Es war - natürlich gebraucht - eine der ersten Jazzplatten, die ich erwarb, und zwar hauptsächlich wegen des Covers, das mich neugierig machte: Man sieht, mitten in einer Wüste, eine person of colour mit Stetson-Hut, die einen Patronengürtel trägt und unter dem Arm ein Tenorsaxophon, mit dem sie sich gegen ihre Feinde zu wappnen scheint. Das scheinbar bizarre Foto enthüllt seinen Sinn, wenn man der mitreißenden Musik des Albums lauscht: Wie es im Western um die permanente Verschiebung und Sicherung territorialer Grenzen geht, verschiebt Sonny Rollins, der Mann mit dem Stetson, permanent die Grenzen des Jazz, nimmt sich gleich 2 Westernklassiker vor und macht aus Scheiße Bonbons resp. Kunst aus Kitsch: "I'm an old cowhand", bekannt durch Bing Crosby, und "Wagon Wheels":

Danach konnte Sonny Rollins bei mir nicht mehr viel falsch machen. Der Titel seines Albums "Saxophone Colossus" mag ein wenig überheblich klingen, doch wird, wer einer Nummer wie "St. Thomas" lauscht, schwerlich verneinen, dass Lisa Simpson sich kaum ein besseres Vorbild für ihre musikalischen Gehversuche suchen konnte:

Am 25. Mai 2026 ist Sonny Rollins im Alter von 95 Jahren gestorben.

PS:

Mein persönlicher Favorit unter allen als "black music" gelabelten Aneignungen explizit weißer Musik ist Gloria Ann Taylors Version des auch im Original nicht üblen Hits von Dolly Parton:

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