In weiten Teilen der Welt – auch der westlichen demokratischen Staaten – gewinnt das Autoritäre immer weiter an Boden. Es erstarken politische Kräfte, die demokratische Institutionen delegitimieren und liberale Grundsätze offen infrage stellen.
Eine gefährliche populistische Drift beginnt: Mit wachsender Selbstverständlichkeit bedienen sich zahlreiche internationale Führungsfiguren einer Sprache, die Ausgrenzung zu normalisieren sucht und nationale Privilegierung als politische Lösung vorantreibt. Diese Vorgänge markieren dabei nicht bloß rhetorische Verschiebungen, sondern die Tendenz, demokratische Werte umzucodieren.
Besorgniserregend ist dabei weniger die Lautstärke autoritärer Politiker und Demagogen, als das stille Einverständnis wachsender Teile der Gesellschaft. Wo im passiven Schweigen Zustimmung anwächst, beginnt die Erosion demokratischer Widerstandskraft. Wo die Dialogfähigkeit schwindet, wird gesellschaftlicher Zusammenhalt porös und Demokratie verletzlich.
Die Geschichte, Erinnerungskultur und Gegenwart zeigen: Wachsende Perspektivlosigkeit kann autoritären Kräften Mehrheiten verschaffen. Und auch die politische Sprache hat sich grundlegend verändert: Was einst Empörung auslöste, passiert heute nahezu geräuschlos die moralischen und ethischen Filter der öffentliche Debatte.
Gerade darin liegt die Macht moderner Populisten und Demagogen: Sie arbeiten mit Feindbildern, emotionalen Reizwörtern und kalkulierter Zuspitzung. Komplexität wird reduziert, Zweifel an Fakten werden systematisch gesät, Affekte ersetzen Argumente. Der neue Autoritarismus ist auch ein digitaler Brandbeschleuniger, der eine neue Form ein bisher ungekanntes "neues Gehorchen" nach sich zieht.
Die demagogische Manipulation hat sich längst in die Timeline verlagert, ihre Mechanismen aber sind dieselben geblieben: Angst, Ressentiment und diffuse Heilsversprechen. Derartige Entwicklungen dürfen nicht unbeantwortet bleiben – sie verlangen klare Haltung.
Konstanze Sailer und Dominik Schmidt
zur Intervention von Memory Gaps
Bildausschnitt: "Red Demagogue 07", 2026, Tusche auf Papier, 48 x 36cm; ©: Konstanze Sailer https://www.memorygaps.eu/