Geopolitik als Endlosschleife: Tragikomödie ohne Pointe

Es ist schon erstaunlich, wie die Geschichte manchmal wirkt wie ein groteskes Theaterstück, in dem alle Beteiligten ihre Rollen vergessen haben, aber trotzdem weiterspielen, weil der Vorhang nun mal oben ist. Der Krieg zwischen Irak und Iran – ein jahrelanges Blutbad ohne Sieger, ohne Erkenntnis, ohne irgendetwas, das man im Rückblick als „Ergebnis“ bezeichnen könnte. Ein gigantisches Nullsummenspiel, nur dass die Menschen, die darin starben, nicht wieder aufstehen konnten, wenn die Szene vorbei war.

Damals hatte Washington noch einen Präsidenten, der zumindest wusste, wann man aufhören sollte. Kuwait vom Irak befreit, Mission erfüllt, Abgang. Aber den entscheidenden Schlag gegen Teheran oder Saddams Bagdad? Nein, das überließ man lieber der Zukunft – und die Zukunft lieferte dann einen Präsidenten, ironischerweise der Sohn vom Vater, der mit einer Mischung aus Selbstüberschätzung und geopolitischer Naivität genau das tat, was in Teheran vermutlich als vorgezogenes Neujahrsgeschenk gefeiert wurde. Der schlimmste Feind des Iran? Saddam! Weg! Und das nicht durch eigene Mühe, sondern durch eine Supermacht, die sich selbst überschätzte.

Und jetzt, Jahre später, stehen wir vor dem nächsten Akt dieser absurden Tragikomödie: Ein geopolitischer Vorteil, der Iran in eine Position katapultiert, die an alte Handelszölle erinnert – wie einst der Sundzoll, als Dänemark noch entschied, wer durch den Öresund durfte und wer dafür zahlen musste. Heute liegt der Ball für Teheran so perfekt auf dem Punkt, dass man fast Mitleid mit dem Torwart bekommt, der längst beschlossen hat, dass er keine Lust mehr hat, überhaupt im Tor zu stehen.

Als nun ein weiterer Konflikt begann, wurde lautstark gefordert, man müsse „auf der richtigen Seite der Geschichte“ stehen. Zweifel gelten als Störung des patriotischen Bühnenbilds. Viele Menschen im Iran hofften erneut – und wurden erneut enttäuscht. Ein Kreislauf, der so zuverlässig ist wie die Schwerkraft.

Und während all das geschieht, diskutieren wir an Tankstellen über ein paar Cent pro Liter, als hinge die Zivilisation daran. Menschen fordern billigeren Sprit und stärken gleichzeitig jene politischen Kräfte, die genau jene Entscheidungen bewundern, die uns in diese Lage geführt haben. Es ist fast schon poetisch, wie wir uns selbst in die Sackgasse manövrieren und dann empört feststellen, dass dort kein Ausgang ist.

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