**Ende April 2026, Albuquerque, New Mexico, USA**
Ich mache mich auf den Weg nach Albuquerque, der Hauptstadt des US-Bundesstaates New Mexico. Mein Auftrag ist es, Bilder und Filme vom letzten Tanz der indigenen Völker Amerikas zu gestalten.
Zum letzten Mal werden sie 2026 über zwei Tage und zwei Nächte hinweg trommeln und tanzen, als Versuch, diese Welt vielleicht doch noch ein Stück besser zu machen. Die aktuelle politische Situation in den USA, insbesondere unter der Regierung von Donald Trump, zeigt weiterhin wenig Verständnis für die Denk- und Lebensweise der indigenen Bevölkerung.
Lange Zeit galt das „Bad Land“, das den indigenen Stämmen geblieben ist, für viele weiße Siedler als wertlos. Heute jedoch geht es um etwas anderes: um Rohstoffe, um seltene Erden. Wieder rückt das Land in den Fokus wirtschaftlicher Interessen. Für die indigenen Völker jedoch ist es kein Besitz und keine Ware. „Mutter Erde“, wie sie sagen, kann man nicht kaufen oder verkaufen.
Als weißer Fotograf ist es für mich nicht einfach, diesen letzten Tanz zu begleiten. Die Presseauflagen sind streng, und die indigenen Gemeinschaften geben ihre Kultur nicht mehr unbedacht preis. Vertrauen muss verdient werden.
**The Last Dance – Gathering of Nations**
In Albuquerque findet ein letztes großes Zusammentreffen indigener Völker Nord- und Südamerikas statt. Die größte Gruppe, die Navajo, gemeinsam mit den Hopi, trägt die Verantwortung für dieses Ereignis.
Wer sich mit den Hopi beschäftigt, begegnet einer der ältesten indigenen Kulturen Nordamerikas. In ihren Überlieferungen finden sich Prophezeiungen über den Wandel und mögliche Krisen der westlichen Welt.
Für die Hopi ist die Erde heilig. Sie beobachten seit Langem kritisch, wie die westliche Welt mit Natur umgeht, etwa beim Abbau von Uran in ihren Gebieten, der nach ihrer Sicht das natürliche Gleichgewicht der Erde stören kann.
Nach ihrer Vorstellung leben wir bereits in der vierten Welt, die sich ihrem Ende zuneigt. Drei Welten seien zuvor bereits untergegangen.
Doch im globalen Wettbewerb um Ressourcen findet diese Perspektive nur selten Gehör. In der modernen Technikwelt entstehen zwar viele spirituelle Nachahmungen und vereinfachte Deutungen, doch oft bleibt davon nur eine oberflächliche Aneignung ohne echtes Verständnis.
Gleichzeitig suchen viele Menschen heute wieder nach Sinn, Orientierung und nach einem bewussteren Umgang mit der Erde, unserer einzigen Heimat.
Genau in diesem Spannungsfeld findet der Tanz in Albuquerque statt – ein letztes Mal.
Ich werde mich diesem Geschehen mit Respekt und Zurückhaltung nähern. Mit meiner Kamera versuche ich, etwas von diesem alten Wissen, der Musik und der Bewegung festzuhalten. Dabei muss ich vorsichtig sein und klare Grenzen respektieren. Allein die Möglichkeit, dabei sein zu dürfen, ist für mich ein Geschenk.
Die Trommeln, Gesänge und Tänze tragen eine Botschaft, die über diesen Moment hinausgeht. In den Figuren der Hopi, den Kachinas, die man sinnbildlich mit Engeln vergleichen kann, spiegelt sich ihre spirituelle Welt. Auch die kunstvoll geschnitzten Kachina-Puppen sind Ausdruck dieser Verbindung zwischen Mensch, Natur und Geist.
**New Mexico – ein Land aus Erde und Licht**
New Mexico ist geprägt von warmen Erdtönen, alten Pueblos und weiter, stiller Landschaft. Ich werde auch die heiligen Täler der Navajo und Hopi besuchen, darunter den Grand Canyon, den Antelope Canyon und das Monument Valley. Ebenso werde ich Zeit in den Navajo- und Hopi-Reservationen verbringen.
In der Stille der Wüsten und Prärien hoffe ich, nicht nur Landschaften zu sehen, sondern auch etwas über mich selbst zu erfahren. Vielleicht entsteht dort ein Verständnis, das sich später in Worte fassen lässt.
Vielleicht interessiert das nur wenige in einer schnelllebigen, wohlstandsgeprägten Gesellschaft. Vielleicht aber auch mehr, als man zunächst denkt.
*C’est la vie.*
**Nachbemerkung:**
Der Begriff vom „edlen Wilden“ ist ein koloniales Konstrukt, das es so nie gegeben hat. Ebenso wenig sind romantisierende Vorstellungen indigener Kulturen hilfreich. Auch Schamanismus lässt sich nicht auf vereinfachte westliche Klischees oder Kurse reduzieren. Respekt bedeutet, Unterschiede ernst zu nehmen, ohne sie zu verklären oder zu verkürzen.
herbert erregger herbert erregger