Geschichte als »Waffe«? Russlands Instrumentalisierung der Erinnerungskultur im Zuge des Angriffskrieges gegen die Ukraine

Von Sergii Pakhomenko (Staatliche Universität Mariupol/Freie Universität Berlin)

Zusammenfassung

Russlands manipulative Argumentation über die ukrainische Geschichte am Vorabend der russischen militärischen Aggression diente als ideologische Vorbereitung des Einmarschs. Die Hauptbotschaft lief darauf hinaus, dass es in der Ukraine keinerlei nationalstaatliche Tradition gibt. Die historische (oder vielmehr pseudohistorische) Rhetorik des Kreml zielt zusammen mit dem Vorgehen der Besatzungsbehörden, die darauf ausgerichtet sind, das historische Gedächtnis und den symbolischen Raum umzuwandeln, nicht nur darauf ab, die militärische Aggression zu rechtfertigen, sondern ist auch die wichtigste Waffe, um in den besetzten Gebieten die ukrainische Identität zu zerstören und die kollektive Erinnerung auf eine Linie mit den russischen Narrativen zu bringen.

Einführung

In einem ganz allgemeinen Sinne besteht das kollektive historische Gedächtnis aus den gesammelten Wahrnehmungen einer Gruppe, die sich nicht nur aus objektiven Tatsachen und wissenschaftlichen Erkenntnissen über die Vergangenheit ergeben, sondern auch durch aktuelle Ansichten einer Gesellschaft zur Geschichte. Diese Haltungen werden oft mit politischen Methoden geformt, daher ist Erinnerungspolitik – also die Konstruktion der kollektiven Wahrnehmung der Vergangenheit durch den Staat oder andere politische Akteure mit Hilfe von offiziellem Geschichtsunterricht, erinnerungspolitischen Gesetzen und Gedenken (d. h. der Festlegung von Gedenkdaten, Feiertagen und Ritualen) – ein weiterer wichtiger Begriff bei der Erforschung des historischen Gedächtnisses. Durch Erinnerungspolitik werden einige Geschichten als zentral und am wichtigsten dargestellt, während andere als sekundär behandelt oder gar ausgeblendet werden. All das bildet eine nationale historische Erzählung, also eine systematische Abfolge der eigenen Geschichte, mit den nationalen Errungenschaften und Tragödien, den nationalen Helden und Antihelden.

Eine Instrumentalisierung von Geschichte und deren Einsatz für politische Zwecke ist seit langem verbreitete Praxis. Sie wird gewöhnlich als Geschichtspolitik bezeichnet, deren Zweck es ist, ein bestimmtes Konzept zu formen, ein Narrativ des kollektiven Gedächtnisses der Gesellschaft. Auch wenn einige in wissenschaftlichen und liberalen politischen Kreisen es verurteilen, so lässt sich die grundlegende Rolle des historischen Gedächtnisses für die Identität einer Gesellschaft nicht übersehen, besonders beim Prozess einer Emanzipation zum Nationalstaat. Aktuell wird das historische Gedächtnis aktiv als ideologische Stütze und Argumentation für Aktionen mit »kriegerischem Charakter und großen internationalen Auswirkungen« benutzt: Der Kreml setzt seine »historische« Rhetorik und entsprechende Narrative gezielt ein, um die russische Invasion der Ukraine zu rechtfertigen – ein herausragendes Beispiel dafür, wie historische Narrative nicht nur außenpolitisch genutzt werden, sondern auch als Rechtfertigung für ein aggressives militärisches Vorgehen gegen einen souveränen Staat.

In diesem Beitrag soll herausgearbeitet werden, 1) worauf die wichtigsten Narrative der Erinnerungspolitik in der Russischen Föderation und in der Ukraine basieren; 2) wie die Leugnung des ukrainischen Narrativs nicht nur für die Auffassung des Kremls über die ukrainische Geschichte prägend ist, sondern auch für die russische Politik gegenüber dem modernen ukrainischen Staat; 3) ob die Berufung auf die Geschichte als ideologische Unterfütterung für die russische Aggression dient, oder ob dies eines der Ziele zur Zerstörung der ukrainischen Identität darstellt; 4) welchen Stellenwert die Geschichtspolitik beim Vorgehen der Besatzungsbehörden in den russisch besetzten Gebieten hat.

