Fotomontage Manfred Breitenberger

Vor 85 Jahren am 22.Juni 1941 begann der deutsche Vernichtungskrieg gegen die Sowjetunion. 27 Millionen Sowjetbürger wurden durch diesen Vernichtungskrieg ermordet, mehr als die Hälfte davon hinter der Front, ehe es der Roten Armee gelang Auschwitz und die Sowjetunion und Europa zu befreien. Die zivilen Opfer der Sowjetunion betrugen 15,2 Millionen Menschen, darunter 2,4 Millionen sowjetische Juden und eine Million Leningrader Bürger. Eine Million Leningrader, darunter 400.000 Kinder, verhungerten im Zuge der Blockade der Stadt, die Hitler ausgewählt hatte, um ein Exempel zu statuieren, den Ort auszulöschen, an dem die Bolschewiken erstmals die Macht errungen hatten. Die Mörder hinter der Front waren NS Einsatzgruppen und Kollaborateure, vor allem die westukrainische OUN von Stepan Bandera.  Mindestens 500.000 Menschen wurden als „Partisanen“ ermordet. Im „Generalplan Ost“ wurden die Vernichtungs-, Versklavungs- und Umsiedlungspläne der deutschen Besatzer niedergeschrieben. Von den insgesamt 5,7 Millionen sowjetischen Kriegsgefangenen starben drei Millionen nach ihrer Gefangennahme, sie verhungerten, erfroren, starben an Seuchen oder wurden auf Todesmärschen erschossen. Die materiellen Schäden waren ungeheuerlich, 1.700 Städte und zehntausende Dörfer waren vollkommen zerstört. 25 Millionen Menschen waren 1945 obdachlos. Drei Millionen sowjetische Zivilisten wurden ab 1942 zur Sklavenarbeit nach Deutschland gebracht. Tausende sollten noch 1946 in den zentralen Gebieten Russlands verhungern. Die Wehrmacht praktizierte auf ihrem Rückzug eine „Politik der verbrannten Erde“, die Sowjetunion wurde restlos geplündert und alles Brauchbare zerstört oder in den Westen transportiert.

In der deutschen Erinnerungskultur spielte der Vernichtungskrieg gegen die Sowjetunion noch nie eine große Rolle. Den Befreiern der Roten Armee wurde in Deutschland vor allem im Westen kaum gedankt. Seit spätestens 2022 ist die Geschichte des 2. Weltkriegs in der Sowjetunion so gut wie vergessen, wer den Befreiern vom Nationalsozialismus dankt, ist in den Augen von Politik und Mainstream-Medien ein „Putin-Versteher.“ Deutschland paktiert wie vor 85 Jahren wieder mit den Westukrainern, mit den Nachfahren des Antisemtischen Massenmörders Stepan Bandera. Die Ukraine lässt seit 2014 die Denkmäler für den Sieg über den Nationalsozialismus abreißen und ersetzt sie mit überdimensionalen Bandera-Denkmälern. Der zweite Führer der OUN, der antisemitische Massenmörder Andri Melnik wurde kürzlich mit Staatsehren von Luxemburg nach Kiew umgebettet. Wolodymyr Selenskyj gab dabei einer Einheit der ukrainischen Streitkräfte den Namen „Helden der UPA“.

Das ukrainische Parlament hat am 1. Juli 2026 beschlossen auf dem Gelände des Kiewer Höhlenklosters, von dem die dortigen Priester vertrieben wurden, ein nationales Pantheon zu errichten, in dem "herausragende Persönlichkeiten der ukrainischen Geschichte" wie die antisemitischen Massenmörder, Stepan Bandera, Andri Melnik oder  Roman Schuchewytsch beerdigt und verehrt werden sollen. Außer Israel und Polen protestiert kaum ein anderes Land gegen die rechtextremen Umtriebe in der Ukraine. Deutsche Medien und Politiker sind in dieser Hinsicht still wie die Fische. „Wehret den Anfängen“ oder „Nie wieder Auschwitz“ oder „Nie wieder Krieg“ waren schon immer bedeutungslose Lippenbekenntnisse in Deutschland.

