Die Österreichischen Bundesbahnen nutzen seit Monaten jegliche Möglichkeit, der hiesigen Bevölkerung damit auf dem Wecker zu gehen, pardon, darauf aufmerksam zu machen, daß innerhalb von vier Jahren gleich ein Viertel des Bestandes (10.000 Köpfe) zu ersetzen sind.

Wer die ÖBB kennt, weiß, daß das Unternehmen einmal mehr als 100.000 Bedienstete hatte und damals noch ein richtiger Dienstleister war.

Seit Jahren wurden im Unternehmen massive Mitarbeiterreduktionen vorgenommen, gerade ein Christian Kern als Sozialdemokrat hat den Personalstand massiv unter 40.000 Personen gedrückt. Daß bei diesem Vorgang auch sehr viele Leute um teures Steuergeld mit Golden-handshake vertrieben wurden und jene Manager, die die Quoten erreichten, dann nochmals um gutes Steuergeld schöne Prämien kassierten, bleibt unerwähnt.

Die Personalreduktion hat dazu geführt, daß viele Jobs eingespart, viele Stellen im mittleren Management gestrichen und einst frühere Karrieremöglichkeiten gestrichen wurden.

Die Fehler in der früheren Konzernleitung haben eben zu dem geführt, wo der Konzern heute steht, vor einem personellen Desaster. Es ist eben ein Desaster, daß die Konzernleitung und alle Führungsebenen selbst verschuldet haben. Somit darf man mit diesen Bahneliten auch kein Mitleid hegen, denn Entscheidungsfehler in der Vergangenheit sollen ruhig schmerzhaft werden.

Die folgenden Zeilen sollen eine Ursachenanalyse sein, welche Fehler das Staatsunternehmen begangen hat. Der Artikel soll aber auch junge Leute vor beruflichen Risiken als Arbeitgeber warnen. Die Idee für diesen Artikel war letztlich eben die peinliche Frage eines PV-AG Regionalmanagers aus Tirol, der eine Dame von Fridays for Future anläßlich einer Podiumsdiskussion der 17. Salzburger Verkehrstage fragte: "Wir als ÖBB in Tirol suchen 1.000 Personen in unterschiedlichen Berufsfeldern. Was muß der ÖBB-Konzern bei den Jugendlichen tun, um diese für uns zu gewinnen?"

Die Frage wurde von einzelnen Teilnehmern als Peinlichkeit verstanden. Schließlich ist es Aufgabe gerade dieser Manager mit guten Gagen sich selbst darüber Gedanken zu machen. Als ein Soziologe der TU Wien noch meinte, die 1.000 Leute werden nie zu bekommen sein, saß der Schock doch etwas tief. Aber gut so!

1) Abzug von der Fläche

Der Kapitalfehler des ÖBB-Konzern war der Rückzug aus der Fläche. Wo ein Bahnhof auf dem Lande war, war Leben, war Bewegung, war Gesellschaft und war Aktion. Wieviele Jugendliche hat es damals zum Bahnhof gezogen, um der Eisenbahn zuzusehen? Und wieviele Eisenbahner sind auf die Jungen aufmerksam geworden und haben während ihrer Dienstzeit sich mit der interessierten Jugend beschäftigt? Gerade diese Begegnung war der Startschuß für eine spätere Karriere bei der Eisenbahn, ein beachtlicher Teil dieser Jugendlichen strebten danach einen Job bei der Eisenbahn an.

Aber heute? Wo nichts mehr ist, kann auch nichts mehr werden. Gähnende Leere, wohin man sieht! Und ein ungemütliches Ambiente sowie keinerlei Jobchancen vor Ort!

Dieser Anteil der Jugendlichen ist eben weggebrochen, und diese suchen sich lieber einen Job in der Region. Und selbst in den Ballungsräumen ist das System Eisenbahn durch die massiven Einsparungsmaßnahmen und der Legebatterien nicht mehr zum Greifen nahe!

