Schlag nach bei Bismarck ...

oder: warum die Linken Bismarck hassen.

Visualisierung: Pommes Leibowitz

Keine Angst, das wird keine Geschichtslektüre oder Biographie, da vermag sich jeder bei Interesse selber zu informieren. Es geht vielmehr um die bewusste Parallele zum Lied "Schlag nach bei Shakespeare", konkret: um Zitate, die vielleicht nicht Frauenherzen höher schlagen lassen, aber doch ganz erstaunliche Erkenntnisse und Prognosen bis in unsere heutige Zeit aufzeigen.

"Die einzig gesunde Grundlage eines großen Staates, und dadurch unterscheidet er sich wesentlich von einem kleinen Staate, ist der staatliche Egoismus und nicht die Romantik."

Otto von Bismarck

Egoismus ist in einer woken Welt ein böses Wort, in der Evolution aber die Basis des Überlebens, und auch die Zivilisationen unterliegen den Anforderungen der Effizienz und Überlebensfähigkeit. Was Bismarck meint, ist eher nicht räuberische Rücksichtslosigkeit, sondern die schlichte Erkenntnis,

1. dass das eigene Überleben, der eigene Wohlstand die Basis ist, um auch für andere da sein zu können. Ganz im christlichen Sinne: Liebe deinen Nächsten wie dich SELBST!

2. dass Politiker halt nur die Geschäftsführer eines Staates sind und zuallererst dessen Interessen zu dienen haben, da sie ja ausschließlich fremdes (Volks-)Eigentum verwalten. Alles, was sie nach Gutdünken verschenken, haben sie zuvor dem eigenen Volk gestohlen.

"Ich habe das Wort "Europa" immer im Munde derjenigen Politiker gefunden, die von anderen Mächten etwas verlangten, was sie im eigenen Namen nicht zu fordern wagten."

Das lässt sich nahezu 1:1 auf die EU übertragen. Im Prinzip folgt die EU sozialistischen Kriterien. Alle haften für Unfähigkeit und Missmanagement des Einzelnen, und wer am Tüchtigsten ist, wird am meisten zur Kasse gebeten. Ein Prinzip, das funktionierte, solange man sich an die selbst gesetzten Regeln hielt, das aber zwangsläufig implodiert, wenn man immer mehr Staaten aufnimmt, die die Kriterien der EU-Mitgliedschaft nicht einmal ansatzweise erfüllen. Den Vogel abgeschossen hat man mit der Ukraine, einem korrupten Regime mit erschreckend nationalistischen Ambitionen, das weder in die EU noch in die Nato gehört und der endgültige Untergang der EU sein wird.

Zeitlose bismarcksche Vernunft projiziert auf den Ukrainekrieg

"Der Vermittlung des Friedens denke ich mir nicht so, dass wir nun bei divergierenden Ansichten den Schiedsrichter spielen (…), sondern ich denke mir sie bescheidener, (…) mehr die eines ehrlichen Maklers, der das Geschäft wirklich zustande bringen will."

Dass sich EU und Nato zu einer Art Weltpolizei und Weltenrichter aufspielen, der einzig und allein im Besitz von Wahrheit und Moral ist, lässt gerade die Muster des Imperialismus und Kolonialismus (am EU-Wesen soll die Welt genesen) erkennen, die Linke gerne Bismarck vorwerfen. Sie teilen also - entgegen ihrem unreflektierten Selbstbild - seinen Autoritarismus, nur leider ohne seinen Verstand.

Wer Frieden will, muss zu ergebnisoffenen Verhandlungen mit beiderseitigem Entgegenkommen bereit sein. Oder, und das ist in meinen Augen ein Kriegsverbrechen, die eigene Rechthaberei und Egozentrik auf dem Rücken und im Blut der zwangsrekrutierten Soldaten austragen, noch dazu in einem sinnlosen Krieg, der nur immer weitere Zerstörung und immer mehr Tote bringen kann. Was gerade geschieht.

Weder mit Kanzler Bismarck noch mit einem Kanzler Helmut Schmidt wäre es jemals zum derzeitigen Irrsinn gekommen.

„Lieber 100 Stunden umsonst verhandeln, als eine Minute schießen“

Helmut Schmidt

Bismarck beschrieb die heutige Zeit geradezu prophetisch

"In andern Ländern stützen die Parteien in vielen wesentlichen Dingen die Regierung zum Nutzen des Landes, bei uns stopft jede Partei ihre eigene Matratze und will die Regierung mit hineinstopfen; was soll dieses nun mit sieben oder acht Parteien anfangen?"

Könnte man die derzeitige Situation treffender beschreiben? Wobei natürlich fraglich ist, ob es in anderen Ländern immer besser ist.

Das folgende Zitat wird Bismarck zugeschrieben, ist aber weder seine Wortwahl noch in Quellen nachweisbar. Es fasst allerdings sehr gut seine Einstellung zur Bildung zusammen, weshalb ich es hier vorwegnehme:

Die Gefahr für den Staat sind die Halbintelligenten, die nichts taugen, aber genug wissen, um Schaden anzurichten. (nicht verifiziert!)

Tatsächlich verbürgt ist folgende Formulierung:

Das Überangebot an höheren Schulen schafft ein Heer von Anwärtern, die nicht unterzubringen sind, und erzeugt damit zu viele halbgebildete Leute, welche mangels Aufstiegschancen unzufrieden und eine Gefahr für die Staatsordnung werden.

oder konkret wörtlich:

„Wir erziehen ein Kontingent von unbefriedigten Kräften, die das, wozu sie erzogen sind, nicht erreichen können, und die zu etwas anderem nicht taugen.“

Wovor bereits Bismarck in weiser Voraussicht warnte: Ein Bildungssystem, in dem nicht, wie seinerzeit nur wenige Prozent eines Jahrgangs studieren, sondern 50 Prozent. Da die Menschen nicht intelligenter werden (die IQ-Pyramide ist ein ehernes Gesetz), im Gegenteil, der Durchschnitts-IQ in westlichen Staaten im freien Fall zu sein scheint, führt das geradezu zu einer Inflation von Akademikern, Wissenschaftlern, "Experten", die nicht annähernd ihren Aufgaben gewachsen sind, vielfach schon alleine aufgrund der Fachwahl entweder arbeitslos sind oder alternativ in die Politik gehen.

Allem voran stehen da die Geisteswissenschaften, die eine Spezialisierung und Vielfalt erreicht haben, die ihrem Grundgedanken, dem "Geist", dem Intellekt als übergeordnete Instanz über dem Fachwissen, widerspricht, während gleichzeitig das Wissen darum, dass geisteswissenschaftliche Erkenntnis nicht verifizierbar ist, sondern zeitgeistabhängig, teilweise sogar sektenartigen Charakter entwickelt, völlig verloren ging.

Aussprüche wie "das sagt die Wissenschaft", oder generell das Geschwätz von einem "wissenschaftlichen Konsens" dokumentieren diesen völligen Verlust geistiger Kultur und wissenschaftlichen Denkens.

Zum Abschluss eine Allerweltsweisheit von Bismarck:

"Mit schlechten Gesetzen und guten Beamten (Richtern) läßt sich immer noch regieren, bei schlechten Beamten aber helfen uns die besten Gesetze nichts."

Auch das erleben wir gerade am eigenen Leib ...

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