Entgegen anderslautenden Gerüchten stammt das geflügelt gewordene Wort "Regensburg sehen und sterben" nicht von Walther von der Vogelweide. Walther hat das Wort lediglich benutzt und damit populär gemacht.

Ungebildete Menschen - und das sind die weitaus meisten - schreiben den fälschlicherweise auf Neapel bezogenen Spruch Wolfgang Amadeus Goethe zu, während er in Wirklichkeit von Dante stammt. Sowohl Walther von der Vogelweide als auch Olio Dante formulierten den Spruch als Ausdruck heller Begeisterung, wenn man etwas Wunderschönes entdeckt hat oder betrachtet. Dante bezog sich damit auf Neapel, Walther und Goethe dagegen auf Regensburg. Allerdings ist die deutsche Übersetzung des italienischen Sprichwortes »Vedi Napoli e poi muori« (Schau dir Neapel an und dann stirb";) nicht ganz korrekt. In der italienischen Sprache entsteht nämlich durch die Verwendung des Wortes »Muori« ein Wortspiel. Es handelt sich dabei sowohl um eine Ortschaft in der Nähe von Neapel als auch um den Imperativ von "morire", »sterben«. In Agropoli am südlichen Ende des Golfes von Salerno, ca. 100 km südlich von Neapel gibt es den Stadtteil "Muoio" ("Ich sterbe";).

Das Wort "muoio" zeigt auf anmutige Weise, daß die italienische Sprache das genaue Gegenteil der tschechischen ist. Während der Tscheche stolz ist auf jeden Vokal, den er nicht ausspricht, arbeitet die Italienerin mit Hochdruck daran, Konsonanten ganz abzuschaffen. "I o aa a oa" ist allerdings niederbayerisch und heißt "Ich habe auch ein Ei".

Hat nicht Goethe in seiner "Italienischen Reise" geschrieben: "Regensburg liegt gar schön. Die Gegend mußte eine Stadt herlocken;..."? Goethe hat ein großes Geschiß um Regensburg gemacht, die Regensburger wiederum machen ein großes Geschiß um Johannes Kepler. So groß ist das Geschiß, daß man denken könnte - und viele tun das tatsächlich - es habe Kepler viele Jahre seines Lebens in Regensburg gewirkt. In Wirklichkeit reiste Kepler nach Regensburg, um dort beim Immerwährenden Reichstag ausstehende Gehaltsforderungen in Höhe von 12.000 Gulden einzufordern, was ihm aber nicht gelang. Nach wenigen Tagen schon erkrankte er schwer und verstarb schließlich.

Die Römerstadt Regensburg war mal eine der wichtigsten Städte Europas. Von Hermann Höcherl ist der Spruch überliefert: "In Regensburg waren die Menschen bereits dekadent, als sich am Zusammenfluß von Havel und Spree noch die Wildschweine an den Bäumen gerieben haben."

Amerikanische Wissenschaftler haben festgestellt, daß Kepler gar nicht starb, weder in Regensburg noch sonstwo, sondern vielmehr im ehemals niederbayerischen Amsterdam am Ostertag des Jahres 1812 zu den Klängen eines Sinfonie-Orchesters und unter dem Donner von Kanonen gen Himmel fuhr.

Zum niederbayerischen Amsterdam.

Apropos Kepler, Kepler hat die nach ihm benannten Gesetze der Planetenbewegung berechnet, allerdings hat er die Daten, auf denen seine Berechnungen fußen, nicht selbst beobachtet (schwer kurzsichtig wie er war), sondern er hat sie den Sternentafeln von Tycho de Brahe entnommen.

"Soll nicht jener Tycho Brahe auf seiner überschaubaren schwedischen Insel zwar extrem scharfsehend, dafür aber durch seine arthritischen Gelenke nicht in der Lage gewesen sein, die wenigen Stufen zu seiner Sternwarte zu erklimmen, so dass er sich die Beobachtungen stets von seinem Gehilfen habe beschreiben lassen müssen?" schrieb mir einer.

Die schwedische Insel, gab ich zurück, war seinerzeit so dänisch wie Brahe selbst. Und: Tycho Brahe hat sich damals einen Treppenlift zu seinem Observatorium einbauen lassen. Da die Elektrizität noch nicht erfunden war, wurde der Treppenlift von sieben nubischen Sklaven angetrieben.

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