Reise zum Mittelpunkt der Erde – in der Steiermark

Der Stollen führt in die Tiefe. Ich halte mich an einem Seil fest und lasse mich vorsichtig hinunter zu einer Aluminiumleiter. Wasser tropft und sammelt sich in Pfützen. Unten angekommen, erwartet mich jedoch ein schön geschwungener Gang, der aus dem Felsen gehauen wurde.

Die unterirdischen Gänge und Menhire der Oststeiermark sind bemerkenswert. Nach Informationen des Vereins Sub Terra Vorau hat die hügelige Landschaft um das malerische Stift Vorau rund 790 unterirdische Gänge und 550 Menhire aufzuweisen. Die Forschung geht davon aus, dass die Gänge über 10.000 Jahre alt sind, aber niemand weiß, von wem und warum sie gebaut wurden.

Ich hatte vor kurzem das Vergnügen, die alten Anlagen zu besichtigen. Die erste Überraschung ist, dass einige der Gänge schwer zugänglich sind – in einem Fall muss man durch ein Einstiegsloch nach unten klettern – was ich zum ersten Mal gemacht habe – und sich dann wie ein Höhlenforscher durch einen engen Gang zwängen. Die zweite ist die handwerkliche Qualität und Größe der Anlagen: einige der Gänge sind schön gestaltet, die Arbeit von Jahren oder vielleicht Generationen. Ich fühlte mich an die unterirdischen Städte in Kappadokien in der Türkei erinnert, deren Ursprünge ebenfalls in grauer Vorzeit liegen.

Auch die Menhire sind faszinierend. Viele haben runde Löcher, ausgerichtet offenbar auf andere Menhire, oder Kapellen, die viel später gebaut wurden. Manche Löcher wurden absichtlich mit Holz oder Stein verschlossen; über einem Menhir, den wir sahen, erhob sich ein altes Metallkreuz. All das hat etwas Geheimnisumwittertes. Man kann sogar einen „Lochsteinwanderweg“ gehen, der an mehreren Menhiren vorbeiführt und zur Einkehr in einem auf Apfelwein spezialisierten Landgasthof einlädt.

Der Verein Sub Terra Vorau unterhält ein Programm zur Freilegung alter Gänge, die verschüttet wurden, und ist immer auf der Suche nach freiwilligen Helfern und Forschern. Sie erreichen sie über ihre Webseite. Ich freue mich darauf, mehr über die Unterwelten der Steiermark zu erfahren, wenn die nächste große Entdeckung gemacht wird.

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