Und Gott blickte voll Zorn auf Deutschland, denn er sah ein verkommenes Land. Das Volk war vom rechten Glauben abgefallen und betete das goldene Kalb des Mammons an. Familien waren zerfallen und die Hälfte aller Ehen aufgelöst. Die Menschen wählten die Verdorbensten zu ihren Führern und glaubten deren Lügen, dass das Paradies auf Erden bald komme.

Neid und Gier regierten das Land. Die Menschen vereinzelten und sorgten sich nicht mehr um ihren Nächsten. In Fernsehshows wurde die Schwachen regelrecht vorgeführt und das Volk amüsierte sich auf deren Kosten. Man rief ihnen zu, dass sie selber schuld seien an ihrem Elend, denn sie hätten dem Mammon nicht genug gehuldigt.

Gott sah, dass die Deutschen in ihrer Verwahrlosung angefangen hatten, ihre Kultur zu hassen. Sie verspotteten ihre Tradition und die alten weißen Männer, denen sie ihren Wohlstand zu verdanken hatten. Das Bildungswesen verfiel und die nachkommende Generation wurde sich selbst und ihren technischen Spielzeugen überlassen.

Der Hochmut der Deutschen kannte keine Grenzen mehr. Sie wollten, dass ganz Europa es ihnen gleich tue. Mit ihrem Geld korrumpierten sie andere Staaten, auf dass auch dort alle Traditionen fallen gelassen würden. Sie versprachen Energie aus Wind und Sonne und verschandelten landauf, landab die Natur. Schließlich wollte man die ganze Welt dazu bringen, das Klima zu verändern.

In ihrem moralischen Größenwahn öffneten die Deutschen schließlich die Grenzen für Millionen von Migranten und versorgten sie auf Kosten ihres eigenen Volkes. Die meisten der Zugewanderten waren keine Christen und glaubten an einen Gott, der ihnen befahl, die Christenwelt zu erobern. Aber die Deutschen waren in unermesslicher Arroganz blind für die Bedrohung und sorgten sich nicht über die Verfolgung der Christen. Ja, selbst die Kirchen blickten weg und feierten die Anhänger des Islam.

Zürnend ob der Verkommenheit der Deutschen, beschloss Gott, der Herr, dieses ruchlose Volk zu strafen, als Warnung für die ganze Menschheit. Er überlegte kurz, welche Strafe angemessen sei. Eine Sintflut? Ein Regen aus Pech und Schwefel? Eine babylonische Sprachverwirrung? Aber Letztere schien ihm sinnlos, denn in Deutschland sprach man bereits viele unterschiedliche Sprachen und dieses Kulturgut zerfiel zusehends.

Schließlich sprach Gott: „Seht her! Ich werde euch die Vernunft nehmen, auf dass das kristallklare Licht der Logik nicht mehr scheine auf euer Land. Es soll sich ganz langsam verdunkeln. Ihr sollt einander noch verständigen können, aber ihr sollt keinen Sinn mehr in den Worten der anderen erkennen. Das Volk soll mehr und mehr gespalten sein und ihr werdet keinen Konsens mehr finden, um die Spaltung zu überwinden. Eure Argumente sollen unverstanden im Wind verhallen. So will ich die Deutschen für ihren Hochmut und Irrglauben strafen“.

Das deutsche Volk merkte erst wenig von der Strafe, die in Gestalt einer grünen Gedankenpest über das Land kam. Man war zu sehr mit der Steigerung des Wohlstands und der irrsinnigen Optimierung seiner Lebensumstände beschäftigt. Einige schüttelten mitunter den Kopf, wenn dieses oder jenes allzu absurd oder irrational erschien. Und wenige erhoben warnend die Stimme, aber ihre Worte verhallten unverstanden im Wind.

Und so bemerkte auch kaum einer, dass die Irrationalität immer weiter um sich griff. Dass man sich zum Beispiel nicht mehr darüber einigen konnte, was ein Mann und was eine Frau ist, wie viel Geschlechter es gab und was eine Ehe ist. Jahrhunderte alte Übereinkünfte, die das Fundament der Gesellschaft bildeten, waren plötzlich hinfort.

Und eine große Aufspaltung der Gesellschaft ging durchs Land. Der Spalt ging mitten durch Familien, Partnerschaften und Freundeskreise. Erst sprach man noch miteinander und versuchte zu überzeugen. Aber ohne das Fundament der Vernunft, gab es keine Grundlage für einen Konsens. Feindseliges Schweigen und Misstrauen legten sich über das Land. Jeder verdächtigte jeden.

Anfangs versuchten noch einige Medien in alter Tradition das Banner der Objektivität hochzuhalten. Aber sie fanden immer weniger Leser und Zuschauer. Diese wollten Bestätigung für ihre subjektive Weltsicht; neutrale Vernunft brachte keinen Umsatz. Schließlich wurden die Medien zu reinen Propaganda-Trompeten für diese oder jene Grüppchen.

So zerfiel das Land immer mehr und die Ideologen, die noch nie etwas mit Logik am Hut hatten, triumphierten. Aber es kam noch schlimmer. Denn Vernunft ist nicht nur die Grundlage für den gesellschaftlichen Diskurs; ohne Vernunft, Sachverstand und Objektivität funktionieren auch keine Wirtschaft, keine Verwaltung und keine Projektentwicklung.

Und so konnte man bald überall in Deutschland die Zeugnisse des umfassenden Verfalls sehen: marode Schulen, baufällige Brücken und Straßen, eine heruntergekommene Bundeswehr, eine desaströse Energiepolitik und unfertige Großprojekte.

Das bekannteste war der Flughafen BER in Berlin, eine Baustelle, die sich mit dem Fortschreiten der Arbeiten immer weiter von ihrer Fertigstellung entfernte. Die Menschen staunten ratlos.

Und jedes Mal, wenn Gott auf diese Ruine und den unfertigen Tower blickte, dachte er an den Turmbau zu Babel. Und er wusste, dass er wohl getan hatte. „Möge es der Menschheit eine Lehre sein“, sprach er. Und dann wandte er sich mit Schaudern ab.

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