Vor kurzen traf ich meinen Freund Uli Gehmacher, einen Filmproduzenten, der mit dem Teenager-Drama „Siebzehn“ eben den begehrten Max Ophüls-Preis gewonnen hatte und den die Filmwelt seither feierte, unter anderem in Cannes. Ich fragte ihn, wie sich sein Leben durch den Erfolg verändert hatte. „Ich achte jetzt mehr als früher darauf, mit den Füßen am Boden zu bleiben“, sagte er, „ansonsten tue ich das Gleiche wie immer. Ich suche gute Autoren. Ich suche und suche. Falls du einen kennst, sag es mir bitte.“

Wann immer ich mit Filmproduzenten oder Verlegern spreche, das größte Problem ist immer der Mangel an Autoren. Es ist so groß, dass bei solchen Gesprächen immer wieder Ideen auftauchen, wie sich Filme oder Bücher ohne (Drehbuch-)Autoren herstellen lassen. „Lass uns doch einfach versuchen, gemeinsam einen Stoff zu entwickeln“, schlug auch Uli vor und ich erzählte ihm von meinen Überlegungen, mangels guter Autoren Konzept-Romane in Teams unter meiner Leitung schreiben zu lassen.

„Vom Schreiben kannst du nicht leben“ ist deshalb einer dieser grundfalschen Glaubenssätze, mit denen viele von uns aufgewachsen sind. Richtig ist vielmehr: Vom Schreiben kannst du sehr gut leben. Schreiben ist eine Zukunftsbranche, denn es gibt so viele Dinge, die geschrieben werden müssen. Bloß ist es beim Schreiben so wie zum Beispiel beim Reparieren von Autos: Du musst es lernen und ein Profi darin sein, um Geld damit verdienen zu können. Niemand lässt ein Auto von einem reparieren, der das noch nie gemacht hat und hofft, dass er von der Muse geküsst ist. Ganz korrekt lautet der Satz also: Du kannst vom Schreiben leben, wenn du es kannst.

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gloriaviennae

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robby

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Markus Andel

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Fischer Horst

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