Es ist ein Fall, der in jedem zivilisierten Rechtsstaat als Offizialdelikt behandelt werden müsste:
Eine 13-Jährige wirft zwei mächtigen Männern – Donald J. Trump und Jeffrey E. Epstein – vor, sie 1994 vergewaltigt, bedroht und psychisch zerstört zu haben.
Im Sommer 1994 soll die damals dreizehnjährige Jane Doe auf mehreren Partys in New York City von Donald J. Trump und Jeffrey E. Epstein sexuell missbraucht worden sein. Laut ihrer Klage fesselte Trump sie bei einer dieser Begegnungen an ein Bett, vergewaltigte sie gewaltsam und schlug sie ins Gesicht, als sie um Hilfe flehte. Epstein soll sie ebenfalls vergewaltigt und bedroht haben, nachdem Trump sie bereits missbraucht hatte. Beide Männer drohten ihr und ihrer Familie mit schwerer körperlicher Gewalt, falls sie die Vorfälle jemals öffentlich machen würde. Die Angst vor diesen Drohungen hielt sie jahrelang davon ab, Anzeige zu erstatten. Die Klage wirft den Männern Vergewaltigung, sexuellen Missbrauch, Nötigung und vorsätzliche Zufügung seelischen Leids vor.
Doch statt dass die Staatsanwaltschaft von Amts wegen ermittelt, wird die Klage 2016 einfach zurückgenommen. Keine Anklage, keine gerichtliche Aufklärung, keine Konsequenzen. Nur Stille.
Dabei ist der Vorwurf so schwerwiegend, dass er in jedem funktionierenden Rechtssystem automatisch zur Ermittlungspflicht führen müsste. Sexuelle Gewalt an Minderjährigen ist kein Kavaliersdelikt, das man mit einer Rücknahme der Anzeige vom Tisch wischen kann. Doch wenn die Beschuldigten Milliardäre mit politischen Verbindungen sind, scheint das Gesetz plötzlich flexibel zu werden. Die Frage drängt sich auf: Wie viel Geld ist geflossen, damit die Klägerin schwieg? Wie viel Druck wurde auf sie ausgeübt – nicht nur 1994, sondern auch noch 22 Jahre später, als sie sich endlich traute, vor Gericht zu ziehen?
Die eidesstattlichen Erklärungen im Fall sind erschütternd: Die Klägerin beschreibt, wie Trump und Epstein sie gemeinsam missbrauchten, wie sie mit Gewalt und Drohungen gegen ihre Familie zum Schweigen gebracht wurde. Doch statt dass ein Richter diese Vorwürfe prüft, wird die Klage fallen gelassen. Warum? Weil die Justiz in den USA – wie in so vielen Ländern – vor den Mächtigen kapituliert. Während ein Obdachloser für ein kaputtes Rücklicht erschossen werden kann, kaufen sich Reiche und Einflussreiche straffrei. Sie müssen sich nicht einmal vor Gericht verantworten.
Trumps Rolle in diesem Fall ist besonders perfide. Nicht nur, dass er sich jahrelang mit Epstein umgab – einem Mann, dessen kriminelle Machenschaften längst bekannt waren. Nicht nur, dass er die Klägerin laut Akten persönlich bedroht haben soll. Sondern auch, dass er später als Präsident aktiv die Veröffentlichung der „Epstein Files“ blockierte – jener Dokumente, die möglicherweise weitere Opfer und Mittäter nennen. Erst als der politische Druck zu groß wurde, gab er nach. Zynischer geht es nicht.
Und was bleibt? Ein Justizsystem, das zeigt: Geld und Macht schützen vor Strafe. Ein System, in dem Opfer zum Schweigen gebracht werden, während Täter weiter in Villen residieren. Ein System, das den Mächtigen sagt: „Ihr könnt tun, was ihr wollt.“
Die wahre Schande ist nicht, dass eine Klage zurückgenommen wurde. Die Schande ist, dass niemand danach gefragt hat: Wer hat diese Frau zum Schweigen gezwungen? Und warum darf sie keine Gerechtigkeit erfahren, während andere für Bagatellen ihr Leben verlieren? In einem Land, das sich als Vorzeigedemokratie inszeniert, sollte das ein Skandal sein. Doch stattdessen wird weggesehen. Wieder einmal.
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