Zur Zeit Diktator Ben Ali gab es in Tunesien Rechte ohne Freiheit, jetzt fürchten sich viele Frauen in Tunesien vor der Freiheit ohne Rechte.

«Die einen laufen Gefahr, ihre Errungenschaften zu verlieren, die anderen, zu hasserfüllten Islamistinnen programmiert zu werden» (Boutheina Chihi Ezzine).

Die Spaltung ist nicht nur gesellschaftlich sondern auch geografisch nachweisbar. «Lehrerinnen und Lehrer im tunesischen Hinterland verbreiten gefährliches islamistisches Gedankengut unter den Kindern. Wer nicht betet, wer nicht in die Moschee geht oder sich als Frau nicht freiwillig dem Mann unterordnet, wird als ungläubig ausgegrenzt.»

Anwältin Jazzar Hayet erklärt die dahintersteckende patriachale Logik wie folgt: «Diese Männer wollen ihre Frauen unter ihr muslimisches Gesetz zwingen. Jetzt fürchten sie um ihre männliche Vorherrschaft, wenn eine Frau ihrer muslimischen Gemeinschaft einfach den Rücken kehren kann».

Sowohl in Tunesiens Süden als auch in der Hauptstadt beschweren sich Frauen wie harsch die soziale Kontrolle über sie wache, die verhinderten, dass sie sich in der Öffentlichkeit aufhalten: seien es Blicke, Belästigung oder Gewalt.

Um dem zu entgehen sind Zeichen des politischen ISLAM, wie z. B. ein auf bestimmte Weise getragenes Kopftuch, sodass alle Haare bedeckt sind, wieder im Vormarsch. Von Freiwilligkeit zu sprechen kann in diesem Zusammenhang nur links-linken Träumern einfallen, denn hier dient das Kopftuch eindeutig dazu um sich als Muslime zu kennzeichnen und mögliche negative Konsequenzen abzuwehren.

Für streng schriftgläubige Muslime sind die Frauen SCHULD, wenn sie z. B. wegen unislamischer Kleidung bestraft und vergewaltigt werden. Und somit ergibt ein gewisser gesellschaftlicher Zwang den Körper islamisch korrekt zu verhüllen, denn wer möchte schon in den Augen seiner Gemeinde Schuld an seiner Vergewaltigung sein!!

Die Worte Scheich Mohamed Hentati müssten auch bei uns ein Schrillen der Alarmglocken auslösen: «Tunesien mag gemäss Verfassung ein laizistischer Staat sein, aber das ist nicht die gelebte Realität der Menschen hier.» Diese sollten deshalb auch nach islamischem Recht leben: «Wir sind ja ein islamischer Staat.» Folglich ist er auch entschieden gegen das neue Recht der Frau, jemanden zu heiraten, der nicht muslimisch ist. Die Scharia verbiete es. «Ausserdem widerspricht es nicht nur Koran und Sunna, der vorbildlichen Lebensweise des Propheten, sondern auch ganz einfach der Logik», erklärt der Islamgelehrte. Nach islamischem Recht müsse die Frau auf ihren Mann hören. Er sei das Oberhaupt der Familie. «Wenn der kein Muslim ist, hört sie auf Dinge, die unislamisch sind. Und erzieht womöglich ihre Kinder so.» Der Mann sei von seiner gottgegebenen Natur her in einer stärkeren Position als die Frau, die viel fragiler und schwächer sei: «Gefühlsbetonter und so.»

Es wird Zeit zu begreifen, dass wir unsere Maßstäbe nicht auf andere Kulturen einfach übertragen dürfen. Während für uns Frauenrechte und Demokratie zusammengehören, haben Frauen in streng patriachalischen Gesellschaften keine Rechte. Wie sehr dies in patriachalischen Gesellschaften verwurzelt ist erkennt man an dem Umstand, dass man im Parlament im Jahre 2012 in Tunis darüber diskutiert hat, ob die neue Verfassung Männer und Frauen als «gleich» oder als «komplementär» verstehen soll.

Ein nachdenklicher Bürger

Robert Cvrkal

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