Haben Sie schon gespendet?

Wir Österreicher sind ein großzügiges Volk und spenden gern für alle möglichen "guten Zwecke".

Ständig werden wir medial mit der Nase darauf gestoßen, dass irgendwo im hintersten Winkel unseres Planeten noch eine bisher sträflich missachtete Tier- oder, noch viel schlimmer, Menschengruppe in katastrophalen Zuständen ihr Dasein fristet - und nur WIR das durch eine großzügige Spende zum Besseren wenden können.

Ich bin unterwegs zum Einkaufen und halte an einer roten Ampel.

Von links starren mich die gequälten Augen eines russischen Tanzbären an, der unbedingt durch meine Spende gerettet werden will und in ein artgerechtes Gehege verbracht.

Schon zücke ich meine Kreditkarte, um sie ordentlich für das bemitleidenswerte Tier glühen zu lassen - da trifft mich der Anblick eines Kindes mit aufgeblähtem Hungerbauch, welches auf dem schmutzigen Boden vor einer Schüssel halb angefüllt mit Wasser hockt und dessen Gesicht mit Fliegen bedeckt ist.

Halt!

HIER muss ich unbedingt spenden!

Kaum zu Hause angekommen, schalte ich meinen Radio ein - "Nachbar in Not - Syrienhilfe" dudelt es mir entgegen, und eine leicht zu merkende Kontonummer wird heruntergespult.

Es entzieht sich zwar meiner Kenntnis, seit wann ich die Bürger der arabischen Region zu meinen Nachbarn zählen darf, aber es wird wohl so sein....

In meinem Postfach finde ich weitere Spendenaufforderungen:

"4 Pfoten" bittet mich um eine milde Gabe für arme misshandelte Kreaturen irgendwo in einem Land, dessen Namen ich noch nie gehört habe, geschweige denn aussprechen kann, Hilfsorganisationen jedweder Art und jedweder Klientel schicken bereits mit meinem Namen vorausgefüllte Erlagscheine aus. Was mich übrigens besonders ärgert.

Speziell vor diversen einschlägigen Feiertagen häufen sich diese Postsendungen - inzwischen besitze ich Legionen von bunten Weihnachts- und Muttertagskarten und Adressaufklebern aller möglichen Hilfsorganisationen, die diesen Sendungen häufig beigelegt werden.

Dabei beschleicht mich immer öfters der Gedanke, ob die betreffenden Organisationen das dafür investierte Geld nicht doch lieber in ihre zu betreuende Klientel stecken sollten?

Ich schicke "Wärme" nach "Sibirien", unterstütze "Ärzte ohne Grenzen" und sorge dafür, dass in Afrika Menschen vor dem Erblinden bewahrt werden.

Ich nenne ein Stück des "Regenwaldes der Österreicher" mein eigen und habe selbstverständlich auch meinen Obulus dafür geleistet, die Tiger in Indien vor dem Aussterben zu retten.

Nun ist es schön langsam Zeit, einen Spendenaufruf FÜR MICH zu tätigen - vor lauter milden Gaben kann ich nämlich meine Miete nicht mehr bezahlen....

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Markus Andel

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