In den Augen vieler wirkt es wie eine bizarre Wendung der Ereignisse: Donald Trump sieht sich gezwungen, dem Iran faktisch Einnahmen von 14 Milliarden Dollar zu ermöglichen – ein Schritt, der wie der Versuch wirkt, eine demütigende Niederlage zu kaschieren und gleichzeitig den durch seinen eigenen, als illegal kritisierten Wahlkrieg ausgelösten Ölpreisschock einzudämmen.
Um den Ölfluss wieder in Gang zu bringen und den rasanten Anstieg der Rohölpreise zu bremsen, kündigte seine Regierung an, Sanktionen für bereits gefördertes und auf See befindliches iranisches Öl zu lockern. Diese Erleichterung soll einen Wert von rund 14 Milliarden Dollar haben. Mit anderen Worten: Trump ermöglicht dem Iran Einnahmen, die letztlich den Konflikt finanzieren, den er selbst gegen das Land begonnen hat.
Für Trump ist das eine strategische Niederlage und zugleich eine persönliche Blamage. Zehn Jahre lang behauptete er unablässig, Präsident Obama habe dem Iran 1,4 Milliarden Dollar „geschenkt“ – obwohl es sich in Wahrheit um iranische Gelder handelte, die die USA einbehalten hatten und deren Rückgabe gerichtlich angeordnet worden war. Nun öffnet Trump selbst dem Iran Einnahmen in einer Größenordnung, die das Zehnfache dieser Summe erreicht – Gelder, die vermutlich in neue Raketen fließen werden, die wiederum US-Flugzeuge, Schiffe und Stützpunkte bedrohen könnten. Gleichzeitig wird der Effekt auf die Ölpreise wohl nur kurzfristig sein, denn der Krieg hat inzwischen dazu geführt, dass beide Seiten die Ölinfrastruktur des jeweils anderen angreifen, nachdem israelische Streitkräfte begonnen haben, iranische Ölfelder zu bombardieren.
Ein „meisterhafter Schachzug“ sieht anders aus. Während die iranische Führung strategisch agiert, wirkt es, als würde Trump in diesem Konflikt nicht einmal die Grundregeln des Spiels begreifen.