Eine angemessene Erinnerungskultur steht dem Wunsch nach einem Entscheidungskrieg gegen Russland diametral entgegen. Der Krieg um die Ukraine des „freiheitlichen Westens“ mit dem „autokratischen Russland“ hat die kurzen Einsichten nach 1991 schnell wieder verschwinden lassen. Der 8. Mai wird heute nur noch in Russland und in Israel gebührend gefeiert.

Der Osteuropahistoriker Jochen Hellbeck ist Professor an der Rutgers University in den USA, lehrt dort zur modernen europäischen Geschichte und setzt mit seinem neuesten Buch dieser Haltung etwas entgegen. Im Jahr 2025 erschien von Jochen Hellbeck im Fischer Verlag „Ein Krieg wie kein anderer - Der deutsche Vernichtungskrieg gegen die Sowjetunion.“ In der Einleitung schreibt Hellbeck: „Die Sowjetunion zwang Deutschland zwar zur militärischen Kapitulation, doch auf dem ideologischen Schlachtfeld blieben die Deutschen Sieger. Ihre Parole „Europa gegen den Bolschewismus“ überlebte den Untergang des NS-Staates und sorgte dafür, dass das ganze Ausmaß der deutschen Verbrechen im Osten für viele Jahre unbeachtet blieb.“  Jochen Hellbecks Buch zeigt, dass die Nationalsozialisten ihren unerbittlichen Antisemitismus von Beginn an mit einem obsessiven Antibolschewismus verknüpften. Der Befehl lautete, alle Juden und Kommunisten in der Sowjetunion zu ermorden. Die besetzten Gebiete im Osten wurden Orte der Massentötungen, die danach auf alle Juden im besetzten Europa ausgeweitet wurde.

Zwei Obsessionen bestimmten also Adolf Hitler, der Bolschewismus von Lenin und der Antisemitismus. Der Bolschewismus war deckungsgleich mit „asiatischer Verschlagenheit“, „Völkerchaos« und Massenmord“. Hitler stellte die Kommunisten, die in Russland die Macht übernahmen stets als seine ärgsten Feinde dar. Bereits während seiner Haft diktierte Hitler einem Mitgefangenen eine umfassende Geschichte seiner Bewegung und ihrer programmatischen Ziele. In „Mein Kampf“ lieferte Hitler einen Fahrplan, um das Überleben der Nation zu sichern. Aufgrund ihrer angeborenen Eigenschaften waren die Deutschen, die Arier, zur "höchsten Rasse als Herrenvolk" bestimmt. Die "jüdischen Lehre des Marxismus" leugnet laut Hitler die Rasse als Unterscheidungsmerkmal, lehnt das "aristokratische Prinzip der Natur".

Während der Weimarer Jahre befeuerte er die Angst der Deutschen vor einem Bürgerkrieg mit Warnungen vor einem blutigen bolschewistischen Aufstand. Hitlers Versprechen, die „rote Gefahr“ zu bannen, brachte ihm 1933 die Kanzlerschaft. Nach der wurden mehr als 100.000 deutsche Kommunisten in eigens dafür eingerichtete Konzentrationslager verschleppt, gefoltert oder ermordet. Adolf Hitler war schon früh ein erbitterter Antisemit, unter dem Einfluss des antibolschewistischen Gedankenguts entwickelte sich sein Judenhass früh zu einer Ideologie. Für Hitler war der Bolschewismus ein heimtückischer Versuch der Juden, mit Hilfe der von ihnen geschaffenen marxistischen Lehre ganz Europa zu erobern. In der deutschen Rechten war die Überzeugung weitverbreitet, dass jüdische Kommunisten den Untergang des Landes im Jahr 1918 eingefädelt hatten. Es entstand der Kampfbegriff vom „jüdischen Bolschewismus“.  In der Vorstellung der Nationalsozialisten war die UDSSR die mächtigste jüdische Organisation der Welt, also der „Weltfeind Nr. 1“.

