Sollen sich die "Guten" eigene Netzwerke schaffen?

Die Frage stammt nicht von mir, aber ich finde sie interessant, weil sie die aktuelle Problematik auf den Punkt bringt. Seit ein paar Jahren untersuchen "Experten" die Entwicklung von sozialen Netzwerken. Allgemeiner Konsens: Was vor mehr als zwanzig Jahren vielversprechend begann, erfüllte am Ende nicht die Erwartungen der Gründer.

Die Journalistin Adrienne Fichter beschreibt die Entwicklung von Mark Zuckerberg und seinem Unternehmen Facebook in sieben Akten – plus Prolog und Epilog.

Meisterlich, spannend, ergreifend und doch nüchtern führt sie auf, wie aus einer studentischen Idee ein weltweit umspannendes Netzwerk wurde, das seit dem US-Wahlkampf 2016 und dem Sieg Donald Trumps zunehmend von den Rechten aller Länder gekapert wird.

Die Geister, die er rief, wird Zuckerberg trotz Zensur nicht mehr los.

https://de.wikipedia.org/wiki/Adrienne_Fichter

Nichts veranschaulicht das Problem deutlicher, als die Geschichte einer Kleinstadt in Mazedonien und ihre Rolle im US-Wahlkampf. Aufgedeckt hat sie die US-Seite Buzzfeed. Deren Redakteure schauten sich einige der erfolgreichsten Wahlkampf-Falschmeldungen auf Facebook genauer an. Artikel wie jener, der auf der Seite WorldPoliticus.com mit "This is the news of the millenium!" angepriesen wurde. Die Story: Hillary Clinton wird im Jahr 2017 im E-Mail-Skandal angeklagt! Die Quelle: Ein anonymer FBI-Agent. Die Meldung hat keine Grundlage, sieht aber halbwegs seriös aus. Auf Facebook generierte sie laut Buzzfeed rund 140.000 Shares, Likes und Kommentare. Der Artikel wurde inzwischen von der Seite gelöscht.

Eine Geschichte von vielen.

https://kurier.at/amp/politik/ausland/hat-facebook-die-us-wahl-entschieden/230.107.397

Und wie war das mit Cambridge Analytica? Millionen Nutzerdaten wurden zugunsten mieser Geschäftemacher verkauft. Die Facebook-User haben ihrem Boss offenbar verziehen, dass dieser ihre Daten verkaufte - man wäre fast versucht, einen unfeinen Spruch anzuwenden, dessen moderate Version diese wäre: Gleich und gleich gesellt sich gern. Wie kann man Kunde oder Gast einer Plattform bleiben, deren Eigentümer die Daten der Nutzer ohne ihr Wissen verkaufte? Wie kann man weiterhin, ähnliches Beispiel, Postkunde bleiben, nachdem bekannt wurde, dass auch die Post Daten ihrer Kunden verkaufte?

Geld verdirbt den Charakter. Das ist eine alte Weisheit.

Mark Zuckerberg ist selbst erschrocken von dieser beunruhigenden Entwicklung, bei der Facebook wohl die wichtigste Rolle einnimmt unter den sozialen Netzwerken. Er sowie auch sein COO Sheryl Sandberg stehen den Demokraten nahe und haben weiterhin die Vision, Facebook könnte global die Menschen zusammenbringen und gut sein für Frieden, Menschlichkeit und einen gesunden Planeten.

Doch auf der anderen Seite gibt es das ökonomische Streben Facebooks nach Wachstum und Profit - und Profit macht Facebook mit Werbung. Der Wahlkampf Trumps wurde zu 80 Prozent des Budgets über Facebook finanziert. Exzellente Facebook-Berater saßen direkt in der Wahlpampfzentrale der Republikaner und zeigten Brad Parscale, dem Digitalchef der Trump-Kampagne, wie man am geschicktesten den Facebook-Werbeanzeigen-Manager einsetzt. Kampagnen für Schwarzen-Hasser, Kampagnen für Hillary-Clinton Anhänger (bei denen ihre Glaubwürdigkeit zerstört werden sollte), Kampagnen für Arbeitslose, Kampagnen für Unentschlossene…

Zwang zur Rentabilität und menschliche Gier zerstören jede Vision.

