Derzeit gängige Definition(hier schon extrem instrumentalisiert):
"Die "Mitte" und die Demokratie
Die "Mitte" ist im politischen Diskurs und Wettbewerb ein Ort, der Orientierung zu bieten scheint; sie verspricht einen Modus des Interessenausgleichs zur demokratischen Konfliktregulation. Zugleich ist sie nur vage bestimmt, also ein "Fuzzy"-Konzept. Zur Auflösung der Fußnote[6] Mit ihr können sich nicht nur viele Menschen identifizieren, sondern es lässt sich auch vieles in sie hineininterpretieren. Die Mitte verspricht "Normalität". Entsprechend umworben wird sie von den Volksparteien, die sich selbst in einer Tradition der Orientierung zur Mitte sehen. Nicht zufällig warb auch die AfD bei der zurückliegenden Bundestagswahl 2021 mit dem Slogan "Deutschland. Aber normal" für sich, um diese Mitte politisch (neu) zu besetzen. Empirisch kann die Mitte schlicht als Mittelwert beziehungsweise mittlerer Wertebereich verstanden werden, in dem sich viele Menschen versammeln, unabhängig von Inhalt und Qualität dieser Werte. So wie ein mittleres Einkommen noch nicht bedeutet, dass es sich gut davon leben lässt, sagt eine "mittlere Einstellung" noch nichts darüber aus, wie demokratisch diese ist.
Sozialwissenschaftliche Ansätze definieren die Mitte vor allem sozialstrukturell nach ökonomischen Kriterien und orientieren sich dabei zumeist an einem Schichtmodell. Empirisch wird in der Regel das mittlere Einkommen herangezogen, ergänzend in manchen Definitionen auch das (mittlere) Bildungsniveau und/oder der Berufsstatus. Das Sozio-oekonomische Panel (SOEP) etwa fasst unter "Mittelschicht" Personen mit einem Haushaltsnettoäquivalenzeinkommen, das 70 Prozent über oder unter dem Median-Einkommen liegt. 2023 handelte es sich hierbei um Personen, die über mehr als 1283 Euro, aber weniger als 2750 Euro Haushaltsnettoeinkommen im Monat verfügten. Dies traf auf 48 Prozent der Befragten der Mitte-Studie zu. Auf einer Skala von 1 ("ganz unten") bis 10 ("ganz oben") stufte sich 2022/23 knapp die Hälfte der Befragten mit den Werten 5 und 6 ein, den erweiterten Bereich um die Mitte herum (Werte von 4 bis 7) wählten drei Viertel der Befragten. 2014 zählten sich noch 62 Prozent zur Mitte, 90 Prozent in der Tendenz. In der Selbsteinschätzung ordneten sich hingegen 80 Prozent der Mittelschicht zu. Zur Auflösung der Fußnote[7]
Aus politikwissenschaftlicher Perspektive interessiert die "Mitte" vor allem hinsichtlich ihrer politischen Orientierung, meist gemessen über die Parteipräferenz auf einer Links-Rechts-Skala. Folgt man der "Hufeisentheorie des Extremismus", werden extreme beziehungsweise demokratiefeindliche Positionen an den politischen Rändern verortet. Dies suggeriert – neben der Assoziation, "extrem Rechts" und "extrem Links" seien gleich demokratiegefährdend –, dass die Mitte per se demokratisch ist. Zur Auflösung der Fußnote[8] In den vergangenen Jahren verorteten sich jeweils gut 60 Prozent der Bevölkerung politisch "genau in der Mitte", in der jüngsten Mitte-Studie sank dieser Anteil auf nur noch 55 Prozent; zugleich positionierten sich nunmehr 15 Prozent politisch rechts der Mitte (Abbildung 1).
Die Sympathie für die AfD liegt in der Mitte-Studie 2022/23 bei insgesamt 15 Prozent. Zwölf Prozent geben auf die "Sonntagsfrage" offen an, die AfD wählen zu wollen, weitere drei Prozent sagen auf Rückfrage, sie hätten schon einmal darüber nachgedacht. Fast die Hälfte derjenigen, die mit der AfD sympathisieren, verorten ihre Ansichten politisch "genau in der Mitte". Offen ist, warum sich diese Personen dort sehen. Möglicherweise kennen sie schlicht viele andere Personen mit ähnlichen Positionen oder sind der Überzeugung, tatsächlich Positionen der "politischen Mitte" zu vertreten. Vielleicht steckt dahinter aber auch die strategische Überlegung, die eigenen Überzeugungen gezielt als Positionen der Mitte verharmlosen und als "normal" darstellen zu wollen. Von denjenigen, die sich selbst der politischen Mitte zuordnen, sympathisierten zum Zeitpunkt der Befragung 13 Prozent mit der AfD. 23 Prozent aller Befragten hielten die AfD für "eine Partei wie jede andere auch".
Zunehmend mehr Personen positionieren ihre politischen Ansichten also offen rechts der Mitte, sei es über die politische Selbstpositionierung und/oder die Sympathie für die Rechtsaußenpartei AfD."
ODER:
Die MITTE befindet sich zwischen denjenigen, welche ein Bedürfnis nach politischer Einflußnahme verspüren, und denjenigen, welche lediglich ihr Leben ohne äußere Einmischung genießen wollen?
Kernhypothese:
Demokratie lebt von dem Mythos "frei von Herrschaft".
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So wenig Staat, wie möglich,
so viel Staat, wie nötig.
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Bunderszentrale für politische Bildung https://www.bpb.de/shop/zeitschriften/apuz/demokratie-in-gefahr-2024/549908/demokratiedistanz-der-mitte/