Konkurrierende ukrainische Narrative nach der Unabhängigkeit

Im ersten Jahrzehnt nach Erlangung der Unabhängigkeit war die Erinnerungspolitik in der Ukraine durch sich überschneidende, gleichzeitig aber auch konkurrierende nationale und radikale Narrative geprägt. Dem nationalen (oder vielmehr nationsbildenden) Narrativ zufolge (das nicht mit dem nationalistischen Narrativ verwechselt werden sollte!), besteht die Kernidee in der Schaffung eines eigenen unabhängigen Staates. Es erwähnt und umfasst jene Prozesse, Ereignisse und Helden, die zur ukrainischen Unabhängigkeit und zur »sobornist« (der Vereinigung der ukrainischen Gebiete) beigetragen haben. Der Zustand der Ukraine bzw. ihrer Gebiete als Bestandteil des Russischen Reiches und der Sowjetunion wurde als Abhängigkeit und/oder unterschiedlich starke Unterdrückung betrachtet. Dieses Narrativ wurde hauptsächlich über das Bildungswesen wie auch durch bestimmte Gedenkrituale vermittelt, etwa durch die Einführung des Tags der Einheit (ukr.: »Den Sobornosti«) am 22. Januar oder dem Unabhängigkeitstag am 24. August als nationale Feiertage.

Ein weiteres Narrativ kann als sowjetisch oder neoimperial bezeichnet werden. Es argumentiert, dass die mittelalterliche Kyjiwer Rus die Wiege der drei brüderlichen ostslawischen Völker sei. Die Entscheidung von Hetman Bohdan Chmelnyzkyj, die »Ukraine mit Russland wiederzuvereinigen« (der sogenannte Vertrag von Perejaslaw von 1654) wird als progressiv betrachtet. Dieses Narrativ betont nicht die Unterdrückung der ukrainischen Sprache, den Holodomor oder andere negative Phänomene der ukrainisch-russischen Koexistenz, stellt dafür aber die Leistungen heraus, die Ukrainer:innen in der Sowjetzeit vollbracht haben, insbesondere den gemeinsamen Kampf gegen die Nazis während des Zweiten Weltkriegs, der »Großer Vaterländischer Krieg« genannt wird.

Seit 2014, als Russland im Kontext seiner Annexion der Krim und des Krieges im Donbas bereits das Instrument einer Manipulierung des historischen Gedächtnisses für seinen hybriden Krieg einsetzte, hat die Ukraine unter Präsident Petro Poroschenko entschieden mit diesem Geschichtsnarrativ gebrochen. Das historische Gedächtnis wird wurde viel stärker als Element der nationalen Sicherheit wahrgenommen. Es wurden das Entkommunisierungsgesetz und andere erinnerungspolitische Gesetze verabschiedet und umgesetzt, insbesondere ein Gesetz, das Personen des ukrainischen nationalistischen Widerstands im Zweiten Weltkrieg als Kämpfer:innen der nationalen Befreiungsbewegung anerkennt. Somit erfuhr das nationale Narrativ durch den Einfluss der von außen erfolgenden russischen Aggression eine Stärkung.

Poroschenkos Nachfolger Wolodymyr Selenskyj hat historischen Fragen zu Beginn seiner Amtszeit weniger Aufmerksamkeit geschenkt, gleichzeitig unternahm er ernsthafte Schritte in Richtung einer Differenzierung des offiziellen Narrativs, indem er es um multiethische und zivilgesellschaftliche Inhalte bereicherte. Doch angesichts der russischen Invasion und der Tatsache, dass Russland der Ukraine das Recht auf staatliche Unabhängigkeit abspricht und die Existenz des ukrainischen Volkes in Frage stellt (darauf wird weiter unten eingegangen), kam auch Selenskyj nicht umhin, das nationale Narrativ stärker zu betonen. Darin liegt die Besonderheit der ukrainischen Situation, die sich zum Beispiel von der westeuropäischen Situation unterscheidet: Im Kampf gegen Russland stellt das nationale historische Narrativ kein archaisches Überbleibsel aus dem 19. Jahrhundert dar (wie es manchen Menschen in Westeuropa erscheinen mag), sondern ist zentral für das Überleben der ukrainischen Gesellschaft, ihrer Identität, Sprache und Kultur und Ausdruck des souveränen Rechts des ukrainischen Volkes, seine Zukunft unabhängig und frei zu bestimmen und zu wahren. Die russische Führung wiederum greift, um die Ansprüche an die Ukraine zu belegen, zunehmend auf historische Aspekte zurück.

