Der russische Anschlag auf die Stromleitung in Berlin erinnert mich an einen Vorgang vor zwei Jahren:
Im Herbst 2023 sorgte eine ungewöhnliche Sabotagewelle in Deutschland für Aufsehen: Unbekannte sprühten Bauschaum in die Auspuffanlagen von Autos, was zu erheblichen Motorschäden führte. Die Täter hinterließen dabei gezielt Hinweise, die auf die Grünen als Urheber deuten sollten. Schnell verdichteten sich die Hinweise, dass es sich um eine gezielte Desinformationskampagne russischer Akteure handelte.
Die Methode war perfide: Durch das Einsprühen von Bauschaum in die Auspuffe wurden die Motoren der betroffenen Fahrzeuge zerstört, was teure Reparaturen oder sogar den Totalschaden der Autos zur Folge hatte. Die Täter platzierten jedoch auch Flyer oder Graffiti mit grünen Parolen in der Nähe der Tatorte, um den Eindruck zu erwecken, es handele sich um eine Aktion von Klimaschützern oder Anhängern der Grünen. Ziel war es, die Partei und ihre Anhänger als radikale Umweltextremisten darzustellen und so die öffentliche Stimmung gegen sie aufzuheizen.
Sicherheitsbehörden und Investigativjournalisten deckten auf, dass die Spur zu russischen Trollfabriken führte. Diese hatten bereits in der Vergangenheit versucht, durch gezielte Falschinformationen politische Spannungen in westlichen Ländern zu schüren. Im Fall der Bauschaum-Attacken nutzten sie die ohnehin kontroverse Debatte um Klimapolitik, um Misstrauen und Wut gegen die Grünen zu schüren.
Die Taktik war nicht neu: Russland setzt seit Jahren auf hybride Kriegsführung, bei der Desinformation, Sabotage und psychologische Kriegsführung kombiniert werden. Der Fall zeigt, wie anfällig moderne Gesellschaften für solche Manipulationen sind – besonders, wenn sie an bestehende Konflikte anknüpfen. Die Grünen wurden hier gezielt als Sündenbock instrumentalisiert, um die politische Polarisierung in Deutschland weiter anzuheizen.
Letztlich scheiterte der Plan, weil die Beweise zu offensichtlich auf russische Akteure deuteten. Dennoch bleibt der Fall ein warnendes Beispiel dafür, wie leicht demokratische Diskurse durch gezielte Falschinformationen unterwandert werden können.
Die Ermittler konnten die Verbindung zu russischen Trollfabriken und Geheimdiensten durch mehrere konkrete Beweise herstellen:
1. **Aussagen der Tatverdächtigen**: Einer der festgenommenen Saboteure gab zu, von einem Russen angeworben worden zu sein. Die Anweisungen für die Sabotageaktionen seien über eine Handy-App und den Messengerdienst „Viber“ aus Russland gekommen. Pro beschädigtem Auto erhielten die Täter 100 Euro Honorar sowie ein Startkapital von mehreren Tausend Euro. Die Kommunikation mit dem Auftraggeber erfolgte auf Russisch, was auf eine direkte Steuerung aus Russland hindeutet.
2. **Beschlagnahmte Beweismittel**: Bei Wohnungsdurchsuchungen in Ulm, dem Alb-Donau-Kreis und im Landkreis Günzburg wurden mehrere Dosen Bauschaum, Handys und Laptops sichergestellt. Diese Geräte enthielten vermutlich weitere Hinweise auf die Kommunikation mit russischen Auftraggebern und die Organisation der Sabotageaktionen.
3. **Muster russischer Einflussoperationen**: Die Aktionen passten in ein bekanntes Muster russischer Geheimdienste, die in den letzten Jahren vermehrt „Low-Level-Agenten“ in Zielländern anheuern, um mit einfachen Mitteln politische Spannungen zu schüren. Ziel war es, die Schuld für die Sabotage Klimaaktivisten oder den Grünen zuzuschieben und so die öffentliche Meinung zu polarisieren.
4. **Politische Motivation und Timing**: Die Sabotageserie fiel in die Zeit des Bundestagswahlkampfs. Die Täter platzierten gezielt Aufkleber mit dem Konterfei von Robert Habeck (Grüne) und dem Slogan „Sei grüner!“ an den beschädigten Fahrzeugen. Dies deutet darauf hin, dass die Aktion gezielt die Stimmung gegen die Grünen beeinflussen sollte – ein klassisches Ziel russischer Desinformationskampagnen.
Die Ermittlungen zeigten, dass die Sabotageaktionen nicht von Klimaaktivisten, sondern von russischen Akteuren gesteuert wurden, um die politische Landschaft in Deutschland zu destabilisieren.