Was geht mich Epstein an? Als Österreicher sehr viel!

Die Veröffentlichung von mehr als drei Millionen Dokumenten aus dem Umfeld des verurteilten Sexualstraftäters Jeffrey Epstein durch das US‑Justizministerium hat überraschend zahlreiche Spuren nach Österreich offengelegt. Kein anderes kleines europäisches Land taucht in den Akten so häufig auf – sowohl in Form von Personen als auch von Schauplätzen und finanziellen Verbindungen.

Epstein interessierte sich offenbar für eine Luxuswohnung in Wien; ob er tatsächlich eine Immobilie besaß, bleibt ungeklärt. Fest steht jedoch, dass er in eine von Wienern gegründete Onlinebank investierte. Zudem pflegte er enge Kontakte zu dem aus Niederösterreich stammenden Harvard‑Professor Martin Nowak, den er auf seine Privatinsel einlud und dessen Forschung er mit Millionenbeträgen unterstützte. Auch der in Wien ansässige Thinktank IPI erhielt Geld von Epstein – und laut Akten soll er dort Frauen Praktika vermittelt haben.

Besonders brisant ist ein Fund aus Vorarlberg: Eine E‑Mail aus dem Jahr 2012, verfasst im Montafon, beschreibt zwei 15‑jährige Schweizer Jungen als „süß“ und „sehr folgsam“. Die Identität der schreibenden Person ist geschwärzt. Die Vorarlberger Polizei bestätigte, dass sie diesen Hinweis prüft. Ob es sich um tatsächliche Übergriffe, Anbahnungen oder bloße Angeberei handelt, ist unklar – doch der Fund zeigt, dass Epstein‑Bezüge bis in abgelegene Regionen Österreichs reichen.

Rätselhaft bleibt auch ein Kurztrip Epsteins nach Wien im Jahr 2019, nur wenige Monate vor seiner Festnahme. Er reiste mit drei Frauen an, blieb nur wenige Stunden und meldete den Aufenthalt – entgegen seiner Verpflichtung als verurteilter Sexualstraftäter – nicht bei den US‑Behörden. Warum er diesen Besuch geheim hielt, ist bislang ungeklärt und wirft Fragen nach seinen Absichten in Österreich auf: Ging es um geschäftliche Kontakte, politische Vernetzung oder etwas anderes?

Weitere Akten zeigen, dass Epstein 2018 versuchte, ein Treffen zwischen dem damaligen österreichischen Bundeskanzler Sebastian Kurz und dem ehemaligen Trump‑Berater Stephen Bannon zu arrangieren. Kurz bestreitet, dass ein solches Treffen stattgefunden hat. Zudem wird ein E‑Mail‑Kontakt zwischen Epstein und der Wiener Medienmanagerin Eva Dichand erwähnt.

Insgesamt finden sich laut Recherchen „mehrere Hundert Dokumente“ mit Österreich‑Bezug. Die Vielzahl der Spuren legt nahe, dass Epstein in Österreich mehr als nur ein gelegentlicher Besucher war – doch welche Ziele er tatsächlich verfolgte, bleibt offen.

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