"Manjana" Morgen ist auch noch ein Tag

In Südamerika, da hat man keine große Eile.

„Manjana", heißt es da, „Morgen ist auch ein schöner Tag.“ Überhaupt hielt man es nicht mit der Pünktlichkeit.

Wer spät zu einer Verabredung, zu einer Einladung kommt, ist wesentlich lieber gesehen. Da muss man lernen, wie einfach alles sein kann, einfach „manjana.“

So kam ich auch zu spät zum Bus.

Kein Problem, jetzt war ich eine wichtige Person. Vorne neben dem Fahrer war noch ein Platz frei. Zirka zehn Personen saßen im Bus, einschließlich meines deutschen Freundes.

Alle anderen schienen Südamerikaner zu sein. Zuerst bemerkte ich sie gar nicht, aber als ich mich mehrmals umdrehte, da sah ich sie. „Una chica guapa“ , ein hübsches peruanisches Mädchen saß da und schaute mich kurz an.

Für mich galt es angesichts dieser Schönheit einfach nur nach Luft zu schnappen. Unruhig, ruckte ich auf meinem Sitz hin und her, das hatte ich nicht erwartet.

So begann mein nächstes Abenteuer in diesem schönen, wilden Land, das man Peru nennt. Wir fuhren eine steile Straße hinauf in die Berge, und hielten an einer großen Terrasse, wo Kartoffel angebaut wurden.

Wir stiegen aus und unterhielten uns. Die Südamerikaner waren anscheinend eine große Familie, oder einfach irgendwie verwandt schien es. Sie kamen aus Lima, und für Sie waren diese Berge noch exotischer als für uns. Sie hatten Angst in dieser Höhe und sie schnappten auch nach Luft.

Ich weiß heute nicht, welches Gefühl mich getrieben hatte, aber ich pflückte ein paar Blumen und schenkte sie dem hübschen Mädchen aus dieser Gruppe. Sie lächelte verdutzt den nervösen Gringo an, der im Gesicht röter wurde als jeder Indianer. Holprig begann ich auf Spanisch ein Gespräch.

Sie hieß Gabriella, kam aus Lima und arbeitete als Sekretärin. So weit so gut. Sie hatte schwarzes Haar, das irgendwie bläulich schimmerte, und sie hatte schwarze Augen, in denen man sich wie in der Unendlichkeit verlor. Sie war das schönste Mädchen, das ich jemals in Peru gesehen hatte.

Die Farbe ihrer Haut, es schien als wäre sie aus Bronze. Ihre Wurzeln dürften spanisch indianischen Ursprungs sein, dachte ich mir. Sie strahlte eine Sanftheit aus, wie ich sie nicht kannte. Immer wenn sie lächelte, versank ich in einen Wirbel Unbeholfenheit, und meine Bewegungen schienen für mich lächerlich zu werden.

Hey, Gringo, dachte ich mir, was ist nur los mit dir, mach dich doch nicht lächerlich?

Natürlich hatten ihre Verwandten und mein deutscher Freund, meine Veränderung mitbekommen. So versuchte ich, so zu tun als wäre mein Interesse an diesem Mädchen nicht mehr vorhanden.

Später kamen wir dann wieder zurück nach Cusco.

Ich war dem peruanischen Mädchen ausgewichen, wo ich nur konnte.

Ihr Blick machte mich unruhig und ich bekam weiche Knie. Sie schien für mich aus einer gänzlich anderen Welt zu kommen. Mein deutscher Begleiter hatte es aber organisiert, so trafen wir uns später in einer peruanischen Bar wieder. Es war das Schicksal, das wieder einmal würfelte, und ich hatte nichts dagegen.

Es war wie ein Zufall, aber ich saß neben Gabriella und musste mich irgendwie finden, um nicht innerlich zu verbrennen. Da saß sie neben mir, ich spürte die Wärme ihres Körpers , und genoss ihr stilles Lächeln wenn sie mich anblickte.

In diesen schwarzen Augen sah ich die Berge, die Blumen und die Sonne Perus. Aber auch die Geheimnisse die mich lockten und riefen. Mein schlechtes Spanisch erlaubte mir, ein kleines Gespräch zu beginnen.