Putins toxisches Narrativ über die Ukraine

Unter Wladimir Putin hat sich in der Russischen Föderation ein neoimperiales Geschichtsnarrativ entwickelt, das die Ideologie der »Russischen Welt« – kurz gefasst eine schmeichelhafte und unkritische Haltung zum Russischen Zarenreich und eine nostalgische Glorifizierung der Sowjetzeit, einschließlich der Rechtfertigung des Stalin‘schen Totalitarismus – miteinander verbindet. Der extreme Kult um den »Großen Vaterländischen Krieg« ist für dieses Narrativ von zentraler Bedeutung. Dieser ist eine der Säulen, auf denen nicht nur der neoimperiale Mythos ruht, sondern gegenwärtig auch die russische Identität. Für Russlands Nachbarn ist besonders bedrohlich, dass Russlands aggressive Außenpolitik auf diesem imperialen Mythos gründet.

Putin leitet sein Vorgehen in der Ukraine von einem mythologisierten und pervertierten Verständnis der ukrainischen Geschichte ab. Ein klarer Beleg hierfür ist eine Reihe von Artikeln und öffentlichen Stellungnahmen von Präsident Putin vor Beginn der Invasion in die Ukraine, in denen historische Themen sehr präsent waren. Das gilt vor allem für den Artikel »Über die historische Einheit von Russen und Ukrainern«, der im Sommer 2021 veröffentlicht wurde (russ.; http://kremlin.ru/events/president/news/66181).

Wir sollten auch seine langen historischen Ausführungen beachten, die er in öffentlichen Statements und bei Treffen mit ausländischen Staatsgästen gibt. Das alles ist sowohl für das innerrussische Publikum gedacht als auch für jenes westliche Publikum, das den Kreml lobt und nicht mit der ukrainischen Geschichte und den gegenwärtigen Realitäten vertraut ist und daher bereit scheint, Russlands Vorgehen zur Wiederherstellung seiner sogenannten historischen Einflusssphäre zu unterstützen.

Seine Ansichten zur ukrainischen Geschichte basieren auf folgenden manipulativen Botschaften:

Es gibt keine nationalstaatlichen Traditionen in der Ukraine;

Schon die Idee von einem ukrainischen Staat ist künstlich und von Polen oder Österreichern Anfang des 20. Jahrhunderts erfunden worden. Heutzutage unterstützt der Westen diese künstliche Vorstellung als Antipode zu Russland, gewissermaßen als Anti-Russland

Die nationalen Grenzen der Ukraine sind ungerechtfertigt gezogen. Folgt man Putin, so sind der Donbas, die Küste des Asowschen Meeres wie auch die Schwarzmeerregion mit der Krim »angestammtes russisches« Territorium; sie wurden von Lenin und den Bolschewiki der Ukraine nur vorübergehend zugesprochen

Darüber hinaus ist – dem »Amateurhistoriker« Putin zufolge – Nazismus die Hauptideologie der Ukraine, was sich zum Beispiel in dem Gedenken an die umstrittene historische Persönlichkeit Stepan Bandera manifestiere (siehe hierzu auch Kai Struves Beitrag zu Bandera in dieser Ausgabe). In Wirklichkeit jedoch stellen neonazistische und rechtsextreme politische oder gesellschaftliche Kräfte in der Ukraine nur eine marginale Erscheinung dar. Als weiteres Beispiel wird von russischer Seite das Asow-Regiment angeführt, das sich in den letzten Jahren jedoch weitgehend von Mitgliedern mit neonazistischen Ansichten befreit und sich zu einer professionellen Kampfeinheit gewandelt hat (siehe Ivan Gomzas Beitrag zum Asow-Regiment in dieser Ausgabe). Hinzu kommt, dass die nationalistischen Kräfte keinerlei ernstzunehmenden Einfluss auf die öffentliche Politik haben oder hatten. Bei den letzten Parlamentswahlen 2019 errang der Block der Rechtsextremen (die Parteien Swoboda, Nationales Corps und Rechter Sektor) lediglich 2,15 Prozent und konnten sich nur ein Mandat im Parlament sichern.