Bereits 1936 bezeichnete Hitler die Kremlführung als den „extremsten“ Verfechter der modernen Aufklärung, die erst die Französische Revolution ausgelöst hatte und sich nun anschickte, die gesamte Welt in den Abgrund zu stoßen. Das kommunistische Bekenntnis zum Universalismus und zur „rassenübergreifenden“ internationalen Solidarität kollidierte mit Hitlers Projekt, der germanischen Rasse zur alleinigen Vorherrschaft zu verhelfen. „Große antibolschewistische Schauen“ tourten in den dreißiger Jahren durch deutsche Städte mit dem Ziel, das wahre, das semitische Gesicht der UDSSR zu zeigen und deren tödlichen Pläne offenzulegen. Hunderttausende junge Männer sahen diese menschenverachtenden Schauen, bevor sie wenige Jahre später an der Ostfront in den Kampf zogen.

Das „Unternehmen Barbarossa“ hatte Hitler seinen Generälen als Entscheidungsschlacht zwischen dem deutschen Nationalsozialismus und dem sowjetischen Kommunismus angekündigt. Die deutschen Soldaten wurden angewiesen, auch gegen Zivilisten äußerste Gewalt anzuwenden. Gegenüber den Millionen von „Bolschewisten“, die eher Tier als Menschen seien, sollten sie jene Rücksichtslosigkeit an den Tag legen, die man dem Feind zuschrieb. Ein aus Göttingen stammender Soldat schrieb an seine Eltern: „Man weiß einfach, hier kämpft das Gute gegen das Böse, die Vernunft gegen den Wahnsinn, denn Bolschewismus ist ins teuflisch-geniale gesteigerter Wahnsinn.“ Der deutsche Überfall brachte die Sowjetunion fast zu Fall. Nach Stalins blutiger Säuberung der sowjetischen Militärführung im Jahr 1937 befand sich die Rote Armee in einer Phase der Reorganisation.

Nach Hitlers Machtergreifung erhob sich Moskau zu einer der Welthauptstädte des Antifaschismus. Der produktivste und einflussreichste unter den sowjetischen Autoren war Ilja Ehrenburg. 1896 in eine jüdisch assimilierte russische Familie in Kiew hineingeboren, hatte Ehrenburg, der fließend Französisch und Deutsch sprach mehr als tausend Leitartikel im Laufe des Krieges geschrieben. Ilja Ehrenburg wertete für seine Artikel unzählige Tagebücher von Wehrmachtssoldaten aus und zitierte aus ihnen. Jochen Hellbeck war in den Moskauer Archiven und bestätigt, dass alle Briefe der Soldaten korrekt zitiert sind.

Ehrenburg wurde von der New York Times gefragt, was den erstaunlichen sowjetischen Erfolg gegen die für unbesiegbar gehaltenen Deutschen ermöglicht hat? Ehrenburg berichtete von einer Frau, die sich freiwillig zum Militärdienst gemeldet habe. Diese Frau war erst neunundzwanzig Jahre alt, sah aber aus wie vierzig, sie pflegte in einem Lazarett verwundete Soldaten. Ihr achtjähriger Sohn war in Kertsch zurückgeblieben und wurde von einer Bekannten betreut. Nach der Rückeroberung der Stadt durch die Rote Armee wurde die Sanitätseinheit der Soldatin dorthin verlegt. Eines Morgens wurde ein Massengrab geöffnet und unter den Leichen fand die Frau ihren Sohn. Neben ihm lag sein Schulheft. Der Junge war auf dem Weg zur Schule gewesen, als die Deutschen ihn getötet hatten. Und die Frau sagte mit leiser, gedämpfter Stimme, mit jener Ruhe, unter der man die Leidenschaft erahnt: „Nun verbinde ich keine Wunden mehr – ich schieße. Jetzt ist der Krieg meine ganz persönliche Angelegenheit.“ Die Frau verließ das Lazarett und wurde zur Scharfschützin.  Der letzte Satz der Frau war für Ehrenburg die Antwort auf die Frage der Times-Redakteure.

Während ihres Vormarschs nach Westen durchquerten die Soldaten der Roten Armee ein von den zurückweichenden Deutschen verwüstetes Land. In zerstörten Ortschaften sahen sie auf den Marktplätzen die Galgen, an denen oft noch die Leichen mutmaßlicher Partisanen hingen. Sie sahen die Schluchten und Gräben, wo man begonnen hatte, die bis zum Rand mit Leichen angefüllten Massengräber freizulegen. Augenzeugen berichteten von den erschütternden Taten der Deutschen. Wie Heinrich Himmler im Oktober 1943 vor einer Versammlung von SS-Führern in Posen erklärte: "Diese Masse muss zertreten und abgestochen, abgeschlachtet werden. Es ist, um einmal ein ganz brutales Beispiel zu gebrauchen, wie bei einem Schwein, das abgestochen wird und allmählich ausbluten muss."