Apropos Legebatterie oder Hühnerstall, auch BFZ genannt: Das sind Dienststellen, die man zentralisiert hat und die Mitarbeiter de facto eiskalt gezwungen hat, dort ihren weiteren Dienst zu versehen. Einzelne Mitarbeiter, die bislang nur wenige Kilometer in den Dienst hatten, müssen seither mehrere Stunden pro Dienstschicht aufwenden. Die verlorende Freizeit wird nicht abgegolten. Intelligente Wesen suchen sich bei solchen Rahmenbedinungen - heutzutage - gleich andere Möglichkeiten aus, die weitaus bequemer sind, um dann in einem Großraumbüro permanent überwacht zu werden.

2) Jobabbau im großen Stil

Die Einsparungen mit Goldenhand-Shake wurden schon angesprochen. Der zweite große Block betrifft die laufende Rücknahme von Betriebspersonal. Diese Einsparungsmaßnahmen hinterlassen bei den Menschen den Eindruck eines unattraktiven Arbeitgebers. Die Arbeitsplätze schienen nicht mehr sicher zu sein, die Betroffenen wurden entweder in Frühpension geschickt oder anderweitig versetzt und somit zu unfreiwilligen Pendlern gemacht. Der Abbau von Serviceleistungen überall im Konzern bestärken den Eindruck, daß der Betroffene morgen schon eine andere Tätigkeit machen muß.

3) Mobbing und fehlende Führungskultur

Das Mobbing hat trotz Gewerkschaft und Betriebsrat gerade im ÖBB-Konzern eine Dimension erreicht, die zu starker Personalfluktuation führte. Was wenige wissen, es haben sich schon gemobbte ÖBB-Mitarbeiter bereits im Aktivstand vor den Zug geschmissen. Zahlen darüber gibt es keine, es wird auch aus güten Gründen auch keinerlei Informationen nach draußen geben, aber mir sind Fälle von Betroffenen bekannt.

Die Verantwortung für das Mobbing ist jenen Führungskräften zuzuschreiben, die als solche persönlich nicht geeignet sind. Auch hier ist gerade die Gewerkschaft maßgeblich Schuld, Personen an Positionen gehievt zu haben, die dafür absolut untauglich sind!

So sind mir Fälle bekannt, wo an einer Dienststelle permanent junge, engagierte Mitarbeiterinnen freiwillig das Handtuch geworfen haben. Die Ursache dafür waren fachlich ungeeignete Führungskräfte, die keinerlei Kritik an Ihrer Person und an der Tätigkeit zu ließen, gleichzeitig aber faule Mitarbeiter ständig förderten. Versetzungen wurden willkürlich verfügt, wobei Personen mit weiter Anreise zum Dienstort das Malheur ausbaden durften. Daß die Ausbildung sehr teuer war, spielt dabei keine Rolle, denn das Personalcontrolling wie andere Kontrollmaßnahmen versagten, auf ganzer Länge.

Ebenso nicht meßbar ist die Mitarbeitermotivation. Wer Mitarbeiter führt, die bei kleinsten Fehlern regelrecht zur Sau gemacht werden und mit allen möglichen Sanktionen bedroht werden, braucht sich nicht zu wundern, wenn "lebendige Leichen" in den Verkaufsstellen der Bahn gut wahrnehmbar herumsitzen. Der Gesichtsausdruck der übrigen Belegschaft spricht genauso Bände ... Freude strahlende Gesichter sind selbst im ÖBB-Narrenturm seltenst zu sehen.

Das schlimme an dieser Situation ist, daß mangels Motivation im Konzern wohl schon eine menschliche Schockstarre eingetreten ist, die derartige Entwicklungen nicht mehr erkennen und als gegeben hinnehmen. Noch viel schlimmer ist aber, wenn solche Führungskräfte dann noch in den Positionen steigen. Man darf sich auch nicht wundern, wenn die alten Mitarbeiter nur an eines Denken, Pension!

4) Zwergerl-Kommunikation

Verschwiegenheit war im ÖBB-Konzern schon immer ein Fremdwort. Mißstände haben sich immer herumgesprochen. Zudem war das Image im Konzern nie zum besten bestellt. Dafür schimpfen aber umso mehr Eisenbahner über den Konzern. Diese Vorgänge färben nach draußen ab, färben in die jeweilige Familie und auch weiterführend. Und selbst die Versuche, teure Mitarbeiter in die Zwangspension zu senden, haben sich wie ein Strohfeuer herumgesprochen!

