Während Europa im Fadenkreuz einer beispiellosen hybriden Kriegführung steht, vertraut Deutschland auf Politiker, die vor lauter ideologischen Scheuklappen die brennende Realität nicht mehr sehen. Der BKA-Lagebericht und Erkenntnisse europäischer Sicherheitsbehörden zeichnen ein unmissverständliches Bild: Ob Brandanschläge auf Logistikzentren in Polen, Sabotageversuche an Unterseekabeln im Baltikum, gezielte Drohnenflüge über kritischer Infrastruktur oder Cyberattacken – quer durch die EU schlagen Sicherheitsdienste Alarm. Die Spuren dieser koordinierten Angriffe führen dabei lückenlos an einen Ort: zum russischen Geheimdienst (GRU/FSW), der Europa systematisch destabilisieren will.
Doch während der Wald brennt, sucht Alexander Dobrindt brav weiter nach Zündhölzern im linken Milieu. Mit einer fast schon absurden Blauäugigkeit klammert er sich an die altbekannte Mär von der primären Bedrohung durch linke Terrorzellen. Während Moskaus Agenten längst die physische und digitale Infrastruktur unseres Landes ins Visier nehmen, bedient der konservative Politiker verlässliche Reflexe aus dem politischen Phrasendrescher. Diese eklatante Fehleinschätzung ist längst keine bloße Nachlässigkeit mehr, sondern ein handfestes Sicherheitsrisiko für ein ganzes Land.
Warum aber verharren Menschen wie Dobrindt in so einer eklatanten Realitätsverweigerung? Psychologisch lässt sich dieses Phänomen präzise erklären:
Kognitive Dissonanz: Wenn eine unumstößliche Tatsache – wie die massive Bedrohung durch den Kreml – dem eigenen gefestigten Weltbild widerspricht, entsteht eine schmerzhafte innere Spannung. Um diese zu vermeiden, wird die Realität schlicht verzerrt oder ignoriert.
Confirmation Bias (Bestätigungsfehler): Das menschliche Gehirn neigt dazu, nur jene Informationen aufzusaugen, die das bestehende Narrativ unterfüttern. Wenn das eigene Feindbild seit Jahrzehnten festgemauert ist, passt eine russische Hybrid-Attacke einfach nicht ins Schema.
Ideologische Immunität: Das Festhalten an gewohnten Narrativen vermittelt in Krisenzeiten ein illusionäres Gefühl von Kontrolle und Handlungsfähigkeit – selbst wenn es völlig an den Tatsachen vorbeigeht.
Dobrindts Verharren im gestrigen Weltbild ist kein harmloser Parteipolitik-Spleen, sondern gefährliche Blindheit. Wer die tatsächlichen Aggressoren im geopolitischen Machtspiel ignoriert, weil sie nicht zum eigenen Parteibuch passen, hat seinen Auftrag zur Sicherheit der Bürgerinnen und Bürger verfehlt. Es ist höchste Zeit, die Scheuklappen abzulegen – bevor der Schaden irreparabel wird.