Der Kotau vor den Konzernen - Reiche will Frackinggasförderung durchsetzen

Die Förderung von Frackinggas ist in Deutschland bislang nicht erlaubt. Aus guten Gründen:

Frackinggas birgt mehrere ernsthafte Risiken für Umwelt und Gesundheit. Beim hydraulischen Aufbrechen des Gesteins werden große Mengen Wasser, Sand und chemische Zusätze in tiefe Gesteinsschichten gepresst. Dabei können Chemikalien in Grundwasserleiter eindringen, wenn Bohrlöcher undicht werden oder Risse sich unkontrolliert ausbreiten. Zusätzlich besteht die Gefahr, dass Methan entweicht, was nicht nur das Klima belastet, sondern auch lokale Luftqualität verschlechtert. Die intensive Wasserentnahme kann regionale Wasserknappheit verstärken, während die entstehenden Abwässer hoch belastet sind und sicher entsorgt werden müssen. Schließlich können Bodeninstabilitäten und kleine Erdbeben auftreten, wenn Druckverhältnisse im Untergrund verändert werden.

Wenn Reiche mehr Gas in Deutschland fördern will, dann muss sie Fracking erlauben, das zeigen schon die Zahlen. Damit will den Konzernen auf Kosten unserer Gesundheit endlich erlauben, was bislang, quer durch fast alle Parteien, nicht gewünscht und erlaubt war:

Deutschland verbraucht jedes Jahr rund 80 Milliarden Kubikmeter Erdgas – eine Menge, die zeigt, wie stark das Land noch immer von fossilen Energieträgern abhängig ist. Gleichzeitig sind die erschlossenen, also tatsächlich förderbaren konventionellen Gaslagerstätten in Deutschland nahezu erschöpft. Sie werden auf etwa 50 Milliarden Kubikmeter geschätzt. Das bedeutet: Selbst wenn man diese Reserven vollständig ausschöpfen würde, könnten sie nicht einmal ein einziges Jahr des deutschen Gasbedarfs decken. Die heimische Gasförderung spielt daher real nur noch eine sehr geringe Rolle für die Versorgungssicherheit.

Neben diesen bekannten und erschlossenen Vorkommen existieren jedoch noch nicht erschlossene Ressourcen, vor allem in Form von Schiefergas, das nur durch Fracking gewonnen werden könnte. Diese unkonventionellen Gasressourcen werden wissenschaftlich auf 0,5 bis 2 Billionen Kubikmeter geschätzt. Das klingt zunächst nach einer gigantischen Menge, doch der entscheidende Punkt ist: Nur ein kleiner Teil davon wäre technisch und wirtschaftlich tatsächlich förderbar. Die meisten Studien gehen davon aus, dass 10 bis 20 Prozent dieser Ressourcen realistisch erschlossen werden könnten.

Rechnet man diese Spanne durch, ergibt sich ein ernüchterndes Bild. Selbst im bestmöglichen Szenario – also bei einer Förderbarkeit von 20 Prozent und einer Gesamtressource von 2 Billionen Kubikmetern – käme man auf rund 400 Milliarden Kubikmeter. Das entspräche etwa fünf Jahren des heutigen deutschen Gasverbrauchs. Im schlechtesten Fall, also bei 10 Prozent Förderbarkeit und nur 0,5 Billionen Kubikmetern Gesamtressource, wären es gerade einmal 50 Milliarden Kubikmeter – also weniger als ein Jahr, praktisch identisch mit den ohnehin bekannten konventionellen Restvorkommen.

Hinzu kommt, dass 80 bis 90 Prozent dieser unerschlossenen Ressourcen Frackinggas wären. Die Förderung durch Fracking birgt erhebliche ökologische Risiken: Verunreinigung von Grundwasser, Schädigung von Böden, hoher Chemikalieneinsatz und langfristige Beeinträchtigungen ganzer Landschaftsräume. Vor diesem Hintergrund wird deutlich, dass Fracking in Deutschland weder eine nachhaltige noch eine langfristig relevante Lösung für die Energieversorgung darstellen kann.

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