Was ist der Darién Gap?
Wenn man wissen will, was sich hinter diesen beiden Worten verbirgt, kann man kurz googeln.
Und dann versteht man vielleicht, warum ich mich im September 2026 auf eine Reise begebe, die alles andere als ungefährlich ist.
Ich fliege nach Panama.
Für eine Reportage.
Zuerst geht es um den Panamakanal. Um eine der wichtigsten Wasserstraßen der Welt. Und um die Geschichte der spanischen Konquistadoren, die hier vor Jahrhunderten auf der Suche nach Gold waren.
Von der Pazifikküste bis nach Colón an der Karibikküste sind es rund 80 Kilometer.
Früher führte hier der Camino Real durch den Regenwald.
Über diese Wege transportierten die Spanier das Gold, das sie in Südamerika erbeutet hatten. Das Gold der Inkas aus Peru wurde nach Portobelo an der Karibikküste gebracht. Von dort aus ging es per Schiff weiter nach Spanien.
Konquistadoren. Seeräuber. Abenteurer. Engländer. Franzosen.
Sie alle waren von einer Sache besessen:
Gold.
Von dieser Geschichte will ich erzählen.
Aber meine eigentliche Reise führt mich noch weiter nach Süden.
Dorthin, wo die Straßen enden.
In den Darién Gap.
Im Süden Panamas liegt eine der gefährlichsten Fluchtrouten der Welt. Ein etwa 100 Kilometer breiter Landstreifen zwischen Panama und Kolumbien. Fast vollständig bedeckt von dichtem Regenwald.
Hier gibt es keine Straßen.
Keine Eisenbahn.
Keinen einfachen Weg zurück.
Das kleine Dorf Yaviza ist für viele die letzte Station der Zivilisation.
Danach beginnt der Dschungel.
Und genau dort will ich hin.
Im September ist Regenzeit.
Hitze. Extreme Luftfeuchtigkeit. Schlamm. Flüsse, die innerhalb kürzester Zeit zu reißenden Strömen werden können.
Giftige Tiere.
Dornengestrüpp.
Steile, glitschige Wege.
Und dann sind da noch die Menschen.
Bewaffnete Banden. Menschenhändler. Kriminelle Gruppen. Gewalt und sexuelle Übergriffe gehören zu den Gefahren, denen Migranten auf dieser Route ausgesetzt sind.
Und trotzdem gehen sie hindurch.
Männer.
Frauen.
Familien.
Kleine Kinder.
Menschen, die alles zurückgelassen haben und nur noch ein Ziel vor Augen haben:
die USA.
Von Yaviza aus werde ich mit Einheimischen in einem Boot weiterfahren.
Hinein in den Darién.
Panama kontrolliert heute sehr genau, wer sich in diesem Gebiet bewegen darf. Ohne entsprechende Genehmigungen geht nichts.
Und trotzdem bleibt eines klar:
Wer sich hier hineinbegibt, bewegt sich in einer Welt, in der die Natur und der Mensch zur Gefahr werden können.
Ich werde außerdem ein abgelegenes Dorf der Emberá besuchen.
Die Emberá sind ein indigenes Volk, das seit Generationen in diesem Regenwald lebt.
„Emberá“ bedeutet:
Mensch.
Ich werde dort schlafen.
In einer Hängematte.
Ich werde dort essen.
Wie die Emberá.
Und ich werde versuchen, für einige Tage in eine Welt einzutauchen, die kaum weiter von unserem Alltag entfernt sein könnte.
Ich weiß nicht genau, was mich dort erwartet.
Aber genau deshalb fahre ich hin.
Denn es gibt nicht nur eine Welt.
Es gibt viele Welten.
Und manchmal liegen zwischen diesen Welten nur wenige Kilometer.
Oder ein Fluss.
Oder ein undurchdringlicher Dschungel.
Ich werde diese Grenzen überschreiten.
Und ich werde davon berichten.
Wenn ich wieder zurück bin.
herbert erregger herbert erregger