorrechnete was passiert, wenn die CO₂-Konzentration durch die Verbrennung fossiler Energieträger steigt: Es wird wärmer. Und 1938 stellte Guy Stewart Callendar fest, dass genau das offenbar bereits geschieht. Neunzehnhundertachtunddreissig.

1957 beschrieben Roger Revelle und Hans Suess die Verbrennung fossiler Energieträger als ein gewaltiges geophysikalisches Experiment der Menschheit. Ab 1958 zeichnete Charles Keeling dann einfach eine Kurve. Sie zeigte Jahr für Jahr nach oben. 1965 wurde US-Präsident Lyndon B. Johnson von seinem wissenschaftlichen Beirat offiziell gewarnt: Der Mensch verändere durch die Verbrennung fossiler Energieträger die Zusammensetzung der Atmosphäre in einem Maß, das erhebliche klimatische Folgen haben könne.

Und 1988 erklärte James Hansen vor dem US-Senat schließlich, dass die globale Erwärmung nicht mehr nur Modellrechnung und Zukunftsszenario sei, sondern bereits messbar stattfinde. Das ist der vielleicht faszinierendste Teil der Geschichte des Klimawandels: nicht, wie plötzlich er über uns gekommen ist. Sondern wie ungeheuer viel Anlauf wir hatten vom ersten physikalischen Verständnis bis heute: zwei Jahrhunderte. Von der ersten Berechnung des anthropogenen Effekts: 130 Jahre. Von den ersten deutlichen politischen Warnungen: mehr als 60 Jahre.

Wir haben gemessen, gerechnet, veröffentlicht, konferiert, Ausschüsse gegründet, Berichte geschrieben, Abkommen geschlossen, Ziele formuliert, Ziele verschoben und anschließend neue Ziele formuliert. Und jetzt stehen wir gelegentlich etwas fassungslos vor Hitzerekorden, Dürren, Starkregen und schmelzendem Eis und tun so, als habe die Natur überraschend die Geschäftsbedingungen geändert. Nein. das hat sie nicht, wir haben sie nur bemerkenswert lange nicht gelesen. Nicht lesen wollen. Vielleicht ist das die eigentliche Meisterleistung des Homo sapiens: Er ist intelligent genug, eine Katastrophe mehr als hundert Jahre im Voraus zu berechnen und zugleich hinreichend träge und verhaltensstarr, sich von ihrem Eintreten vollkommen überraschen zu lassen.

Und dann kam Doppelhausdieter und erklärte uns, dass doch nur Sommer ist. Und schon die Omma von Zeit zu Zeit die dicken Brokatvorhänge vor die Schießscharten zog, damit die Hitze draussen blieb: „jetzt habt Euch mal nicht so, Ihr Weicheier ..

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