Zwangsarbeit und Übergriffe in US-Internierungslagern – Parallelen zu autoritären Regimen

In den USA werden seit einem Jahr Tausende Einwandernde in Internierungslagern festgehalten, die von privaten Gefängnisunternehmen wie der GEO Group betrieben werden. Berichten zufolge werden diese Menschen systematisch zu unentgeltlicher Arbeit gezwungen, um die Betriebskosten der Einrichtungen zu senken. Klagen in Bundesstaaten wie Georgia und Washington werfen den Betreibern vor, durch Drohungen, Zwang und Entbehrungen eine Form moderner Sklavenarbeit zu etablieren. Die Arbeitsbedingungen erinnern an historische Unrechtsregime: So mussten während des Nationalsozialismus deportierte Jüd:innen noch für ihre eigene Vertreibung zahlen – eine grausame Ironie, die sich heute in der Praxis der US-Einwanderungsbehörde ICE widerspiegelt. Die Inhaftierten erhalten für ihre Arbeit nur minimalen oder gar keinen Lohn, während die Unternehmen Millionengewinne erzielen. Kritiker:innen verweisen darauf, dass selbst verurteilte Straftäter:innen in regulären Gefängnissen Besuchsrechte haben, während ICE-Häftlingen selbst dieser grundlegende Zugang verwehrt wird. Transparenz fehlt, Pressekontrollen werden unterbunden, und selbst gewählte Volksvertreter:innen dürfen die Lager nicht mehr betreten. Dies wirft die Frage auf: Wer kontrolliert diese Staatsgewalt?

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Die Debatte um die Freiwilligkeit dieser Arbeit ist umstritten. Offizielle Stellen behaupten, die Arbeit sei freiwillig und diene dazu, die Kosten für Unterbringung und Abschiebung zu decken. Doch Augenzeug:innen und Aktivist:innen berichten von massivem Druck – wer sich weigert, riskiert Repressalien wie Isolationshaft oder den Entzug grundlegender Versorgungsleistungen. Die Parallelen zu Zwangsarbeit sind unübersehbar, auch wenn die Bezahlung formal als „freiwillig“ deklariert wird. Die Löhne liegen oft bei unter einem Dollar pro Tag, was de facto einer Ausbeutung gleichkommt. Besonders brisant: Seit Kurzem wird Abgeordneten der Zutritt zu den Einrichtungen verweigert – ein alarmierendes Signal für den Abbau demokratischer Kontrollmechanismen.

**Rechtliche Grauzonen und autoritäre Praktiken**

Ein zentrales Problem ist die Umgehung richterlicher Aufsicht. Während nächtliche Durchsuchungen in demokratischen Rechtsstaaten nur mit richterlichem Beschluss zulässig sind, agiert ICE zunehmend willkürlich. Berichte aus Minnesota beschreiben, wie militärische Drohnen nachts in Wohnungen spähen, ohne rechtliche Grundlage. Betroffene, die dies anzeigten, wurden von der Polizei abgewiesen – mit der Begründung, solche Überwachung sei „perfekt legal“. Diese Entwicklung erinnert an die Methoden totalitärer Regime, die gezielt Rechtsstaatlichkeit aushöhlen. Historisch gesehen waren nächtliche Razzien ohne richterliche Anordnung ein Kennzeichen des NS-Staates. Dass solche Praktiken heute in den USA stattfinden, unterstreicht die Gefahr eines autoritären Machtmissbrauchs.

**Verschwundene und unaufgeklärte Schicksale**

Ein weiterer Skandal betrifft das Schicksal von Häftlingen: Im berüchtigten „Alligator Alcatraz“, einer ICE-Einrichtung in Louisiana, sind zwei Drittel der 1.800 Inhaftierten spurlos „verschwunden“. Offizielle Stellen geben keine Auskunft über ihren Verbleib – eine Praxis, die an das Verschwindenlassen politischer Gegner in Diktaturen erinnert. Solche Vorfälle nähren den Verdacht, dass ICE nicht nur Menschenrechte verletzt, sondern gezielt Spuren verwischt.

**Widerstand und die Rolle der Waffenlobby**

Angesichts dieser Entwicklungen berufen sich Befürworter des zweiten Zusatzartikels der US-Verfassung auf das Recht, sich gegen eine „tyrannische Regierung“ zu wehren. Die Argumentation: Wenn der Staat grundlegende Freiheiten beschneidet, sei bewaffneter Widerstand legitim. Diese Rhetorik zeigt, wie tief das Misstrauen gegenüber staatlichen Institutionen gewachsen ist. Doch während die Debatte um Waffenrechte hochkocht, bleibt die Frage: Wie kann eine Gesellschaft solche Missstände stoppen, ohne selbst in Gewalt zu verfallen?

**Fazit: Systematische Entrechtung als Warnsignal**

Die Vorgänge in den ICE-Lagern sind kein Einzelfall, sondern Teil eines Systems, das Einwandernde entrechtet und ausbeutet. Die Kombination aus Zwangsarbeit, willkürlicher Überwachung und der Abschottung von Kontrollen offenbart strukturelle Defizite. Wenn selbst gewählte Vertreter:innen keinen Zugang mehr haben, wird die Demokratie zur leeren Hülle. Die historischen Vergleiche – sei es mit dem Nationalsozialismus oder anderen Diktaturen – mögen drastisch klingen, doch sie unterstreichen: Wo Rechtsstaatlichkeit erodiert, droht der Abgrund. Die USA stehen hier an einem Scheideweg. Entweder sie stellen die Einhaltung grundlegender Menschenrechte wieder her – oder sie akzeptieren, dass autoritäre Praktiken zur neuen Normalität werden. Die Frage ist nicht mehr, *ob* diese Entwicklungen besorgniserregend sind, sondern wie lange die Welt noch wegschaut.

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