Fast hätte ich es übersehen und gar nicht wahrgenommen, wäre ich durch einen zufällig gefundenen Blogeintrag von Ekaterina Quehl ("Hitzeaktionstag 2026: Gemeinsam sind wir kühl.": https://ekaterina-quehl.com/hitzeaktionstag-2026-gemeinsam-sind-wir-kuehl/) nicht darauf aufmerksam geworden. Ein wie üblich "breites Bündnis" hat sich in Kassen, Kommunen und verschiedenen Interessens- und Aktionsgruppen deutschlandweit in hunderten Veranstaltungen heute zusammengefunden, der Hitze die Stirn zu bieten.

Ich fasse es nicht! Gerade komme ich aus meinem Vorgarten und habe die ersten Johannisbeeren geerntet. Bei 12 Grad draußen trotz Unterhemd und langer Arbeitshose ein frostiges Unterfangen. Und da halten es "Gutmeinende" für angesagt, Phantomhitze zu berufen und allseits ihre Belehrungen über "das, was Sie (oder Du) tun können (kannst) unter das staunende Volk (sry: die unwissende Bevölkerung natürlich) zu bringen. Wie kleide ich mich richtig, was darf ich trinken und was muss ich essen, wie belastet bin ich, wie kann ich mit diesen Herausforderungen umgehen, was macht das mit mir, wo bekomme ich niederschwellige/inclusive Hilfsangebote? Welche Gefahren lauern im Freibad? Kann ich nicht - vielmehr muss ich nicht - meinen noch betagteren Nachbarn helfen?

Alles Fragen, die mich ständig und zutiefst bewegen, sollte das Thermometer mal kurzfristig die 20 Grad Marke reißen. Letztes Jahr um die Zeit hatte ich mich über den Hitzeschutzplan Sport des Bundesgesundheitsministeriums, des DOSB und anderer geäussert (https://www.fischundfleisch.com/frei/in-the-heat-of-the-fight-hitzeschutz-im-sport-89757#). Man ist bei der Linie geblieben und legt den nächsten Gang ein.

Ich gehöre ja zu den Leuten, die - zweifellos in Unkenntnis des Gesamtbildes - dazu neigen, mediales Katastrophendonnern mit dem in Eigenerfahrung gewonnenen Realitätsbild abzugleichen. Da sieht es dann etwas anders aus.

Und da zeigt sich in diesem Jahr, dass die sog. Bauernregeln nicht aus dem Nichts formuliert wurden. Anfang bis Mitte Mai gab es hier eine Phase sehr kühlen und regnerischen Wetters. Die Eisheiligen Mitte Mai brachten hier (südliches Rheinland) zwar keinen Frost mehr, aber mit 2 Grad morgendlicher Außentemperatur auch nicht gerade das, was man als "Wonnemonat" bezeichnen würde. Dazu war es einfach viel zu nass. Ende Mai gab es dann ein zwei Tage, da bei Sonne schon mal über 30 Grad erreicht wurden. Die Wetterkarten waren dunkelrot und ich frage mich, ob man im ÖR schon überlegt hat, welche Farbe nach dem super hotten Violett noch auf den 4K-Flachbildschirmen dargestellt werden könnte, um die Dramatik rein grafisch zu colorieren.

Jetzt gilt gerade die Regel von der "Schafskälte" Anfang Juni. Die hat ihren Namen davon, dass Bauern Anfang Juni die Schafe geschoren haben und die Schafe sozusagen nackt dastanden.Eigentlich kein großes Problem, weil die Schur ja auch das Ungeziefer entfernt. Wenn es aber gleichzeitig mit dem Kälteeinbruch regnet, dann laufen sie Gefahr, ernstlich zu erkranken.

Die nächste Bauernregel ist die Siebenschläferregel. Das Wetter am 27.6. bestimmt wie das Wetter über die nächsten sieben Wochen (Sommer) werden soll. Meteorologisch geht es darum, dass sich Ende Juni bis Anfang Juli entscheidet, ob, wie groß und wie weit nörd- oder südlich sich das Azorenhoch (dazu: https://de.wikipedia.org/wiki/Azorenhoch 1*) bildet. Wenn es sich gebildet hat, ist es für Wochen sehr stabil und steuert die Luftströmungen vom Atlantik über Europa. Ich hoffe auf schönes Wetter und einen herrlichen Sommer.

Ansonsten ist der Jahresverlauf hier bisher für Wärmefreunde - wie mich - eher unerfreulich. Es ist im wesentlichen zu kühl (sehe ich an meinem Gasverbrauch) und recht nass. Für die Bauern läßt das aktuell in der Hauptwachstumphase auf eine gute Erne schließen. Es ist reichlich Wasser im Boden und die Pflanzen geraten tagsüber nicht in Hitzestress.

Was den Alarmismus der o.g. genannten Leute betrifft. Das mag für ein völlig von der "Real reality" abgekoppeltes urbanes Blasenpublikum alles bedrohlich scheinen. Für Leute, die sich bei der Gartenarbeit fragen, ob es Mitte Juni angebracht ist, einen dicken Pullover anzuziehen um nicht zu frieren, ist das irrelevant.

Am Rand und NB: Im örtlichen Werbe- und Anzeigenblatt wurde darauf hingewiesen, dass ab 1.6. für drei Monate verfügt wurde, dass man kein Wasser mehr aus Oberflächengewässern entnehmen dürfe, wegen der "Trockenheit". Natürlich ist Zuwiderhandlung strafbewehrt. Man hofft da auf anzeigefreudige Denunzianten, weil eh keiner kontrolliert. Btw.: Meine Regenfässer und meine Zisterne sind gut gefüllt. Zum Gießen im Gewächshaus reichts heuer dreimal.

1* Einer der Artikel, die auf Wiki noch lesenswert sind. Ist eben nicht so einfach, echte wissenschaftliche Erkenntnisse umzuschreiben.

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trognon de pomme

trognon de pomme bewertete diesen Eintrag 11.06.2026 12:22:17

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