Europa wirkt inzwischen wie ein politisches Kabarett, das sich selbst nicht mehr im Spiegel anschauen kann. Tagsüber wird mit bebender Stimme vor der Islamisierung Europas gewarnt, als stünde der Muezzin schon im Vorgarten und würde die Gartenzwerge vertreiben. Doch kaum ist die Pressekonferenz vorbei, werden in Berlin und Brüssel die Konferenztische abgestaubt – schließlich erwartet man hohen Besuch: Delegationen der Taliban. Ja, genau jene Taliban, die man sonst als Inbegriff des religiösen Extremismus präsentiert. Aber für Abschiebungen macht man eben gern mal eine Ausnahme. Realpolitik, nennt man das. Andere würden sagen: ein politischer Spagat, der anatomisch eigentlich unmöglich ist.
Die Szene wirkt wie aus einer absurden Komödie: „Wir fürchten eure Ideologie zutiefst – aber könnten wir kurz eure Unterschrift haben, damit wir ein paar Leute zurückschicken dürfen?“ Das ist ungefähr so, als würde man vor Vampiren warnen und ihnen gleichzeitig die Kellerschlüssel geben, damit sie „nur kurz etwas abholen“. Die Diskrepanz ist so grotesk, dass man sich fragt, ob irgendjemand in diesen Regierungen noch merkt, wie widersprüchlich das alles wirkt.
Die Warnung vor „Islamisierung“ dient als innenpolitisches Nebelhorn, das zuverlässig Alarmstimmung erzeugt. Doch sobald es um Abschiebungen geht, wird dieselbe Ideologie plötzlich zur verhandelbaren Größe. Da wird dann nicht mehr von „Gefahr“ gesprochen, sondern von „notwendigem Dialog“. Man könnte fast meinen, die Taliban seien eine Art Dienstleister für europäische Migrationspolitik – nur ohne Website und Kundenhotline.
Diese Dialektik zeigt vor allem eines: Die politische Rhetorik hat sich so weit von der Realität entfernt, dass sie nur noch als Bühnenkulisse taugt. Vorne wird Pathos gespielt, hinten wird pragmatisch verhandelt. Und das Publikum soll bitte nicht merken, dass die Kulissen wackeln.
Wenn du willst, kann ich den Text noch satirischer, noch polemischer oder stärker auf EU-Ebene zuspitzen: noch bissiger oder EU‑Version.