Im Klartext: Geld ist wichtiger als eine harmonische Gesellschaft. Um an dieses Geld zu kommen, bedient man sich gerne der Schwarmintelligenz der Massen.

In einem verlinkten Artikel kann man Folgendes lesen:

„Hängt sie höher“ „Macht ihn fertig“ ist heute wie schon immer ein Erfolgsgarant in der Propaganda, da so viele Menschen sich in ihrem Leben machtlos frustriert fühlen. Der hilflose, ausgelieferte Mob ist für Politiker interessanter als die Elite der Intellektuellen. Und die ökonomische Elite hat durchaus Interesse daran, dass Regierungen wie Trump Gesetze nach ihren Interessen durchsetzen, ohne Rücksicht auf Menschlichkeit nehmen zu müssen.

So wurde aus einer idealistischen Web 2.0-Bewegung dank des Strebens nach Geld und Macht ein weltumfassender digitaler Planet, der beherrscht wird von Mächtigen, Kriminellen, Skrupellosen, Korrupten - und einer kleinen Elite von Finanzmagnaten und Unternehmern. Vorgeschickt werden die Populisten, die dem Mob nach dem Mund schreien. Mittler sind die Medien, Plattformen, Influencer und Blogs, die mit Clickbaiting (Schlagzeilen) und Sensationspresse auf Werbeeinnahmen schielen. Viele von ihnen sind dabei erschreckend erfolgreich und machen innerhalb von Monaten enorme Gewinne.

Erfolgsrezept: Wahrheit ist unwichtig - wichtig ist, dass ich die Wut und den Hass der „Opfer“ anstachele. Wahrscheinlich lachen die Macher sich heimlich tot über ihre Gefolgschaft - doch das verstehen die Frustrierten nicht. Sie sehnen sich nach Erlösung und sie glauben, Erlösung kommt durch den „Starken Führer“, der alles zerstört, was über ihr glückloses Leben triumphiert.

Eine messerscharfe Analyse!

Und weiter kann man lesen:

Sollten sich die „Guten“ aus den sozialen Netzwerken zurückziehen?

Seit Jahren flehe ich meine intellektuellen und menschenfreundlichen Freunde an, sich in soziale Netzwerke zu begeben, um Facebook und Co eben nicht dem Mob zu überlassen. Das Erste, was wir brauchen, um der digitalen Kaperung der Gesellschaft durch die Rechten zu begegnen, ist Aufklärung - sind konstruktive Debatten. Mit Erschrecken erlebe ich, dass bei Facebook sogar engste Familienmitglieder öffentlich schlecht gemacht werden, dass es anscheinend immer mehr zum Mainstream wird, sich der Gehässigkeit des Mobs anzuschließen. Da sollten wir uns liebevoll gegenseitig ermahnen und auf eine freundliche, zugewandte Gesprächskultur achten. Mit gutem Beispiel vorangehen und anderen helfen, es gleich zu tun.

Ein frommer Wunsch, eine rosarote Idee! Social Media, wie es ist, muss man verlassen, will man sich nicht in die Höhle des Löwen begeben. Im gegenwärtigen Fall heißt das wohl: In die Höhle des Drachen.

Vergessen wir doch bei alledem nie, dass Mark Zuckerberg fließend Mandarin spricht und eine chinesische Frau geehelicht hat. Frau Chan ist die Tochter chinesischer Bootsflüchtlinge aus Vietnam.

Wie lange zieht China schon die Fäden in der Familie Zuckerberg?

https://m.faz.net/aktuell/feuilleton/medien/mark-zuckerberg-biedert-sich-der-chinesischen-fuehrung-an-13313542.amp.html

War die Entwicklung vorhersehbar? Ja. Nur hat sich niemand rechtzeitig damit beschäftigt. Keiner wollte so genau hinsehen.

Dass nun ausgerechnet Facebook die Demokratie bedroht, ist kein unglückseliger Zufall.

https://www.deutschlandfunknova.de/beitrag/politik-facebook-bedroht-demokratie-sagt-adrienne-fichter

https://steadynews.de/socialmedia/social-media-und-facebook-von-der-demokratie-zur-mobokratie

Zuckerbergs gewandtes Doppelspiel dürfte unter Insidern kein Geheimnis mehr sein. Welcher unpolitische Mensch trifft schon den chinesischen Präsidenten persönlich?

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