Die deutsche Autoindustrie wirkt inzwischen wie ein alter Monarch, der noch immer im Thronsaal sitzt, obwohl die Wände längst bröckeln und die Dienerschaft heimlich zu moderneren Herrschern übergelaufen ist. Man fragt sich, wie ein Land, das einst den Motorenklang zur Nationalhymne erhob, so tief in den eigenen Mythos fallen konnte. Vielleicht war es die Überzeugung, dass der Verbrenner nicht nur eine Technologie, sondern eine gottgegebene Offenbarung sei. Ein Stück deutscher Identität, das man nicht einfach gegen ein Batteriepaket eintauscht, nur weil die Welt sich weiterdreht.
Doch die Welt dreht sich weiter, und zwar schneller, als es den Herren in den Vorstandsetagen lieb ist. Während sie noch darüber nachdenken, ob Elektromobilität vielleicht doch nur ein vorübergehender Trend ist, rollen die Verkaufszahlen wie ein schwarzer Regen über sie hinweg. Jeder vierte Neuwagen fährt inzwischen batterieelektrisch, und das ist kein Zufall, sondern ein Menetekel. Die Kunden haben abgestimmt, nicht mit Worten, sondern mit Kaufverträgen. Und die deutsche Industrie steht daneben, die Hände tief in den Taschen, und murmelt etwas von „Technologieoffenheit“, als wäre das ein Zauberspruch, der die Realität vertreiben könnte.
Andere Konzerne haben längst begriffen, dass man nicht auf den nächsten göttlichen Funken warten darf. Citroën etwa baut einfach E‑Autos, die funktionieren, bezahlbar sind und nicht versuchen, die Vergangenheit zu imitieren. Der ë‑C3 ist kein Wunderwerk, aber er ist ein Auto, das den Alltag versteht. Und genau das reicht, um die deutsche Industrie alt aussehen zu lassen. Während hierzulande noch darüber diskutiert wird, ob ein E‑Auto mindestens 500 Kilometer Reichweite haben muss, um „marktfähig“ zu sein, verkaufen die Franzosen pragmatische Lösungen, die den Nerv der Zeit treffen.
Die deutschen Hersteller hingegen klammern sich an den Verbrenner wie ein Ertrinkender an einen Sandsack. Man hat Jahrzehnte lang geglaubt, dass man unbesiegbar sei, dass die Welt sich nach deutschen Normen richtet. Doch nun zeigt sich, dass Arroganz keine Antriebsart ist. Die Zahlen sprechen eine Sprache, die man nicht wegdiskutieren kann: Tesla, BYD, Peugeot – sie wachsen, während die deutschen Marken stagnieren oder schrumpfen. Es ist, als würde ein einstiger Champion im Ring stehen, die Deckung unten, und sich wundern, warum die Schläge treffen.
Vielleicht liegt der Niedergang darin, dass man die Zukunft immer als Bedrohung sah, nie als Möglichkeit. Vielleicht darin, dass man glaubte, die eigene Ingenieurskunst sei so überlegen, dass man Trends nicht folgen müsse. Vielleicht darin, dass man die Kunden unterschätzte, die längst begriffen haben, dass ein Auto nicht mehr brüllen muss, um stark zu sein.
Am Ende bleibt die Frage, warum ein Land, das einst die Mobilität prägte, nun hinterherläuft. Die Antwort ist bitter: Weil man lieber an gestern glaubt als an morgen. Weil man den Verbrenner nicht loslassen will, obwohl er längst zum Fossil geworden ist. Und weil andere längst begriffen haben, dass Fortschritt nicht wartet, bis Deutschland bereit ist.