Jubiläum: 150 Jahre "Alice im Wunderland" ...

ALLE Blog-Bilder: © Robert Adler, alias "Andy McQueen" / Zeichnungen von mir mit Fineliner, gemacht zirka 2005 im Alter von ungefähr zwölf Jahren

(Mehr Illustrationen von mir könnt ihr hier und hier finden, bei Interesse ... Würde mich wirklich sehr freuen!)

Ein kurzer, kleiner Exzerpt:

Die große blaue Raupe und Alice sahen sich eine Zeit lang schweigend an; schließlich nahm die Raupe ihre lange, orientalische Wasserpfeife aus dem Mund und fragte mit müder, träger Stimme: „Wer bist Du?“

Das war nun wirklich kein sehr ermutigender Anfang für eine Unterhaltung. Alice antwortete etwas verlegen: „Ich… ich weiß auch nicht so recht, jedenfalls nicht jetzt im Moment … Heute morgen in der Früh wusste ich noch wer ich bin, aber ich denke seitdem habe ich mich schrecklich oft verändert.“ „Was meinst du damit?“, fragte die Raupe streng. „Erkläre mir das!“

„Ich glaube ich kann es ihnen nicht deutlicher erklären, Sir“, sagte Alice. „Denn ich bin gar nicht mehr ich selbst, verstehen Sie?“ „Ich verstehe es nicht“, sagte die Raupe. „Ich fürchte, ich kann es nicht klarer ausdrücken“, meinte Alice sehr höflich, „denn ich kann es selber nicht verstehen. Und an einem Tag so viele verschiedene Größen zu haben, ist sehr verwirrend.“

„Nicht die Bohne“, sprach das Raupentier. „Nun, Sie haben es vielleicht bis jetzt noch nicht erlebt, aber wenn sie sich einmal verpuppen werden in einen Kokon - und eines Tages werden Sie das ja müssen - und dann werden Sie zu einem Schmetterling, dann wird Ihnen das wohl auch ein ganz klein wenig seltsam vorkommen, nicht wahr?“. „Kein bisschen“, sagte die Raupe. „Nun, Ihre Gefühle mögen ja vielleicht anders sein“, meinte Alice, „ich weiß nur, wenn ich so etwas erleben müsste, wäre das sehr komisch für mich.“ „Dich!“ sprach die Raupe verächtlich. „Wer bist du?“ Und so waren sie wieder zum Anfang der Unterhaltung angelangt.

(aus Lewis Carolls „Alice’s Adventures in Wonderland“ [„Alices Abenteuer im Wunderland“]; aus dem Englischen übersetzt, illustriert und bearbeitet von Robert Adler/Andy McQueen)

Es begab sich alles ann einem heißen, faden Julinachmittag 1862: Der Oxforder Mathematikdozent Charles Lutwidge Dodgson erzählte bei einer Bootsfahrt auf der Themse den drei Töchtern seines Dekans von Christ Chruch aus dem Stehgreif von den Abenteuern der kleinen Alice, um die Gruppe gut zu unterhalten. Zwei Jahre darauf, an Weihnachten, schenkte er der zwölfjährigen Alice Pleasance Liddell das hangeschriebene und gezeichnete Manuskript "Alice's Adventures Underground" ("Alices Abenteuer unter der Erde";). In Wortspielen, Rätseln und vertrackter Logik weitergesponnen, wurde es ein Jahr später unter dem Pseudonym Lewis Carroll und dem Titel "Alice's Adventures in Wonderland" ("Alices Abenteuer im Wunderland";) mit Illustrationen von John Tenniel publiziert (1865) und galt schnell als ein Meisterstück der Nonsens-Literatur.

Carroll versetzte das Mädchen Alice später in eine Spiegelwelt, "Through the Looking-Glass, and What Alice Found There" ("Durch den Spiegel und was Alice dort fand", oft auch ins Deutsche übersetzt mit "Alice hinter den Spiegeln" oder "Alice im Spiegelland";), Erstveröffentlichung 1871. Er autorisierte 1886 auch eine Bühnenbearbeitung seines Werks und verfasste später noch eine vereinfachte Version der Geschichte für Kleinkinder ("Nursery Alice", 1890).

Grandiose Video-Collage von Youtube-User "Looking Glass":

Über hundert mal wurde der fantasievolle, surreale Stoff dramaturgisch und musikalisch bearbeitet. Es ist geradezu fasziniert, wie "Alice" fester Bestandteil der Hoch- sowie Popkultur wurde; immer und immer wieder auf's Neue wird die Story umgesetzt und neu interpretiert, in Kunst, Musik, Literatur, Film, Theater, Werbung, Video-Games, Mode und Co. - ja selbst Wissenschaft (siehe hier zum Beispiel) und Psychologie; es gibt sogar ein Syndrom, welches nach den Kinderbüchern benannt ist. 2016 wird eine Neuverfilmung, die vom zweiten Roman inspiriert ist, in die Kinos kommen. Bald wird der Kinderbuch-Klassiker und Weltliteratur-Erbe auch sein 150-jähriges Jubiläum feiern.

Die beiden "Alice"-Bücher sind mittlerweile "Public Domain", also frei von Urheberrechten und auch in der Liste der "1000 Bücher, die man unbedingt gelesen haben muss" vertreten.

Was mich schon als Kind an diesem "absurden Märchen" fasziniert hat, waren neben den herrlichen Sprachkreationen, der schlicht überbordenden Fantasie und dem doppelbödigen und satirischen Humor auch die Tatsache, wie dermaßen und unglaublich unterschiedlich man im Prinzip die ein- und dieselbe verrückte Handlung interpretieren und darstellen kann. Unzählige Künstler haben die Romane bereits illustriert - und immer wirken die Geschichten dadurch völlig neu und anders. (Buch-Empfehlung dazu: "Alles über Alice" von Martin Gardner)

Die unterschiedliche, grenzenlose Vorstellungskraft, die davon ausgeht, ist wirklich beeindruckend.

Auch die Verfilmungen könnten unterschiedlicher nicht sein ...

Man kann damit rechnen, dass der Klassiker auch zukünftige Generationen beeinflussen wird.

"Ich habe manchmal noch vor dem Frühstück an bis zu sechs unmögliche Dinge geglaubt", sagt die Weiße Schachkönigin im zweiten Buch. Das sollte für uns alle eine gute Übung sein. Auch, um unserer Imagination einfach mal freien Lauf zu lassen - denn das kann, in der Tat, Wunder bewirken.

Und jeder hat eben sein eigenes Wunderland.

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Bernhard Juranek

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