H.W.SInn und Krone irren: Brexit könnte Änderungskündigung sein

http://www.krone.at/oesterreich/experte-raet-kuendigt-doch-den-eu-vertrag-nach-brexit-story-534224

Der Artikel strotzt nur so von Fehlern:

1.) Wenn Österreich austritt, dann wird der Club Med, also insbesondere Italien, Spanien und Frankreich noch stärker, und die sparsameren Nordländer werden schwächer und drohen umso leichter überstimmt zu werden.

Die Behauptung des Artikel "Nur durch den Austritt Österreichs könne verhindert werden, dass die Sperrminderheit von Deutschland, Holland, Finnland und Österreich verloren ginge" ist unlogisch.

2.) Der Artikel behauptet "Diese Änderungskündigung müsse vorgenommen werden, solange mit Großbritannien verhandelt wird." ist unlogisch. Großbritannien wird den Brexit eher nicht rückgängig machen, wenn Österreich auch in einem halben Austrittszustand ist. D.h. Österreichische Austrittsbestrebungen würden einen Breturn (eine Rückkehr Großbritanniens) unwahrscheinlicher machen.

3.) Der Artikel behauptet "Der größte Fehler beim Euro war, ihn als Haftungsgemeinschaft zu verstehen, was dazu geführt hat, dass sich marode Staaten zu niedrigen Zinsen hoch verschulden konnten." Dazu folgendes: dass der Euro eine Haftungsgemeinschaft sein soll, war keineswegs eindeutig. Die No-Bail-Out-Klausel ist noch Teil der Verträge. Die hohen Schulden vieler Staaten rühren schon aus einer Zeit vor der Währungsunion.

4.) Der Artikel behauptet "Der Euro wurde mißbraucht für Rettungsaktionen von einzelnen Staaten wie Griechenland." Man kann auch umgekehrt die Position vertreten, dass der Euro von Deutschland mißbraucht wurde, um deutsche Handelsbilanzüberschüsse zu zementieren. Was aber langfristig nicht geht. Wenn ein Land langfristig extrem hohe Handelsbilanzüberschüsse hat, muss ein oder mehrere Länder langfristig Handelsbilanzdefizite haben. Zudem wurde unterschätzt, dass wirtschaftliche Konflikte zu Nationalismen führen können. Und aus überbordender politischer Korrektheit wurden Schummeleien wie beispielsweise bei Budgetdefizitzahlen lange Zeit vertuscht.

5.) Was die Änderungskündigung betrifft, die Österreich laut Sinn und Krone anders als Großbritannien machen soll: es ist durchaus plausibel, dass das, was wir mit dem Brexit erleben, eine Änderungskündigung ist, ein Austritt mit anschließendem Wiedereintritt. Die politischen Eliten Großbritanniens sind nicht vollkommen verblödet; die haben sehr wohl bemerkt, dass die britischen Sonderbedingungen, Opt-Outs und A-La-Carte-Treatments langfristig die EU schwer beschädigen, weshalb auch Michel Rocard seinen Artikel "A French message to Britain: Get out of Europe before you wreck it" schrieb. Und genau deswegen haben Premier Cameron und Finanzminister Osborne vielleicht vor der Wahl einen Streit geschauspielert, damit das Volk in einer Art Anti-Regierungs-Protestvotum (Wir Österreicher kennen das ja von Haiders "Denkzettel"-Wahlkämpfen) den Brexit beschliessen.

Dass der Brexit und der darauf folgende Niedergang des Pfund Sterling die Handelsbilanz Großbritanniens verbesserte, mag als Motiv für den geschauspielerten Streit noch dazugekommen sein.

Der einzige gangbare Weg könnte der Prexit, der Exit aller protestantisch geprägten Länder oder der Nexit, der Exit aller Nordländer sein, wie ich schon in einem früheren Blog von mir schrieb:

https://www.fischundfleisch.com/dieter-knoflach/eu-krise-nach-brexit-maechtebalance-zerstoert-24577

http://www.krone.at/oesterreich/experte-raet-kuendigt-doch-den-eu-vertrag-nach-brexit-story-534224

(Copyright: Kronenzeitung)

(Copyright: Hans Werner Sinn, Präsident des IFO, des Instituts für Wirtschaftsforschung)

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