Und Gott, der aus dem In-Sich-ruhen in der Ewigkeit als Wort aus sich herausgetreten war um Schöpfung zu sein, der das Wort selbst Fleisch werden ließ, nahm es auf sich, selbst Wort seiend, in die Wortlosigkeit verstoßen zu werden. „Ans Kreuz mit Ihm!“, riefen sie, „Wir wollen Ihn nicht mehr unter uns dulden. Das soll eine Lehre sein, all denjenigen, die meinen, sie könnten uns als erst großartige Versprechungen machen, und dann tun sie nichts. Wir haben Ihm geglaubt, Ihm vertraut, aber Er hat uns verraten. Aus unseren Augen mit Ihm und dem Tod überantworten. Der wird schon wissen wie Er mit ihm zu verfahren hat.“ „Aber nein, so ein normaler, einfacher, schneller Tod, das ist nicht Sühne genug für diesen!“, riefen die Anderen, „Er soll Ihn erleiden, diesen Tod, soll leiden wie Er uns leiden ließ mit seinen unsäglichen Versprechungen, die Er nicht einhielt.

Er soll qualvoll sterben, den Tod wie einen Erlöser herbeisehen!“ Und so geschah es. Durchbohrt an Händen und Füßen, durchbohrt seine Seite und die Wunde mit Essig gereinigt, mit Dornen gekrönt, hielt Er stand, noch im Sterben jenen verzeihend, die Ihm Seine vermeintliche Irreführung nicht verzeihen konnten, die nur das Sühneopfer kannten. Gottes Knecht. Immanuel. Messias. Erlöser. Was musstest Du leiden und hieltest still? Was ließest Du nicht alles über Dich ergehen, nicht um Deinetwillen, sondern um willen derer, die das Wort nicht verstehen, nicht angenommen hatten? Doch nicht das Sterben, nicht das langsame Dahinsiechen, nicht Spott und Hohn waren die eigentlichen Qualen, die Er zu leiden hatte, der der Gott selbst war, das Wort des Lebens, das Wort der Liebe. Denn das Wort stirbt nicht den leiblichen Tod allein, sondern den Tod der Dia.log-Losigkeit.

Fleisch fällt ab und das Wort wird negiert, wird verbannt aus dem Fluss der Worte, den es selbst bildete. In Seinem Tod, der Ihn verbannte aus der ewigen Zugewandtheit dessen, der das Wort schuf und das Wort war, verloren in der finstersten, einsamsten Blick-losigkeit, verloren noch der Verlorenheit, einsam ohne Anrede, noch einsamer als alle Einsamkeit, verloren selbst der Einsamkeit, verloren selbst der düstersten Qual, verloren selbst der Qual . Entmächtigt des Seins, verstoßen aus dem allumfassenden Sein in das absolute Nichts. Weit über unsere Vorstellung hinausgehend, weil es nichts mehr gibt was vorzustellen wäre, jenseits des Seins und des Worte und des Nichts und der Sprachlosigkeit. Verloren in seiner absoluten Negation, als Negation der Negation, doch noch immer zu viel dialektisches Aufgeladen-sein. Nichts. Und selbst das Wort Nichts ist noch zu viel, zu kräftig für das Nichts, das das Nichts ist, das nicht mehr sprechbar ist. Dorthin, in das Nichts jenseits des Nichts, außerhalb allen Begreifens, weil es zu schmerzhaft, zu vernichtend ist für unseren Verstand, als dass wir auch nur eine Ahnung davon verkraften würden ohne dem Wahn anheimzufallen, dorthin war es gestorben, das Wort, das inkarnierte Wort. Und die Dunkelheit legte sich über das Sein.

Der Schmerz der Schöpfung ließ alles in Finsternis fallen. Gott ist tot – wir haben ihn gemordet. Der Logos ist tot – wir haben ihn verstoßen in den Tod des Todes. Und die Schöpfung weinte, und mit ihr all jene, die sich berühren ließen durch die Berührung selbst, die sich ansprechen ließen, durch das Wort selbst, und die mit Ihm hinabstiegen in die Absolutheit. Und das Wort war verloren. Es gibt keine Schuld mehr und keinen Tod mehr und keine Einsamkeit mehr und keine Verlorenheit mehr und keine Qual mehr, denn Er hat sie auf sich vereint. Niemals geschah Erlösung, weil Erlösung nicht möglich ist, nicht von außen. Niemals geschah was Rettung genannt werden könnte. Und die Blindheit und die Taubheit und die Verschlossenheit blieben. Und die Verstoßenheit in das nicht mehr nennbare Nichts kann nicht mehr aufgehoben werden.

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Silvia Jelincic

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