Brisante Zusammenhänge, Teil 2: Teufel und Moderne

Am Teufel führt kein Weg vorbei. Zumindest nicht für Studenten der neueren Geschichte. Denn bemerkenswert oft beziehen sich die treibenden Köpfe der Moderne auf den biblischen Antagonisten. Nicht nur, dass sie sein Verhalten billigen, sie übernehmen auch seine Philosophie und drängen auf deren Verwirklichung.

Ob nun Karl Marx davon schwärmt, seine zersetzenden Kräfte vom Teufel erhalten zu haben, oder Charles Darwin über den wunderbar teuflischen Mechanismus der Evolution sinniert oder der Bürgerrechtler Saul Alinsky Taktiken für Kulturrevolutionäre entwickelt und dabei dem Teufel Respekt erweist: Progressive Weichensteller scheinen darauf erpicht, einen Bezug zu dem Finsterling herzustellen. Und immer gewinnen sie der faustischen Verknüpfung etwas Positives ab. Beispiele sind Legion.

Mehr als ein Symbol

Natürlich glaubt keiner dieser Ideengeber an einen echten Teufel. Er wird nur in einem mythologischen, psychologischen oder symbolischen Sinn herangezogen. Also völlig irrelevant? Keineswegs. Durch die permanente Fixierung sowie das analoge Denken und Handeln verschwimmt die Trennlinie zwischen Symbolik und Realität. Anders ausgedrückt: Was vor Jahrtausenden in einem nahöstlichen Religionstext begann, wurde in der Neuzeit in eine gelebte Wirklichkeit transformiert. Und wir stecken mittendrin.

So gesehen ist der Teufel der ideologische Übervater der Moderne. Er steht für eine neue Welt und damit auch für die Erosion der alten Ordnung, den Niedergang des Christentums, den Wertewandel, die zerrissene Gegenwartsgesellschaft. Als die Kirchen auf den modernen Zug aufsprangen, saßen sie buchstäblich dem Erzfeind auf. Vielleicht deshalb ihre Intoleranz gegenüber den "Verteidigern des christlichen Abendlandes"?

Systematische Täuschung

Die gedankliche Verknüpfung ist völlig transparent, dennoch wird sie selten durchschaut oder hinterfragt. Der Grund dafür geht – ironischerweise – bis ins Zeitalter der Aufklärung zurück. Damals gingen Schlüsseldenker dazu über, den Glauben an den biblischen Bösewicht zu unterminieren und ihn somit in die Bedeutungslosigkeit zu verdammen. Für die Aufklärer war das eine Sache des Überlebens, immerhin lockten sie mit denselben Versprechen.

Die trügerische Distanzierung hat Schule gemacht. Kaum jemand horcht noch auf, wenn Richtigstellendes geboten wird. Zum Beispiel als der Philosoph Albert Camus auf die neuzeitliche Revolte gegen das Christentum einging und davor warnte, sie als ein atheistisches Ereignis misszuverstehen: sie sei ein "satanischer" Aufstand gewesen.

Kirchen sitzen auf einem Pulverfass

Ob echt oder figurativ: solange der Teufel Chefideologe der Moderne ist, sitzen die Kirchen auf einem Pulverfass mit multiplen Lunten. Nicht nur, dass sie ihre Schöpfungslehre gegen ein heidnisch-religiöses Konkurrenzmodell austauschten. Sie folgen auch noch dem traditionellen Gegenspieler. Mit allerbesten Absichten. Ihr gutmenschliches Verlangen macht sie zu Helfershelfern eines Rätselwesens, das ihren ureigenen Interessen zuwiderhandelt.

Was, wenn das durchsickert? Würde es die letzten Kirchgänger vergraulen? Oder sie zum Großreinemachen anstacheln? Das hätte sicherlich Auswirkungen auf aktuelle Geschehnisse. Aber nur, wenn genügend Betroffene Staub aufwirbeln.

[Beitrag zuerst veröffentlicht unter dem Titel "Der Weltverbesserer – ein Erfüllungsgehilfe des Teufels?"]

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Margaretha G

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Leela Bird

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