Mit 60 zu teuer? Warum Erfahrung bei uns zum Kündigungsgrund wird

Am Montag saß der AMS-Chef Johannes Kopf in der „ZiB 2“ und hat etwas gesagt, das jeder kennt, der mit Ende fünfzig seinen Job verloren hat. Ältere hätten normalerweise eine recht beständige Laufbahn. Wenn sie den Job aber doch verlieren, kommen sie „schlecht wieder rein“. Es gebe Unterstützung bei der Qualifizierung, aber „manchmal gelingt es ganz schwer“ (Quelle: Die Presse, 03.11.2026). Einen Rat für die 59-jährige Office-Managerin, die im Beitrag davor vergeblich Arbeit gesucht hat, hatte er nicht parat.

**Die Zahlen dazu.** Dass es sich um keine Einzelfälle handelt, zeigen sogar die Zahlen von Gewerkschaft und Arbeiterkammer. Laut ÖGB stellen die 60- bis 64-Jährigen rund zehn Prozent der Bevölkerung, in den Betrieben aber nur etwas mehr als fünf Prozent der Beschäftigten (Quelle: ÖGB-Aussendung, 03.11.2026). Laut Arbeiterkammer Wien beschäftigen rund 30 Prozent der Betriebe ab 20 Mitarbeitern niemanden über 60, und arbeitslose 60- bis 64-Jährige sind im Schnitt schon 431 Tage beim AMS gemeldet (Quelle: AK-Wien-Aussendung, 03.11.2026).

431 Tage. Das sind weit über ein Jahr Bewerbungen, Kurse und Absagen. Für Menschen, die Jahrzehnte gearbeitet, eingezahlt und Lehrlinge ausgebildet haben.

**Die Frage, die keiner stellt.** Jetzt streiten Gewerkschaft, Arbeiterkammer, Wirtschaftskammer und Industrie über ein sogenanntes Bonus-Malus-System. Betriebe mit wenigen Älteren sollen zahlen, Betriebe mit vielen Älteren sollen belohnt werden. Der AMS-Chef hält von Strafen wenig, Boni könnten seiner Meinung nach motivieren (Quelle: Die Presse, 03.11.2026). Wieder ein neues System, wieder neue Formulare, wieder neue Kontrolleure.

Aber warum stellt eigentlich kaum ein Betrieb einen 60-Jährigen ein?

Ich war mein Leben lang Installateurmeister und habe selbst Leute angestellt. Ich kann es Ihnen sagen: Weil ihn der Kollektivvertrag mit seinem Senioritätsprinzip teurer macht als einen Jungen. Wer lange in der Branche ist, rückt automatisch in höhere Gehaltsstufen vor, ganz egal, ob er die Arbeit noch genauso leisten kann oder lieber etwas kürzer treten möchte. Für den Chef eines kleinen Betriebs ist das eine einfache Rechnung. Und genau diese Rechnung macht aus Erfahrung einen Kündigungsgrund.

Der Kollektivvertrag ist damit kein Schutz für die Älteren, er ist einer der Treiber ihrer Arbeitslosigkeit. Und die, die ihn verhandeln, sitzen jetzt da und verlangen Strafen für die Betriebe. Das ist, als würde man zuerst die Tür zusperren und sich dann beschweren, dass keiner hereinkommt.

**Der Staat ist das Problem.** Wir haben ein Arbeitsmarktservice, das laut Presse 18 Jahre lang bei Geringverdienern falsch gerechnet hat und jetzt rund 135 Millionen Euro nachzahlen muss (Quelle: Die Presse, 03.11.2026). Wir haben Kammern, Sozialpartner, Ausschüsse und Arbeitsgruppen. Eine echte Raviolada. Nur einen Job für die 59-jährige Office-Managerin haben sie nicht.

Ein Bonus-Malus-System löst das nicht. Es baut noch eine Schicht Bürokratie auf das Problem drauf. Der Staat ist nicht die Lösung, der Staat ist das Problem.

**Wir von der CFU fordern:**

* Lohnkurven entrümpeln: Ältere dürfen durch automatische Vorrückungen nicht unvermittelbar werden. Wer mit 60 eine neue Stelle annimmt, soll sie zu fairen Bedingungen bekommen können, ohne dass der Betrieb draufzahlt.

* Freie Gehaltsvereinbarungen: Arbeitgeber und Arbeitnehmer müssen sich individuell auf ein Gehalt einigen können, ohne dass die ÖGK nachher meint, es sei unter Kollektiv bezahlt worden, und die Differenz nachfordert. Der freie Dienstvertrag zeigt, dass so etwas geht.

* Freiwillig länger arbeiten muss sich lohnen: Wer neben der Pension arbeitet, soll davon etwas haben und nicht vom Fiskus bestraft werden.

* Eine schlanke Pensionskasse nach Schweizer Vorbild, ohne Steuerzuschüsse und mit Versicherungsprinzip, damit die Pension #nicht das Sparbuch der Republik ist.

* Ein eigener Senioren-VPI, damit die Pensionen mit dem mitwachsen, was Ältere wirklich ausgeben.

Erfahrung ist ein Schatz, kein Kostenfaktor. Wer 40 Jahre gearbeitet hat, braucht keine neue Quote und keinen Strafkatalog. Er braucht einen Arbeitsmarkt, der ihn wieder hereinlässt. Reden wir darüber...

#CFU: Bilde dich, schaffe Werte, gründe Familie.

Mit freisinnigen Grüßen

Günther Koller, Installateurmeister i.R., Stellvertretender Obmann der Christlich Freisinnigen Union

#cfu #machmit #senioren #arbeitsmarkt #kollektivvertrag #pensionen #ams #freiheit

Quellen:

* Die Presse, 03.11.2026: https://www.diepresse.com/41414113/weiss-der-finanzminister-dass-er-135-millionen-zahlen-muss-die-er-nicht

* ÖGB-Aussendung, 03.11.2026: https://www.ots.at/presseaussendung/OTS_20261103_OTS0107/oegb-aeltere-menschen-brauchen-jobs-statt-neuer-pensionsdebatten

* AK-Wien-Aussendung, 03.11.2026: https://www.ots.at/presseaussendung/OTS_20261103_OTS0099/ak-wien-vollversammlung-1-mythen-und-fakten-zum-pensionssystem

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