So viel entspricht rechnerisch die Dividende, die Vonovia 2026 an seine Aktionäre ausgeschüttet hat, wenn man die gut 1,06 Milliarden Euro auf die rund 531.000 eigenen Wohnungen verteilt.

Jetzt betrachten wir einmal zwei Menschen in Friedrich Merz’ Deutschland.

Der eine wohnt in so einer Wohnung.

Er geht arbeiten.

Er zahlt Einkommensteuer.

Er zahlt Sozialabgaben.

Er zahlt seine Miete aus dem Geld, das danach noch übrig ist, und wenn dieses Geld irgendwann nicht mehr reicht, weil Miete, Energie und Lebenshaltung immer teurer werden, kann er vielleicht Wohngeld bekommen.

Wobei – auch da wird natürlich „reformiert“.

Die Bundesregierung will ab 2027 das Wohngeld absenken, die Heizkostenkomponente halbieren und nimmt ausdrücklich in Kauf, dass Menschen dadurch aus dem Wohngeldbezug fallen. Reformen eben. Wir müssen schließlich alle unseren Beitrag leisten.

Nun zum zweiten Menschen.

Der besitzt Vonovia-Aktien.

Der bekommt seinen Anteil an diesen gut 1,06 Milliarden Euro Dividende.

Nicht dafür, dass er eine einzige Wohnung gebaut hat.

Nicht dafür, dass er ein Dach repariert hat.

Nicht dafür, dass er morgens um sechs aufgestanden und zur Arbeit gefahren ist, sondern weil ihm Kapital gehört.

Und jetzt wird es richtig hübsch: Vonovia selbst erklärt zur Ausschüttung 2026, dass sie vollständig aus dem steuerlichen Einlagekonto erfolgt.

Bedeutet für inländische Aktionäre bei der Auszahlung: Keine Kapitalertragsteuer. Kein Soli. Die Dividende wird zunächst nicht besteuert.

Steuerlich werden dafür zwar die Anschaffungskosten der Aktien reduziert, sodass bei einem späteren Verkauf Steuern anfallen können, aber der Gegensatz könnte kaum schöner sein.

Auf der einen Seite der Mensch, der arbeitet, Steuern und Sozialabgaben zahlt, Miete überweist – und dem man im Zweifel beim Wohngeld erklärt, dass leider gespart werden muss.

Auf der anderen Seite der Eigentümer des Kapitals, dem das Geld zufließt.

Und wenn Friedrich Merz von den großen notwendigen „Reformen“ spricht, darf man inzwischen ziemlich zuverlässig fragen:

Wer genau soll eigentlich reformiert werden?

Der Mieter?

Der Arbeitnehmer?

Der Rentner?

Der Arbeitslose?

Der Wohngeldempfänger?

Denn merkwürdigerweise endet der große gesellschaftliche Reformdrang ziemlich häufig dort, wo das wirklich große Vermögen beginnt.

Vielleicht sollten wir aufhören, so etwas „Reform“ zu nennen. Eine Reform verteilt Belastungen und Chancen halbwegs vernünftig auf eine Gesellschaft.

Wenn man unten kürzt, während oben Milliarden ausgeschüttet werden, ist das keine Reform.

Das ist eine Frage der Verteilung.

Und genau über diese Frage möchte Friedrich Merz offenbar lieber nicht reden. Weniger anzeigen

2
Ich mag doch keine Fische vergeben
Meine Bewertung zurückziehen
Du hast None Fische vergeben
6 von 6 Fischen

bewertete diesen Eintrag

waltimmy

waltimmy bewertete diesen Eintrag 24.09.2026 20:25:11

Gott

Gott bewertete diesen Eintrag 24.09.2026 16:57:03

8 Kommentare

Mehr von Roadrunner