Drei Überlegungen zur Daten-Affäre beim Seitensprungportal Ashley Madison

Das Seitensprung-Onlineportal Ashley Madison wurde Ziel von Dieben. Knapp 30 Millionen Daten sollen gestohlen worden sein, unter anderem auch bis zu 80.000 Mailadressen von Österreichern, die zur Untreue bereit sind. Drei kurze Überlegungen zur delikaten Affäre:

1. Wer gegen die oberste Regel des Seitensprungs, höchstmögliche Diskretion, verstößt, indem er glaubt, es wäre eine gute Idee, seine diesbezüglichen Daten online zur Verfügung zu stellen, ist naiv – und selbst schuld, könnte man sagen. Daraus leitet sich nicht ab, dass Medien mit den heiklen Daten "spielen" dürfen.

2. Wer als Journalist am mittlerweile sehr beliebten Spiel der angedeuteten Enthüllung teilnimmt, hat möglicherweise den Beruf verfehlt. Es ist bedeutungslos, ob sich bestimmte Beamte oder Mitarbeiter eines bekannten Medienunternehmens unter den geleakten Seitenspringern finden. Das Sexleben ist höchst privat, grundsätzlich. Jenes von weitgehend unbekannten Personen erst recht. Es mag angehen, Prominente privat zu zeigen. Keinesfalls aber zeigt man Private prominent. Noch dazu gegen ihren Willen, wie man in diesem Fall pauschal annehmen darf. Wer hier nicht genug Ethikgefühl in sich verspürt, dass sogar Andeutungen falsch sind, hat meiner Meinung nach ein ernstes Problem damit, zu unterscheiden, welche Sachverhalte uns etwas angehen – und welche nicht.

3. Innerhalb der Fehlleistung, augenzwinkernd Andeutungen zu machen, dass sich die Mailadressen von Journalisten aus bestimmten Ressorts oder Beamte aus bestimmten Regionen Österreichs in den gestohlenden Daten finden, ist es noch einmal ein zusätzlicher Irrtum, zu glauben, dass gerade die Berufsgruppe der Journalisten so wichtig wäre, dass man sie – wie in mehreren Berichten zu lesen oder im TV zu hören - explizit anführt. Das zeigt von einem überhöhten Selbstverständnis jener Kollegen, die die Berichte verfasst haben. Journalisten sind in der Regel so bedeutend wie Fliesenleger oder Kosmetikerinnnen. Diese Berufsgruppen anzuführen, würde vermutlich niemandem einfallen. Einzig denkbare Motiv-Alternative zur Selbstüberschätzung: die Lust, Kollegen anzubatzen. Das wäre freilich noch schlimmer.

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Uli Kukuruz

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