Jedes Wort war wertvoll und einzigartig, weil es sie zum Lächeln verführte. In diesem Gesicht lag so viel Sanftmut, aber das Feuer verbrannte mich, als sie mich an der Hand berührte.

Wir tranken alle Cuba Libre ,und das machte mich etwas mutiger. So plauderte ich mit ihr über Gott und die Welt, und irgendwie hatte ich das Gefühl auf einmal perfekt spanisch sprechen zu können. Ich war der glücklichste Mensch in diesem Augenblick, und ich verliebte mich unsterblich für immer und ewig in das Land Peru.

Heute weiß ich nicht mehr genau, wie das alles damals war ,an diesem Abend in Cusco. Irgendwann spät am Abend begleitete ich Gabriella nach Hause zu ihren Verwandten in Cusco. Irgendwo in einer der vielen dunklen Gassen wohnte sie.

Sie hielt sich an mir fest, und zitterte leicht beim Gehen. Manchmal streifte ihr Haar an meinem Gesicht und dann lächelte sie. Es schien ein Traum zu sein, ein Traum aus dem man nicht erwachen will.

Es war still geworden, nur ab und zu huschte ein Schatten an uns vorbei.

Viel zu schnell erreichten wir das Haus in dem sie wohnte. Sie blieb kurz stehen und schaute mir in die Augen ,und lächelte.

Jetzt hob ich ab, wie der Condor in die Lüfte Perus. Doch ich stürzte auch gleich wieder aus allen Wolken, als sie ein Kreuz mit der Hand machte, und mit ängstlichen Blick auf die dunklen Typen blickte, die gerade gegenüber ein Auto zerlegten.

Schnell drückte sie mir einen zarten Kuss auf meine Wange, und weg war sie, ich hörte nur ein leises „Buenas Noches“, dann stand ich alleine da.

Ich blickte zu den dunklen Gestalten hinüber, und lächelte. „Ola Amigos“ rief ich hinüber und ging als wenn nichts wäre die Gasse hinunter. In meinem Zustand war ich sowieso Supermann gewesen.

Erst später wurde mir bewusst, wie gefährlich diese Situation hätte enden können. Ich rannte durch die Gassen zurück,. An manchen Spelunken mit offenen Türen schlich ich vorbei, da sich drinnen gerade die Latinos hundertprozentigen Alkohol hinunter gossen, und mit leeren Blicken zur Tür starrten.

„Hey Gringo, warte, hörte ich nur, dann lief ich schon davon.

Fast wäre ich mit einem bewaffneten Soldaten zusammen gestoßen als ich um eine Ecke bog.

Doch ich war heilfroh ihn zu sehen, den sofort waren die schwarzen Schatten verschwunden die mich anscheinend verfolgten. Müde kam ich zu meiner Herberge zurück und klopfte gegen die Tür.

Es dauerte einige Zeit, den es war bereits drei Uhr Morgens, bis man mir öffnete. Zu viele Zwielichte Gestalten spuckte die Nacht aus. Ich lag noch lange wach, zu viel war passiert. Glück und Sehnsucht, Schicksal oder Zufall, wer weiß schon ,wem man in den vielen Seelenreisen schon begegnet ist.

Zufall ist ein zufälliges Wort um etwas erklären zu können an das man nicht wirklich glaubt. Mein Camino Inka, dieser Weg hat eigentlich bis heute kein Ende gefunden.

Ob ich Gabriella wieder getroffen, hatte? Das gehört zu den Geheimnissen meines Lebens.

Bis heute sehe ich in meinen Träumen, diese schwarzen sanften Augen, die mich anblicken.

„Vielleicht warst du einmal ein Inka“ hatte einmal ein peruanischer Freund zu mir gesagt.

Vielleicht, vielleicht , man weiß das nicht wirklich, doch ich hatte für kurze Zeit mein El Dorado gefunden, meine goldene Stadt, in der eine inkaische Prinzessin lebte.

Das ist eine Erzählung- eine Geschichte aus meinem Leben- lange her- damit da keine falschen Vermutungen aufkommen können.

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Silvia Jelincic

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Hansjuergen Gaugl

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fischundfleisch

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Herbert Erregger

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