Die ukrainische Regierung zu beschuldigen, nazistisch zu sein (oder unter dem Einfluss von Nazis zu stehen) ist somit unsinnig und absurd und pervertiert und trivialisiert die Geschichte. So ist es nicht überraschend, dass die führenden NS-Forscher dieser nicht hinzunehmenden Beschuldigung vehement widersprachen (siehe den Offenen Brief in den Ukraine-Analysen 263).

Putins Blick auf die ukrainische Geschichte basiert zu großen Teilen auf dem sowjetischen bzw. neoimperialen Narrativ. Der Umstand, dass man in der Ukraine mit diesem Narrativ gebrochen hat, wird vom Kreml als sehr schmerzhaft wahrgenommen, weil es diesem bei der Wiederherstellung seiner historischen Einflusssphäre im »nahen Ausland« den Boden unter Füßen entzieht. Die neoimperiale russische Einflusssphäre war nach dem Zusammenbruch der Sowjetunion – oder mit Putins Worten »der größten geopolitischen Tragödie des 20. Jahrhunderts« – verloren gegangen.

Die Geschichte bietet jedoch nicht nur einen vermeintlichen Vorwand, sondern ist selbst auch eines der Hauptziele der russischen »Spezialoperation«, da nämlich eine »historische Ungerechtigkeit«, als die der ukrainische Staat in diesem Narrativ angesehen wird, beseitigt werden soll.

Erinnerung löschen, Geschichte umschreiben: Geschichtspolitik in den besetzten Gebieten

An dem Vorgehen des Besatzungsregimes lässt sich erkennen, dass für sie die Veränderung des symbolischen urbanen Raumes eine große Bedeutung hat. Diese Praxis war bereits in den 2014 besetzten Gebieten eingesetzt worden. Es werden sowjetische Straßennamen wieder eingeführt sowie Denkmäler von Lenin und anderen Sowjetführern errichtet. Gleichzeitig werden Denkmäler für Helden der ukrainischen Geschichte entfernt.

Recht bezeichnend ist hier ein Propagandavideo über die Wiederaufnahme des Schulbetriebs in Mariupol, wo übrigens nur eine von 70 Schulen den Krieg unbeschadet überstanden hat. In der besetzten Stadt, in der es keinerlei Versorgung mit Gas, Strom oder Wasser gibt, werden die Menschen dafür über große mobile Fernseher informiert. Die Botschaft lautet im Kern: »Ab jetzt werden die Kinder im Geschichtsunterricht die Wahrheit über den Großen Vaterländischen Krieg lernen«.

In Mariupol wurde ein Methodik-Seminar für diejenigen Geschichtslehrer:innen durchgeführt, die geblieben sind und bereit waren, unter dem Besatzungsregime zu arbeiten. Dabei zeigten Professor:innen aus Russland Mittel und Wege auf, wie die Mythen des Kyjiwer Regimes zu entlarven seien und den Kindern die Geschichte Russlands zu vermitteln ist. Dem unabhängigen russischen Medienportal Medusa zufolge stellt Russland im besetzten Gebiet Cherson bereits russische Lehrer:innen ein, um in den Schulen zwangsweise den russischen Lehrplan und die russische Sprache einzuführen.

Ungeachtet der humanitären Katastrophe in Mariupol hielten die Besatzungsbehörden am 9. Mai eine Parade zum »Tag des Sieges« ab, die von der traditionellen Pathetik begleitet wurde (etwa von einer »festlichen« Prozession mit einem riesigen orange-schwarz-gestreiften St. Georgsband, einem zentralen pro-russischen Symbol). Die russische Propaganda bezeichnet die Besatzung offiziell als »Befreiung«, wodurch Parallelen zur Befreiung der Stadt von den Nationalsozialisten im Zweiten Weltkrieg gezogen werden.

