Der – versuchen wir‘s neutral zu benennen – Aktivist „Tommy Robinson“ hat nun auch Eingang in den Kosmos der – versuchen wir‘s neutral zu benennen – islamkritischen Zeitschrift „Bahamas“ gefunden. Dass „Robinson“ kräftig daran arbeitet, zur Ikone der europäischen wie amerikanischen Rechten (vor allem Elon Musk fördert ihn) zu werden, stört das sich immer noch als „antideutsch“ bezeichnende Blatt wenig, schließlich hat „Robinson“ am 13.9.25 einen gewaltigen Marsch für die „Meinungsfreiheit“ zustande gebracht, bei dem eine Teilnehmerin aus Südwales im Interview mit der BBC über die steigenden Preise einerseits und in Hotels wohnende Flüchtlinge andererseits sich beschwerte. An letzterem, so der Autor, habe sich „2025 der öffentliche Protest gegen unkontrollierte Einwanderung in allen Landesteilen entzündet“, was eine recht milde Umschreibung ist für die bedrohlichen Aufmärsche, die Faschisten vor Flüchtlingsunterkünften veranstalteten.

Dass „Robinson“ gegen die Einwanderung von Muslimen agitiert, ist für „Bahamas“ kein Problem, natürlich nicht. Schwieriger wird es schon, wenn die „jungle World“ sich mit seinem vermeintlichen Engagement für Israel befasst und nachweist, dass dabei trotzdem antisemitische Topoi bedient werden. In der Tat wirft „Robinson“ „jüdischen Eliten, die die Medien, Hollywood und die Finanzwelt dominieren“, vor, „Verräter ihres Volkes“ zu sein, also den Antisemitismus zu befördern, weil sie halt so unglaublich mächtig sind. Auch „Robinsons“ Kritik an der jüdischen Philosophin Barbara Spectre, die den Juden empfahl, eine prägende Rolle bei der – überlebenswichtigen – Transformation Europas in einen multikulturellen Kontinent zu spielen, sei nicht antisemitisch, berufe er, „Robinson“, sich doch auf Juden, die er kenne und die alles ganz anders sähen als Spectre. Denn, so soll man wohl vermuten, eine Verschwörungstheorie, die um einflussreiche Juden kreist, muss noch lange nicht antisemitisch sein, nur weil sie um einflussreiche Juden kreist. Und selbstverständlich darf in diesem Zusammenhang auch nicht der Hinweis auf eine „finanzielle Unterstützung von antisemitischen, offene Grenzen und Multikulturalismus fördernde NGOs durch Soros‘ Open Society Foundation“ fehlen, denn im Weltbild des „Bahamas“-Autors ist der „Multikulturalismus“ nicht der Normalzustand westlicher Gesellschaften (inkl. Israels), sondern ein gleichsam unnatürlicher Zustand, den man durch gesicherte Grenzen vermeiden muss. Dass niemand von außen einwandern darf, ist ein Kennzeichen völkischer Kollektive.

Wer aber vom Volk als Kategorie schweigen muss, weil er immer noch als irgendwie links gelten will, schiebt die Klasse vor und nennt „Robinsons jüdische Kritiker (…) linksliberal und einer Klasse zugehörig“, die sich „der Herrschaft andienen“ wolle, um „ihren relativ hohen Bildungsgrad zur Ideologieproduktion“ zu „missbrauchen“, „ den Multikulturalismus“ zu befördern und „die Gefahr, die von einem signifikant wachsenden muslimischen Bevölkerungsanteil“ ausgehe, „systematisch klein“ zu reden. Diese jüdischen Intellektuellen, „abhängig von Fördermitteln“, setzen „auf Identitätspolitik und (…) auf Klassenkampf (…) nur (…) von oben“ und zwar gegen „den Protest von als einfach geltenden Leuten gegen die Islamisierung“. Das Einverständnis mit den „einfachen Leuten“, die, wenn sie nicht muslimisch sind, in ihren Erklärungsmustern („die wohnen in Hotels, während meine Miete steigt“ ) über den Kapitalismus schweigen, um um so lauter über die zu reden, die ebenfalls seine Opfer sind, führt zum Einverständnis mit rechten Agitatoren wie „Robinson“, die den Mob in Wallung und ein völkisches Kollektiv auf die Straße bringen, das nicht in Klassen denkt, sondern in Identitäten.

Den Konsens dieses Kollektivs stören die wohlhabenden jüdischen Intellektuellen, die das einfache Volk mit dem Multikulturalismus überfordern (wenn sie nicht, wie im Falle Soros, diesen fördern, um das westlichen Gesellschaften – angeblich – zu zersetzen). Wer aber eine Gesellschaft in Ethnien unterteilt, ist an Klassen nicht interessiert. Juden sind in diesem Weltbild selbstverständlich nicht britische Staatsbürger, sondern stehen außerhalb des völkischen Kollektivs und werden als Fremdstämmige in Unterstützer oder Gegner unterteilt. „Robinson“ ist, wenig überraschend, kein „Sohn seiner Klasse“, sondern das Produkt eines rassistischen Kollektivs.

Auch hier: https://angenehmwiderwaertigzugleich.home.blog/2026/06/03/tommy-r-auf-den-bahamas-kein-sohn-seiner-klasse/

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