"Ja, kannst Du das denn?" – Keine bescheuerten Fragen zum Weltfrauentag mehr!

Vor vielen Jahren in Wien: A. und ich beginnen Clubbings zu organisieren. Immer wieder die Sätze von Lokalbesitzern und Sponsoren: "Ihr traut Euch was. Aber könnt Ihr das denn?". Wir kapieren nicht recht, was gemeint ist. Unsere Clubbings sind damals voll – und ein Erfolg.Ein paar Jahre später im Journalismus: Ich bin sehr rasch für Berichterstattung über Jörg Haider und die FPÖ zuständig. Ein älterer Kollege sagt: "Viel Glück, aber Du hast keine Chance, weil Du Dich nicht mit denen unter den Tisch saufen kannst. Wie willst Du da Geschichten kriegen?". Stimmt, "unter den Tisch saufen" konnte und wollte ich mich nicht. Die Geschichten bekam ich trotzdem. Den Satz verstehe ich bis heute nicht.Vier, fünf Jahre später: Ich mache Reportagen über Neonazis – in Österreich, in Belgien, in Deutschland. "Glaubst Du nicht, dass Du so etwas besser Männern überlassen solltest?", fragt just eine Kollegin. "Hä?", ich kapiere die Frage nicht.2012 in Syrien: Zwei Mal im Syrien-Krieg sehe ich, dass es vor allem meine weiblichen Kollegen aus aller Welt sind, die an vorderster Front stehen, um über den Krieg und das Leid der Menschen zu berichten. Trotzdem immer wieder die Frage: "Solltet Ihr diese Reisen als Frauen nicht besser bleiben lassen?".Sommer 2014 in Israel während des Gaza-Krieges an der Grenze zum Gazastreifen: Israelische Soldatinnen liegen wie ihre männlichen Kollegen mit Maschinengewehren versteckt am Boden. Sie sichern Terrortunnel ab oder sitzen auf Panzern. Ihre Kommandanten im militärischen Sperrgebiet behandeln mich nicht anders als meinen männlichen Fotografen. Er fragt nur: "Und, wie siehst Du den Konflikt?".Herbst 2014 an der türkisch-syrischen Grenze, unweit von Kobane: Unter den Kurden sind es mindestens 40 Prozent Frauen, die sich den ISIS-Barbaren in den Weg stellen. Kein Kurde fragt mich: "Wieso machst gerade Du diese Geschichten?" Es ist normal. Im Gegenteil, sie fragen: "Willst Du nach Kobane?"Weltfrauentag 2015: Meine Kollegin Corinna Milborn hat auf dieser Plattform bereits treffenderweise geschrieben, dass wir an diesem Tag keine Blumen wollen.Kleine Ergänzung: Ich will auch keine bescheuerten Fragen - "Ja, könnt Ihr das?" - mehr hören. Ja, wir können es, wenn wir es wollen. Oder wir können es eben nicht. Es gibt keine Schablonen für uns, egal was Euch noch so viele "Lebensratgeber-Bücher einreden wollen. Bedrohte Völker wie Israelis und Kurden haben es seit langem kapiert.In diesem Sinn: Macht es einfach, wenn Ihr es wollt. Oder lasst es bleiben, wenn das Euer Wunsch ist.

Free Choice - das gilt übrigens für Frauen und Männer gleichermaßen. Ist das echt so schwer zu verstehen?

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Johnny

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Bernhard Juranek

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fischundfleisch

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Silvia Jelincic

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