Diese Beispiele zeigen, dass die vorrangige Aufgabe der Besetzung nicht darin besteht, ein »normales« Leben in den kriegsgebeutelten Regionen wiederherzustellen, sondern durch eine Instrumentalisierung der Geschichte gewaltsam ihre Weltsicht – und damit auch die Legitimation ihrer Macht – durchzusetzen.

Fazit

Da der Krieg weiterhin anhält, lässt sich nur ein vorläufiges Fazit ziehen. Die wichtigsten Schlüsse, die wir bisher aus dem Einsatz von Geschichte als »Waffe« im russisch-ukrainischen Krieg ziehen können, sind:

Die offiziellen Narrative zum ukrainischen und zum russischen historischen Gedächtnis sind von abweichenden Interpretationen zentraler historischer Fragen geprägt und dienen gegensätzlichen Zielen. Für die Ukraine geht es um einen Entkolonisierungsprozess und eine Emanzipation von Russland mit Hilfe einer Stärkung der eigenen nationalen Identität, Souveränität und Rolle als eigenständiges Subjekt. Für Russland hingegen geht es um die neoimperiale Wiedererrichtung seiner Einflusssphäre, wozu implizit die Zerstörung der ukrainischen Souveränität gehört.

Die manipulative Argumentation zur ukrainischen Geschichte im Vorfeld der militärischen Aggression diente zu deren ideologischer Vorbereitung. Die Hauptbotschaft war, dass es keinerlei nationalstaatliche Tradition der Ukraine gibt. Es wird von »historischen Gebieten«, »historischer Einheit« und »einem Volk« gesprochen, was nicht nur unvereinbar mit internationalem Recht ist, sondern auch wissenschaftlich fundierten Geschichtskenntnissen widerspricht.

Die historische (oder besser pseudohistorische) Rhetorik des Kreml versucht im Zusammenspiel mit dem Vorgehen der Besatzungsregime das historische Gedächtnis und den symbolischen Raum gewaltsam zu verändern. Es ist die wichtigste Waffe, um in den besetzten Gebieten die ukrainische Identität zu zerstören und die ukrainische kollektive Erinnerung auf eine Linie mit den russischen Narrativen zu bringen.

Aus theoretischer Sicht ist es interessant, dieses Vorgehen mit Hilfe der Theorie der Versicherheitlichung (engl.: Securitization) zu betrachten. Dieses Konzept beschreibt Prozesse, bei denen staatliche Akteure alltägliche politische Angelegenheiten zu Fragen der nationalen »Sicherheit« erheben. So gesehen wird die historische Erinnerung als ein Element der nationalen Sicherheit dargestellt. Es werden spezielle Gesetze erlassen, die eine obligatorische offizielle Interpretation bestimmter historischer Phänomene vorschreiben. Im Fall der russischen Aggression gegen die Ukraine sehen wir ein nahezu klassisches Szenario einer Versicherheitlichung der Erinnerung, durch die die russische Invasion gerechtfertigt werden soll: Erstens wird eine Bedrohung der russischen Geschichtsinterpretation verkündet (Entkommunisierung in der Ukraine, eine angebliche Revision des Zweiten Weltkriegs und schließlich eine vermeintliche Glorifizierung des Nazismus). Zweitens wird die Öffentlichkeit durch den Einsatz von Propaganda überzeugt, dass diese Bedrohung existiert. Und Drittens folgt schließlich die Beseitigung der Bedrohung, was als Wiederherstellung der historischen Wahrheit und Gerechtigkeit interpretiert wird.

Übersetzung aus dem Englischen: Hartmut Schröder

Dieser Beitrag wurde als Teil einer Forschungsarbeit im Rahmen eines Non-Resident-Fellowships der Freien Universität Berlin verfasst.

Über den Autor

Dr. Sergii Pakhomenko ist assoziierter Professor an der Abteilung für Politikwissenschaft und Internationale Beziehungen der Staatlichen Universität Mariupol und wissenschaftlicher Mitarbeiter für Global History an der Freien Universität Berlin. Er lebt derzeit in Lwiw.

Quelle: https://www.laender-analysen.de/ukraine-analysen/270/geschichte-als-waffe-russlands-instrumentalisierung-der-erinnerungskultur-im-zuge-des-angriffskrieges-gegen-die-ukraine/

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