 "Ein Krieg wie kein anderer", diese Worte prägte Wassili Grossman Anfang 1942 für den Vernichtungsfuror der Wehrmacht und des deutschen Volkes. Grossman, wie Ehrenburg Jude, erkannte schon früh, dass die Deutschen fest entschlossen waren, alle sowjetischen Juden zu töten. Ebenso wie Ehrenburg war es Grossman gleichwohl wichtig, die deutsche Invasion als einen noch umfassenderen Angriff darzustellen. Mit ihrer Verherrlichung von Gewalt hätten die Nationalsozialisten dem Recht auf Bildung, der Emanzipation der Frau, dem Internationalismus und der Völkerfreundschaft den Krieg erklärt. Ihr Krieg war ein Vernichtungskrieg gegen die sowjetische Zivilisation. Sowjetbürger, die die Schrecken der NS-Besatzung überlebt hatten, beriefen sich auf ebendiese Prinzipien, auch wenn sie andere Worte benutzten: „Sie sahen uns nicht als Menschen an“, fassten viele von ihnen ihre Erfahrungen mit der Herrschaft der Deutschen zusammen. Erst nach der Befreiung durch die Rote Armee hätten sie sich wieder als „Menschen“ gefühlt.

Die weiblichen Soldatinnen der Roten Armee waren für die Wehrmacht „Flintenweiber.“ Im Oktober 1941 gab ein Divisionskommandeur die Weisung aus, “Frauenpersonen in russischer Uniform“ seien „sofort zu erschießen“. Ebenfalls im Oktober 1941 erklärte der Kommandeur einer Panzerdivision: "Heimtückische, grausame Partisanen und entartete Flintenweiber gehören an den nächsten Baum und nicht in das Gefangenenlager."

Die Selektion von Juden, Kommissaren und weiblichen Soldaten war ein wesentlicher Bestandteil der „»Sichtung und Aussonderung“ gefangen genommener Soldaten. Jochen Hellbeck beschreibt eindrucksvoll die Hinrichtungen von gefangenen Partisaninnen: „Am 26. Oktober wurden Olga, ihr Sohn Wladlen, Trussow und Maria sowie acht weitere Aktivisten aus ihren Gefängniszellen geholt und in Dreiergruppen – jeweils zwei Männer und eine Frau – durch die Straßen geführt. Es war die erste öffentliche Hinrichtung in der Geschichte der Stadt. Die Frauen hatten Plakate um den Hals hängen. In russischer und deutscher Sprache stand dort zu lesen: »Wir sind Partisanen und haben auf deutsche Soldaten geschossen.« Um möglichst viel Aufmerksamkeit zu erregen, fanden die Hinrichtungen der Gruppen in vier verschiedenen Stadtteilen statt. Die Anwohner wurden vor den Galgen zusammengetrieben und mussten sich dort die Drohungen der deutschen Offiziere anhören, die für sie ins Russische übersetzt wurden. Maria, Wladlen und Trussow wurden vor den Toren einer Hefefabrik gehängt. Maria wurde als Erste hingerichtet, gefolgt von Wladlen und Trussow. Laut Zeugenaussagen, die durch Fotos bestätigt werden, kehrte Maria den Zuschauern den Rücken zu, als der Henker ihr die Schlinge um den Hals legte. Erst im Todeskampf gelang es den Schergen, ihren Körper mit dem Gesicht in Richtung der Kameras zu drehen.“

Die Jüdin Maria Bruskina hatte ihr kurzes Leben in den Dienst des Kommunismus gestellt. Nach ihrer Verhaftung gelang es ihr, ihrer Mutter einen Brief zukommen zu lassen: „Mich quält der Gedanke, dass ich dir große Sorgen bereitet habe. Sorge dich nicht. Mir ist nichts Schlimmes passiert … Wenn du kannst, schicke mir bitte mein Kleid, meine grüne Bluse und weiße Socken. Ich möchte anständig gekleidet sein, wenn ich von hier fortgehe.“

