Der Killer war nicht die Story, der Killer war das Medium. Es ging nicht, wie man zunächst dachte, um eine weitere Sumpfblüte im sexuellen Machtdiskurs. Es gibt weder ein Schuldeingeständnis, noch triftige Beweise. Es gibt Informationen, die Fakenews sein könnten. Die Intrige in Zeiten, in denen auch bald in Wien die nächsten Wahlen anstehen, ist wahrscheinlicher als eine Story, die quasi jedermann innerhalb weniger Minuten hätte konstruieren können. Den Vorwurf (!!!) der sexuellen Belästigung hält selbst der beste Politiker nicht aus. Das geht unter die Gürtellinie. Peter Pilz wird unter diesem Label nun in einen Topf mit Personen wie Harvey Weinstein geworfen. Welch himmelschreiende Ungerechtigkeit! Der politische Korrektheitsdiskurs produziert allenthalben verunsicherte Menschen. Es werden nicht nur tatsächliche Verfehlungen an die Oberfläche gespült, sondern der Fantasie sind keine Grenzen mehr gesetzt. Lug und Trug bestimmen die öffentliche Debatte.

Die Medien haben Peter Pilz erledigt. An erster Stelle ein intelligentes, linkes Medium. Er wurde Opfer der Eitelkeit des Aufdeckungsjournalismus, der schnellen Effekthascherei, wie man sie eigentlich nur vom Boulevard kennt. Auch hier geht es um Macht: Um die Macht der Strukturierung der öffentlichen Debatte. Um jeden Preis. Quod erat demonstrandum? Die Geschichte des Journalismus hat in diesem Land einen seiner schwärzesten, traurigsten und sarkastischsten Tiefpunkte erreicht. Es ist der Zynismus der Medienmaschine, dass der mediengewandte und medienerfahrene Politiker gerade mit deren Mitteln zu Fall gebracht wurde. Das linke Projekt scheitert unter anderem auch deswegen, weil sich die Linken gegenseitig zerfleischen, persönliche Anerkennung und Macht stehen vor der Mission.

Es galt in diesem Fall leider die Devise: schneller Informationstransfer mit übler politischer Absicht vor fundierter Recherche. Die Geschwindigkeit, in der heute Informationen fließen, verzerrt häufig die Realität. Schein und Sein liegen in einer digitalisierten und von der Beschleunigung geprägten Gesellschaft näher zusammen denn je. Informationen sind, wie man sieht, zu Waffen geworden, die über die sozialen Netzwerke in rasender Schnelligkeit feuern. Die Gegenrecherche in der Causa Pilz war mehr als mangelhaft. Voreilig Nachrichten zu veröffentlichen hat in diesem Fall Konsequenzen für das Land, für die der Journalist natürlich keine Verantwortung übernimmt. Für sein Handwerk muss er es und dass sich dieses unter den Bedingungen der sozialen Netzwerke drastisch verändert hat, liegt auf der Hand. An solchen Fällen sieht man, dass die Sensibilität hinsichtlich Fakenews und auch Dirty Campaining massiv unterentwickelt ist. Medien haben Verantwortung, der Falter und Florian Klenk haben sie mit verheerenden Folgen nicht wahrgenommen. Dies ist unendlich tragisch für ein Land, das nun seinen wichtigsten Oppositionspolitiker verloren hat. Dem rechtspopulistischen Projekt von türkis-blau stehen so gut wie keine Barrieren mehr entgegen.

Machtmissbrauch wiegt schwer. Macht braucht Kontrolle. Angeblich wurde Florian Klenk am Freitag Abend beim Essen mit Christoph Chorherr gesehen. Es wäre bestimmt ein Leichtes für diesen Sachverhalt weitere Zeugen zu finden.

Wien, 5.11.2017, Angela Stief

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