5) Freunderlwirtschaft

Jeder neue Mitarbeiter muß sich bewußt sein, daß im Konzern dank Gewerkschaft und Betriebsrat informelle Strukturen gebildet haben. Karriere macht im Konzern nur, wer Gewerkschaftsmitglied ist, und sei diese(r) fachlich noch eine Niete. Diese Leute schützen natürlich andere Gewerkschaftsmitglieder. Bei ernsthaften Problemen steht man dabei im Regen. Diese Freunderlwirtschaft führt sogar soweit, daß sogar noch Vorfälle inszeniert werden, um anderen Mitarbeitern zu schaden.

Ein solcher Vorfall hat sich in Innsbruck am Hauptbahnhof zugetragen, wo seit mehr als einem Jahrzehnt sämtliche Sicherheitsbestimmungen von allen Vorgesetzten mißachtet wurden. Selbst die Anwesenheit vom bahnfremden Personen (Promotion-Leute) im Safe-Raum, der offenstand, wurde als Normalität empfunden, war aber strengstens verboten! Als selbst die behördlichen Untersuchungen mangels Beweise eingestellt wurden, wurde von diesen durch Freunderlwirtschaft in Führungspositionen gehievten Positionen der Vorgang verbissen weitergeführt. Die Folgen waren Psychoterror, Drohungen, Beschuldigungen, Einleitung eines Disziplinarverfahrens (nach zehn Monaten und mind. einem halben Jahr nach Abschluß der polizeilichen Ermittlungen) usw. Dem Anschein nach war sogar ein Detektiv mit Überwachungsarbeiten betraut.

Das schlimme an dem Fall war, daß sich selbst der Holdingvorstand nicht der Sache annahm, geschweige denn dafür interessierte. ÖBB-Chef Andreas Matthä war sogar noch sichtlich beleidigt, weil man die fehlende Führungskultur im Personalbereich anprangerte!

Der Vorfall zeigt also, wie sehr den ÖBB das Personal am Herzen liegt! Hier galt es nur, eine unbequeme Person, die Geld in die Kassen der ÖBB mit hoher Kundenbindung spülte (!), mit allen Mitteln aus dem Konzern zu vertreiben.

Ergo: Wer fühlt sich bei einem solchen Dienstgeber noch wohl und gut aufgehoben? Unter attraktiv ist etwas anderes zu verstehen!

6) Karrierechancen - welche und wo?

Die ÖBB nutzen bei jeder Gelegenheit herauszustellen, daß man bei den ÖBB Karriere machen kann. Der Konzern hat vor längerer Zeit eine Broschüre aufgelegt, welche Karrieren möglich sind. Als dort etwas von Stellwerker, Verschieber, Fahrdienstleiter und Techniker zu lesen war, war der Lachanfall groß. Diese Tätigkeitsfelder waren bis vor 20 Jahren Einsteigerjobs. Damals stieg man auf, machte dann wirklich Karriere. Karriere bei den ÖBB heißt nunmehr, man verbleibt auf diesen Posten bei wenig Lohn und viel Verantwortung.

Die beiden Komponenten (wenig Lohn und sehr große Verantwortung) sind das Produkt von massiven Sparmaßnahmen im Konzern. Und gleichzeitig ist jeder dieser neuen Mitarbeiter gleich mit einem Fuß im Gefängnis oder mit beiden Beinen wieder arbeitslos, wenn er oder sie sich etwas zu schulden kommen läßt. Früher wurden die Mitarbeiter mit kleinen Strafzahlungen belegt, aber heute droht die Kündigung oder die Entlassung. Wer einmal in solchen Jobs tätig war, wird nie mehr seinen Brotberuf ausüben können und wird zum dauerhaften Sozialfall in diesem Staat.

7) Zukunftssichere Jobs?

Das Tätigkeitsfeld der Bahn mag schon unterschiedliche Berufsbilder hervorbringen, doch nicht alle Jobs haben Zukunft. Wer heute als Lokführer oder Zugbegleiter beginnt, muß damit rechnen, bei den künftig anstehenden Ausschreibungen im Personenverkehr nicht mehr dauerhaft benötigt zu werden.