Die Deutschen hängten Frauen, die als Partisaninnen hingerichtet wurden, Plakate um den Hals. Sie filmten und fotografierten sie, um sie als gefühllose, aller Weiblichkeit beraubte „Bolschewistinnen“ darzustellen. Doch an Maria Bruskina scheiterte die Inszenierung. Auf den Fotos sieht man sie erhobenen Hauptes in den Straßen von Minsk. Anstatt die junge Frau zu erniedrigen, dokumentieren die Aufnahmen ungewollt ihre menschliche Würde und Selbstbeherrschung im Angesicht des Todes. Von Juli 1941 an wurden die deutschen Gewalttaten auf sowjetischem Boden von Kriegsberichterstattern ebenso wie von offiziellen Stellen mit großer Akribie und auffallend faktengetreu dokumentiert. Der Rote Stern, die vom Volkskommissariat für Verteidigung herausgegebene Tageszeitung, veröffentlichte einen der ersten Artikel über die „deutsch-faschistischen Gräueltaten“ an der sowjetischen Zivilbevölkerung.

Anfang Dezember 1941 hatten die in Petrischtschewo stationierten deutschen Truppen eine Partisanin festgenommen. Im Verhör weigerte sie sich unter er Folter, Auskunft darüber zu geben, wer sie war und in wessen Auftrag sie handelte. Auch die Schläge mit einem Gürtel ertrug sie tapfer. Ein deutscher Offizier fragte sie höhnisch, wo Stalin sei. „Stalin ist auf seinem Posten“, antwortete sie. Am nächsten Morgen wurde sie nach draußen geführt, wo der Tod auf sie wartete. Eine große Gruppe deutscher Soldaten hatte sich vor einem kurz zuvor errichteten Galgen versammelt. Die Anwohner wurden gezwungen, der Hinrichtung beizuwohnen. Tanja musste ein Schild mit der Aufschrift „Partisanin“ tragen. Kurz bevor sie ihr Leben ließ, wandte sie sich an die Deutschen: „Ihr werdet mich jetzt hängen, aber ich bin nicht allein. Es gibt zweihundert Millionen von uns, ihr werdet uns nicht alle hängen können. Andere werden mich rächen.“ An die Dorfbewohner gewandt rief sie: „Lebt wohl, Genossen! Kämpft! Fürchtet euch nicht! Stalin ist mit uns! Stalin wird kommen!“ Ihre Leiche wurde Berichten zufolge wochenlang hängen gelassen. In der Silvesternacht schnitt eine Gruppe betrunkener Soldaten das Seil durch und verstümmelte die Leiche des Mädchens.

