„Auf diese Schwestern kann Deutschland stolz sein“, titelte die Bild-Zeitung und feierte damit die Tatsache, dass drei junge Frauen, die 2015 aus Syrien nach Deutschland geflohen waren, das Abitur an einem Kölner Gymnasium bestanden. Dabei handelt es sich, wie man aus Gesprächen mit Lehrern erfahren kann, keineswegs um Einzelfälle, und man fragt sich, warum diese Frauen aus Syrien hervorgehoben werden müssen.

Vor allem irritiert die Aussage, „Deutschland“ könne stolz sein. Hat „Deutschland“ an ihren Klausuren mitgeschrieben? Saß „Deutschland“ in der mündlichen Prüfung und hat die richtigen Lösungen vorgesagt? Nein, alles was „Deutschland“ für die drei jungen Frauen getan hat, ist eine humane Selbstverständlichkeit, indem es ihnen Schutz geboten hat vor einem mörderischen Krieg. Die deutsche Sprache haben sie selbstständig gelernt, den gymnasialen Lernstoff ebenso. Und sie mussten nebenher gegen eine ganze Reihe von Vorurteilen kämpfen, gegen Behörden und ein kafkaeskes Ausländerrecht, gegen eine offen rassistische Partei und den ihr folgenden Mob in den asozialen Medien, ganz zu schweigen von einer Presse, die nichts Besseres zu tun hatte, als Ressentiments gegen Flüchtlinge zu schüren. Immer vorneweg: die Bild-Zeitung (z.B. https://bildblog.de/95827/bild-medien-lassen-fluechtlinge-durch-deutschkurse-fallen/, detaillierter ist die Untersuchung von Alexander Bulk https://www.edition-assemblage.de/buecher/bild-dir-deinen-hass/ ), welche diese 3 Abiturientinnen vielleicht nur deswegen hervorhebt, damit sie um so ungehemmter die Ressentiments der Leserschaft gegen andere Flüchtlinge schüren kann.

Ebenfalls in diesen Tagen zu Wort kommen lässt die Bild-Zeitung den Innen- und Heimatminister Seehofer, einen Mann, der sich schon einmal darüber freute, dass an seinem 69. Geburtstag 69 Afghanen in das unsicherste Land der Welt abgeschoben, einen Mann, der eine Satirikerin anzeigen, den Rassismus bei der Polizei aber nicht wissenschaftlich untersuchen lassen wollte: Dass die „Zahl der Rechtsextremisten auf Rekordhoch“ sei (exakt 32080 von ihnen zählte der Verfassungsschutz, was ungefähr der Mitgliederzahl der NSDAP im Frühjahr 1926 entspricht), nennt Seehofer „eine Schande für unser Land“, als sei das Ansehen Deutschlands das größte Opfer der Nazis und nicht die von ihnen Bedrohten, Verletzten und Getöteten. Um deren Sicherheit sollte sich der zuständige Minister sorgen.

Ein Anfang wäre, ermitteln zu lassen, wer, unter Verwendung von Daten aus Polizeicomputern (https://www.zeit.de/politik/deutschland/2020-07/nsu-2-0-hessen-innenminister-peter-beuth-rechtsextremismus-polizei ), als „NSU 2.0“ eine Anwältin und eine Politikerin bedroht.

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