Außerdem hat die Erfahrung der letzten Jahre gezeigt, daß durch die massiven Einsparungsmaßnahmen im Konzern zu weiteren Ausgliederungen führen kann. Wer heute vielleicht in der Gleiserhaltung beginnt zu arbeiten, muß auch damit rechnen, durch Gleisbaufirmen ersetzt zu werden.

8) Conclusio

Wer heute ernsthaft überlegt, die ÖBB als Dienstgeber auszuwählen, möge sich das sehr gut überlegen. Vieles was heute kommuniziert wird, hält vielem nicht Stand. Gute und fachlich versierte Mitarbeiter werden bald auf Frustration stoßen.

Doch wie ernsthaft die ÖBB ihre Personalsuche nehmen, zeigt ein persönliches Erlebnis aus dem Vorjahr. Ich habe mich für vier der fünf ausgeschriebenen Führungspositionen des ÖBB-Konzerns beworben. Bei einer Position wurde ich nach Wien zum Gespräch geladen. Diese Stelle wurde mir nur mündlich abgesagt, die anderen erfolgten schriftlich. Dabei hat mir die ÖBB Holding dreimal den gleichen Text in drei EMS-Briefen übermittelt! (Geld spielt also auf dieser Ebene keine Rolle!)

Der Inhalt der Schreiben war aber sehr interessant. Es wurde mir regelrecht Honig ums Maul geschmiert, wie beeindruckt sie von meinem bisherigen Werdegang und den beruflichen Erfahrungen sind. Diese Ausführungen haben mich dann dazu bewogen, bei der zuständigen Personalchefin der Holding nachzufragen, welche interessanten Positionen sie denn in Anbetracht der Suche von 10.000 Personen sonst für mich hätten?

Die Antwort war wenig überraschend. Es wurde mir der Link zum ÖBB-Karriereportal übermittelt! Dieser Vorgang zeigt also, wozu die Personalabteilung gut ist. Ein aktives Recruiting existiert nicht, dafür holt man sich künftige Betriebsgefahren ins Unternehmen, da die Ansprüche und Erfordernisse massiv nach unten nivelliert wurden. Dies ärgert wiederum das derzeitige Aktivpersonal, samt Pensionisten.

PS 1 - Geld spielt keine Rolle

Mir ist noch eingefallen, daß es einen weiteren Mobbingfall innerhalb des Staatskonzerns gibt. Es gab da einen ÖBB-Lokführer aus Wien, der sehr aktiv war und fachlich hervorragend versiert war. Da Wissen und besondere Fähigkeiten im ÖBB-Konzern unerwünscht sind, wurde über diesen Mitarbeiter bis zu vier Disziplinarverfahren eröffnet. Alle gingen zu seinen Gunsten aus. Die Vorgänge rund um seinen Dienstverhältnis fanden mitunter den Weg zum Arbeits- und Sozialgericht. Der Fall war dem Dienstgeber so heiß, daß der Konzern dem Dienstnehmer freiwillig einen sehr stattlichen, sechsstelligen Euro-Betrag zur Abfertigung bereitstellten. Die verhandelnde Richterin hat in Anbetracht der Ereignisse während der Verhandlung nur mehr den Kopf geschüttelt.

PS 2 - Interne Stellenausschreibungen als Spielball für Gewerkschaftsmitglieder

Ein anderer Fall aus Salzburg offenbart die Mängel bei Stellenausschreibungen mit klar vorgegeben Profil. Eine junge Mitarbeiterin hat sich auf die Stelle beworben und erfüllte das Anforderungsprofil gänzlich. Sie wurde allerdings von einem Mitbewerber überholt, der nur einen Hauptschulabschluß anstatt des geforderten Hochschulabschlusses verfügte. Die Dame hat gegen Diskriminierung geklagt und dabei einen Monatsgehalt erhalten. Die Folge war dann, daß die in die Position gehievte Führungskraft gerade jene Person auf dieselbe Maschine mobbte, indem auf einmal unerklärliche Kundenbeschwerden auftauchten. Belege für diese Behauptungen wurden nie vorgelegt, allerdings hatte die junge Mitarbeitern schwere Stunden unter ihm zu Ertragen. Die Dame wechselte dann das Tätigkeitsfeld im Konzern.

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