Das Tagebuch von Friedrich Schmidt von der 1. Panzerarmee enthielt Aufzeichnungen aus dem Februar und März 1942 und befasste sich hauptsächlich mit der Gefangennahme von mutmaßlichen Partisanen: „… Um 4 Uhr nachmittags brachten sie vier Mädchen herein, etwa 18 Jahre alt, die von Jeisk aus auf dem Eis Schlittschuh gefahren waren. Sie leugneten alles ab, obgleich sie höflich gewarnt wurden, die Wahrheit zu sagen. Ich schlug sie, bis das Blut herabströmte. Alle vier waren Studentinnen und sahen hübsch aus … 26. Februar. Die heutigen Ereignisse übersteigen alles, was ich bisher erlebt habe … Sie brachten sechs junge Burschen und ein Mädchen herein. Die Gefangenen blieben dabei, dass sie ganz einfach einen Spaziergang auf dem Eis gemacht haben und dass sie in niemandes Auftrag unterwegs seien. Weder Überredung noch Zwangsmaßnahmen nützten etwas, obgleich ich meine Züchtigungen ohne Hemmungen anwendete. Das Mädchen vergoss nicht eine Träne, sie biss nur die Zähne fest zusammen. Mein Arm verweigerte mir beinah den Dienst … Ich nahm zwei Flaschen Cognac in Besitz, eine von Leutnant Koch von Graf von Försters Stab und eine von den Rumänen. Ich bin noch einmal sehr glücklich. Südwind setzte ein, und es beginnt zu tauen. 2. März. Ich bin nicht ich selbst. Ich habe plötzlich Durchfall bekommen. Ich muss im Bett bleiben … 3. März … Am Abend brachten sie mir wieder fünf aus Jeisk. Wie immer handelt es sich um Halbstarke. Mit meiner vereinfachten Methode, die sich bereits bewährt hat, zwang ich sie zu gestehen – wie immer machte ich Gebrauch von der Peitsche. Das Wetter wird immer milder. 9. März. Wie die Sonne lächelt, wie der Schnee glitzert, aber selbst die goldene Sonne kann mich nicht aufheitern. Heute ist ein schwieriger Tag. Ich wachte um 3 Uhr nachts durch einen schrecklichen Traum auf. Meine Gedanken gingen zu den dreißig Jugendlichen, die ich heute töten musste. Heute Morgen hatte Maria eine köstliche Torte für mich gebacken … Der Krieg an der Ostfront ist etwas Schreckliches. Um 10 Uhr vormittags brachten sie wieder zwei Mädchen und sechs Jungen herein, die von Jeisk herübergekommen waren. Ich schlug sie unbarmherzig. Viele Verhaftungen wurden durchgeführt. Gestern waren es sechs und heute dreiunddreißig. Ich ersticke hier einfach und verliere meinen Appetit. Mir würde es nicht gut ergehen, wenn sie mich erwischten. Ich fühle mich in Budjonnowsk nicht mehr sicher. Jeder muss mich hassen. Wenn meine Leute zu Hause wüssten, was für eine qualvolle Zeit ich heute hier erlebte. Der Graben ist fast mit Leichen gefüllt. Und wie heroisch diese jungen Bolschewisten in den Tod gehen! Wie kommt es wohl, dass sie so sind? Ist es die Liebe zum Vaterland oder ist es der Kommunismus, der ihnen so ins Blut gegangen ist und das ganze System durchsetzt? So etwas muss es wirklich sein. Besonders die Mädchen vergießen nicht eine einzige Träne, wenn sie geschlagen werden, und sie zucken nicht, wenn sie zur Exekution geführt werden. Sie befahlen ihnen, sich nackt auszuziehen. (Wir müssen Kleidung verkaufen.) … Ein junger Bursche verlangte sogar, dass man ihn direkt ins Herz schießen soll. Wenn sie mich hier bekommen, dann bin ich erledigt. 11. März. Die niedere Rasse muss man mit der Rute belehren. …“  Ehrenburg vermerkte dazu: »Ich habe diese erschreckenden Zeilen mit Mühe niedergeschrieben. Vermutlich gibt es in der gesamten Weltliteratur keinen niederträchtigeren Schuft

Am Ende seines Buches schreibt Jochen Hellbeck: „Doch vielleicht ist die Absicht ja, Russland dauerhaft aus Europa zu verbannen. Das würde die grundsätzlichere Frage nach dem historischen Gedächtnis Europas aufwerfen. Wie dieses Buch gezeigt hat, führte die obsessive Beschäftigung der Nationalsozialisten mit dem sowjetischen "Weltfeind Nr. 1" zum größten Massenmord in der Weltgeschichte. Deutschlands Bekämpfung des Sowjetkommunismus war untrennbar mit dem Plan der Vernichtung der europäischen Juden verbunden. Das sich gegenwärtig herausbildende Europa läuft Gefahr, die verkoppelte antikommunistische und antijüdische Spezifik dieses Verbrechens auszulöschen, indem es die Sowjetunion ausschließlich als ein Verbrecherregime kennzeichnet. Dieses Vorgehen ermöglichte zudem einigen europäischen Nationen, die Geschichte ihrer Verfolgung durch die Sowjetmacht festzuschreiben und damit ihrer eigenen Verantwortung für den Massenmord an Kommunisten und Juden zu entgehen. Wenn Europa sich weiterhin universellen Werten verpflichtet sieht, muss es in seinem historischen Gedächtnis Raum geben für die unvorstellbar vielen sowjetischen Opfer des Krieges und ebenso für den sowjetischen Beitrag zum Sieg über den Nationalsozialismus.“

