Wenn selbst die Industrie erklärt, dass Reiches Politik schädlich ist

Wenn RWE-Chef Markus Krebber die Pläne seiner eigenen Wirtschaftsministerin „absurd" nennt, ist etwas aus dem Ruder gelaufen. Das manager magazin hat in seiner aktuellen Titelgeschichte zusammengetragen, was Katherina Reiche (CDU) gerade anrichtet - und das Bild, das dabei entsteht, ist verheerend.

Vattenfall-Deutschlandchef Robert Zurawski plant seit Jahren ein Pumpspeicherkraftwerk im Thüringer Schiefergebirge, mittlerer bis höherer dreistelliger Millionenbetrag. Reiche stellt die Netzentgelt-Befreiung für Speicher infrage, möglicherweise rückwirkend. Zurawskis Einschätzung: „Wenn wir die Anlage in Thüringen komplett mit Netzentgelten belasten, ist sie tot."

Torsten Levsen, Chef des Windprojektierers Denker & Wulf mit 300 Beschäftigten, sagt: „Bei 80 Prozent der Projekte, die wir nach 2028 planen, haben wir aktuell keine Aussicht auf Netzanschluss - obwohl es eine gesetzliche Pflicht gibt."

Wenn Netzbetreiber jetzt auch noch nach eigenen Kriterien priorisieren dürfen, wen sie anschließen, könne das „das Waterloo der Energiewende" werden.

Selbst Amprion-Chef Christoph Müller will diese neue Macht gar nicht: Er sieht sich schlicht nicht legitimiert zu entscheiden, ob eine Fabrik oder ein Batteriespeicher zuerst ans Netz kommt.

Und RWE-Generation-Chef Nikolaus Valerius bringt es auf den Punkt: „Kaum haben wir etwas auf den Weg gebracht, drehen wir es wieder zurück."

Das ist keine Energiewende-Kritik mehr. Das ist die Industrie, die um Planbarkeit bettelt - bei einer Ministerin, die ihr frühere Arbeitgeberin Eon den Weg ebnet und EnBW um Argumente für Gaskraftwerke bittet.

Der Schaden entsteht nicht durch die Kosten der Transformation. Er entsteht durch Pokern mit ihrer Richtung.

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