Das wissenschaftliche Buch von Jochen Hellbeck lässt die überfallene Seite zu Wort kommen. Das 700 Seiten umfassende Buch ist elegant und spannend geschrieben und überragend dokumentiert, allein die Fußnoten und Anmerkungen umfassen rund 100 Seiten. Die ausführlichen Schilderungen der Einzelschicksale sind beeindruckend und man schämt sich unweigerlich, wenn man sich die aktuellen Versuche der deutschen Regierung vor Augen hält die Geschichte nach den Versprechen bei der deutschen Wiedervereinigung zu wiederholen. Die alten Bündnisse, vor allem die Westukraine mit Deutschland haben den 2. Weltkrieg überlebt. Die Russen sind wieder der allmächtige Feind, der den Westen überrollen wird oder so schwach, dass es ein Leichtes ist, ihr Land zu ruinieren und aufzuteilen.

Die deutsche Erinnerungskultur ist selektiv und instrumentell! Der Vernichtungskrieg gegen die Sowjetunion ist spätestens seit 2022 kein Thema mehr in den deutschen Mainstreammedien und bei den herrschenden Parteien. Die Ukraine wird bis zum eigenen Untergang unterstützt, obwohl dort die Denkmäler zum Sieg über den Nationalsozialismus abgerissen und durch Denkmäler des antisemitischen Massenmörders Bandera ersetzt werden. Die alten Bündnisse, vor allem die Westukraine mit Deutschland haben den 2. Weltkrieg überlebt.

Wegen der „Schuld“ ihrer Vorfahren nimmt Deutschland 5 Millionen Migranten aus der islamischen Welt auf. Dass diesen Migranten aus der islamischen Welt der Judenhass mit der Muttermilch eingegeben wurde, wird in den staatlichen Medien nicht thematisiert. Jede Kritik am Islam ist in den Augen der Antirassisten unverzeihlicher Rassismus. Islamischer Antisemitismus ist bei Antirassisten kein Thema. Die Flucht der letzten Juden aus Europa kommt den Wünschen des Führers entgegen.

Wegen der instrumentellen und verfehlten  Erinnerungskultur fühlen sich einige Deutsche schuldig und wehren ihre vermeintliche Schuld ab indem sie Israel und Russland dieselben Verbrechen vorwerfen die ihre Vorfahren an den Juden und an den Russen begangen haben.

Es gibt aber keine Kollektivschuld, sehr wohl eine Kollektivhaftung. Russland ist der Rechtsnachfolger der Sowjetunion und Deutschland der Rechtsnachfolger des "3. Reiches". Wer die Geschichte nicht kennt, kann die Zukunft nicht positiv gestalten. Wenn nur ein Drittel der Deutschen das Buch von Jochen Hellbeck gelesen hätte, dann wäre morgen der Krieg in der Ukraine beendet, denn wer die Geschichte des 2. Weltkrieges kennt ist solidarisch mit Israel und mit Russland.

Die meisten Politiker der AFD glänzen mit Unkenntnis bezüglich der deutschen Geschichte von 1933 bis 1945 und trotzdem sind sie, aus welchen Gründen auch immer, die einzige Partei im Bundestag, die die Sanktionen und den Krieg gegen Russland ablehnt und sich für den Frieden in der Ukraine einsetzt. Die Politik der Restparteien führt dagegen geradewegs in den 3. Weltkrieg. So hat die AFD mehr aus der Geschichte gelernt als die übrigen Parteien im Bundestag. Ich bin links sozialisiert und von daher wäre es mir umgekehrt lieber, aber das Leben ist nun mal kein Wunschkonzert.

Quelle: Hellbeck, Jochen. Ein Krieg wie kein anderer: Der deutsche Vernichtungskrieg gegen die Sowjetunion. Eine Revision | Das neue Standardwerk zum Zweiten Weltkrieg auf sowjetischem Boden -   Fischer Verlag, 2025

Gleichzeitig veröffentlicht bei Mission Impossible

1
Ich mag doch keine Fische vergeben
Meine Bewertung zurückziehen
Du hast None Fische vergeben
6 von 6 Fischen

bewertete diesen Eintrag

Aron Sperber

Aron Sperber bewertete diesen Eintrag 14.07.2026 17:59:15

Noch keine Kommentare

Mehr von Manfred Breitenberger